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Mit der Mobilsauna raus aus dem Sommerloch

Der rollende Schwitzkasten von Alexander Horn aus Heidenau kam im Lockdown gut an. Wie gehen die Geschäfte heute?

Der Mann mit der heißen Kiste: Alexander Horn aus Heidenau vermietet fahrbare Saunafässer. Während Corona konnte er sich vor Aufträgen kaum retten.
Der Mann mit der heißen Kiste: Alexander Horn aus Heidenau vermietet fahrbare Saunafässer. Während Corona konnte er sich vor Aufträgen kaum retten. © Daniel Schäfer

Es ist so weit: baden unter Birken. Zwei Stunden brennt das Feuer schon unter dem immensen Zuber, der am Ufer des Leubener Kiessees parkt und knapp zwei Kubikmeter Wasser enthält. 36 Grad zeigt der Plastefisch an. Wärme schwimmt oben. Wenn die Whirlpool-Funktion loslegt, wird die Thermometersäule etwas schrumpfen. Daria lässt dennoch das Handtuch fallen und steigt in den Bottich. Anders als im Hallenbad hat sie hier die Blubberblasen ganz für sich allein, sagt sie. „Da kann man richtig entspannen.“

Banja-Lust aus Kirgistan mitgebracht

Der Badezuber gehört zum Arsenal der Firma Ahorn. Das Kürzel hat nichts mit Bäumen zu tun, sondern verweist auf den Chef, Alexander Horn. Der 35-jährige Heidenauer hat sich mit der Vermietung mobiler Bade-Anlagen, vor allem Saunafässern, selbstständig gemacht. Seine Schwitzkästen nennt Horn Banjas. Das kommt daher, weil er in der Sowjetunion geboren wurde. Bis zum Jahr 2000 lebte er in Kirgistan, mit Banja gleich am Haus. Heute bringt er die Sauna vor die Haustüren derer, die selber keine haben, huckepack auf dem Anhänger, den sein bulliger Toyota zieht.

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Zum mobilen Saunapark gehört auch dieser Freiluft-Whirlpool, hier besetzt von Daria Horn, der Nichte des Chefs.
Zum mobilen Saunapark gehört auch dieser Freiluft-Whirlpool, hier besetzt von Daria Horn, der Nichte des Chefs. © Daniel Schäfer

Seine erste Mobilsauna hat sich Alexander Horn Anfang 2020 zugelegt. Damals verdiente er seine Brötchen hauptsächlich mit einer Selbsthilfewerkstatt für Autoschrauber. Als Corona erledigt schien, begann er, seine heiße Kiste in Kleinanzeigen anzubieten. Meist jedoch vergeblich. Dann kam der Winter, mit neuen Coronawellen und endlosem Lockdown, der auch die Saunafans traf. Sie fingen an, die Sauna zu sich nach Hause zu holen. Nachdem die SZ bei Horn probesauniert und auch das Fernsehen über die rollende Banja berichtet hatte, gingen die Buchungen durch die Decke.

Lange Wartelisten während des Lockdowns

Die Mobilsauna Marke „Bochky“, produziert von einem Moskauer Unternehmen, bietet acht Leuten bequem Platz. Die Masse der Anfragen konnte Alexander Horn damit nicht bedienen. Deshalb hat er diesen Frühling zwei weitere Saunafässer angeschafft und in Betrieb genommen. Bis Ende Mai, sagt er, waren die Banjas ausgebucht. Zeitweise hätten fünfzig, sechzig Besteller auf der Warteliste gestanden. „Wir waren fast jeden Tag unterwegs.“

Mit dem Schwitzkasten auf Achse: So sieht es aus, wenn Alexander Horn seine Kunden beliefert.
Mit dem Schwitzkasten auf Achse: So sieht es aus, wenn Alexander Horn seine Kunden beliefert. © Daniel Schäfer

Beliefert hat Alexander Horn Saunafreunde in Heidenau und in Pirna, aber auch Leute, die unter dem Fernsehturm am Dresdner Elbhang leben, in Radeberg, hinter dem Tharandter Wald oder in der Lausitz. Beim Saunieren sein eigenes Ding machen, ein Lagerfeuer entfachen, trinken und feiern – das gefiel den Menschen, sagt Horn. Seine Banja stand bei Junggesellenabschieden und bei Geburtstagsrunden, oder auch auf der Jugendweihe. „Es lief wirklich sehr gut“, sagt er. „Ich dachte, so könnte es immer weitergehen.“

Doch diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Mit steigenden Temperaturen und sinkenden Coronazahlen, mit dem Erwachen des öffentlichen Lebens, und, schließlich, auch mit der Wiedereröffnung der stationären Dampfbäder schwand die Lust auf „Banja to go“. Seit Juni, sagt Horn, sei die Nachfrage „wie abgeschnitten“. Zwar gibt es inzwischen wieder einige Anfragen, vor allem für die kühlere Jahreszeit. Zum Leben, sagt er, reicht das derzeit nicht.

Alexander Horn senior beim Einheizen. Der ehemalige Kolchos-Traktorist und Fabrikarbeiter geht seinem Sohn beim Saunageschäft zur Hand.
Alexander Horn senior beim Einheizen. Der ehemalige Kolchos-Traktorist und Fabrikarbeiter geht seinem Sohn beim Saunageschäft zur Hand. © Daniel Schäfer

Für seine Saunafässer inklusive Anhänger hat Horn, grob überschlagen, schon an die 20.000 Euro investiert. Dazu kommen der Toyota als Zugfahrzeug und ein viertes Saunafass, das schon bestellt ist. Die Ersparnisse sind aufgebraucht. Teils hat er sich Geld geborgt. Ein bisschen ist ihm bange vor der eigenen Courage, gibt er zu. Er hofft einfach, dass die Konjunktur bald wieder anspringt und das Auftragsbuch sich füllt. „Ich muss sehen, wie es weiter geht.“

Der Traum vom Saunagarten unter Birken

Weitergehen könnte es nach seinen Plänen mit einem Platz für all jene, die daheim keine Stellfläche für eine Mobilsauna haben. Vielleicht wird es mal dieser Platz am Leubener Kiessee sein, den Horn für seine Banjaflotte als Parkplatz angemietet hat, und wo sich Daria, seine Nichte, gerade im Whirlpool räkelt. Dreitausend Quadratmeter sind das, Wiese und Bäume, darunter ein kleiner Birkenhain, der aussieht, wie frisch aus Sibirien importiert. Hier könnten die Kunden saunieren, am Feuer sitzen, Volleyball spielen, grillen. Ob das machbar ist, muss der Unternehmer erst noch herausfinden. Er weiß, dass manch anderer Anbieter schon über so etwas verfügt. „Die Konkurrenz schläft nicht.“

Der Test: Während des Lockdowns im Januar probierte SZ-Redakteur Jörg Stock (l.) die mobile Banja mit seiner Familie aus.
Der Test: Während des Lockdowns im Januar probierte SZ-Redakteur Jörg Stock (l.) die mobile Banja mit seiner Familie aus. © Daniel Schäfer

Auch wenn Alexander Horn das Geschäft mit der rollenden Banja mit Abstand am intensivsten betreibt im Landkreis: Der Einzige ist er damit nicht. Johannes Knoll, der wie Horn in Heidenau wohnt, verfügt ebenfalls über einen Anhänger mit Saunafass, den er seit 2020 zur Vermietung anbietet. Auch Knoll ist Russlanddeutscher. Er kam als Vierzehnjähriger aus Kasachstan und betreibt heute ein Geschäft für Fahrzeugpflege. Auch bei Knoll war in Sachen Saunabestellung Sommerloch. Trotzdem erwägt er, sich ein zweites Fass zu besorgen, je nachdem, wie es in nächster Zeit läuft.

Im Bannewitzer Ortsteil Goppeln hat sich Conrad Bartsch-Herzog diesen März eine Mobilsauna angeschafft, auch ein Modell aus Russland – mit gläserner Rückwand. Bartsch-Herzog stammt nicht aus der einstigen Sowjetunion, ist aber ein Saunafan. Als er während Corona eine mobile Banja für sich daheim ordern wollte, aber keine bekam, wegen der hohen Nachfrage, kaufte er sich kurzerhand eine eigene. Und weil sie nun mal da ist, benutzt er sie nicht nur selber, sondern vermietet sie auch. Seine Kunden sind begeistert, sagt er, vor allem von der Glasfront. „Das Panoramafenster macht schon was her.“

"Das Panoramafenster macht was her." Conrad Bartsch-Herzog aus Goppeln besitzt ebenfalls eine mobile Banja, die man mieten kann.
"Das Panoramafenster macht was her." Conrad Bartsch-Herzog aus Goppeln besitzt ebenfalls eine mobile Banja, die man mieten kann. © Daniel Schäfer

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Bei Alexander Horn am Leubener Kiessee klingelt das Handy. Jemand will bei ihm seine Bremsen reparieren. Horn muss ihm absagen. Er hat seine Schrauberwerkstatt aufgelöst. Aber sein Unternehmergeist, der ist noch da. Lieber sechzehn Stunden für sich selber arbeiten als acht Stunden in irgendeiner Werkhalle stehen. „Ich brauch’ die Abwechslung“, sagt er. „Das ist mein Motiv.“

Bei Anruf Banja: Alexander Horn Tel. 0176 41587033; Johannes Knoll Tel. 0176 20941513; Conrad Bartsch-Herzog Tel. 01520 3977340; 24 Stunden kosten bei allen Anbietern 100 bzw. 99 Euro, evtl. zzgl. Transportkosten und Reinigungspauschale.

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