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Ei-Ersatz enthält kaum Nährstoffe

Veganer und Allergiker greifen gern zu Ei-Ersatzprodukten. Doch was ist da eigentlich drin? Verbraucherschützer haben genauer hingeschaut.

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Im Marktcheck: Ei-Ersatzprodukte verschiedener Hersteller.
Im Marktcheck: Ei-Ersatzprodukte verschiedener Hersteller. © Verbraucherzentrale NRW

Wer beim Backen und Kochen auf Eier, aber nicht auf deren Eigenschaften verzichten möchte, greift zu Ei-Ersatzprodukten. Diese sind in der Regel pflanzlich, dennoch enthalten sie kaum Nährstoffe. Im Gegenteil: In vielen stecken sogar Zusatzstoffe. Das hat eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ergeben, die sich 18 Produkte angeschaut hat.

Die meisten Angebote sind pulverförmig zum Anrühren, teils verzehrfertig im Kühlregal. Teige binden und lockern gelingt je nach Produkt ebenso wie Panieren, luftiges Aufschlagen oder Anbraten in der Pfanne. Nach Angaben der Verbraucherschützer sind die geprüften Ei-Alternativen relativ einfach anzuwenden, in Pulverform lange haltbar und zur Vorratshaltung geeignet. Allerdings handele es sich um industriell verarbeitete, zusammengesetzte Lebensmittel.

„Unsere Marktstichprobe zeigt, dass ausnahmslos alle geprüften Produkte mindestens ein bis zwei Zusatzstoffe enthalten, auch die Bio-Produkte“, sagt Nora Dittrich, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale NRW. „Das ist in der Zutatenliste erkennbar.“ Im Durchschnitt waren pro Ersatzprodukt 1,5 Zusatzstoffe enthalten. Dabei handelte es sich vor allem um Verdickungsmittel wie Johannisbrotkernmehl, Xanthan und in jeweils einem Fall Guarkernmehl und Agar-Agar.

Vereinzelt fanden die Verbraucherschützer Emulgatoren, Geliermittel, Säureregulatoren und Koagulations- beziehungsweise Gerinnungsmittel. In jeweils einem konventionell hergestellten Produkt wurden ein Backtriebmittel und ein Stabilisator eingesetzt. Zwar stand bei allen Produkten direkt auf der Vorderseite, dass es sich um Ei-Ersatz handelt, und die meisten wiesen dort auf den veganen Charakter hin. „Es wäre für Kunden jedoch hilfreich, wenn direkt der Hauptrohstoff beziehungsweise die Ersatzzutat gut sichtbar angegeben würden“, sagt Dittrich.

Eher technologische Back-Unterstützung

Die Produkte, die als Ersatz von Vollei beziehungsweise Eiweiß gelten, bestehen hauptsächlich aus Stärke. Diese ist zum Abbinden und Andicken von Flüssigkeiten geeignet. Die Eiweiß-Ersatzprodukte enthalten vor allem Erbsenprotein und Maisstärke. Zum Teil wurden weitere pflanzliche Proteinquellen wie Lupinenmehl, Kartoffel-, Erbsen- und Ackerbohnenprotein und Stärkepulver wie Kartoffel- und Reisstärke hinzugefügt, fand die Verbraucherzentrale heraus.

Ein weiteres Ergebnis: In Sachen Nährstoffe sind die Ersatzprodukte den Hühnereiern unterlegen. Eier liefern neben hochwertigem Protein viele wichtige Vitamine und Mineralstoffe, aber auch Fett und Kilokalorien. Die Ersatzprodukte sind überwiegend nährstoffarm – und laut Verbraucherzentrale eher eine „technologische“ Unterstützung beim Backen und Kochen.

Dass vergleichsweise wenige Nährstoffe in die Plätzchen, den Kuchen oder den Auflauf wandern, ist allerdings auch auf die geringe Menge an zu verwendendem zurückzuführen. So kommen die meisten Produkte, die mit Wasser angerührt werden, mit drei bis zehn Gramm aus. Ein Hühnerei liefert im Schnitt fast dreimal so viel Energie, etwa sechsmal so viel Fett und siebenmal so viel Eiweiß wie ein durchschnittliches mit Wasser angerührtes Ersatz-Vollei.

Bei 17 der untersuchten 18 Produkte sucht man der Untersuchung zufolge eine Angabe, woher die verwendeten Rohstoffe stammen, vergeblich. „Die Herkunft sollte grundsätzlich angegeben werden, da es eine wichtige Orientierungshilfe für den nachhaltigen Einkauf gibt“, sagt Dittrich. Zudem fanden die Verbraucherschützer auf mehreren Produkten unzulässige nährwertbezogene Angaben wie cholesterinfrei, glutenfrei, sojafrei, milchfrei oder weizenfrei. (rnw/kn)