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Geteiltes Echo auf Umsiedlung des Tagebau-Dorfs

Deutschland will aus der Kohle aussteigen. Zugleich soll Mühlrose den Baggern weichen. Was paradox scheint, hängt mit dem Kohleausstieg zusammen.

Das Dorf Mühlrose bei Weißwasser wird weggebaggert.
Das Dorf Mühlrose bei Weißwasser wird weggebaggert. © dpa/Miriam Schönbach

Mühlrose. Das endgültige Aus für das ostsächsische Dorf Mühlrose zugunsten der Braunkohle hat den Streit zwischen Gegnern und Befürwortern eines raschen Kohleausstiegs neu entfacht. Linke und Grüne protestierten am Freitag scharf. Die sächsische Regierung sieht dagegen endlich Klarheit für die rund 200 Bewohner der Ortschaft im Landkreis Görlitz.

Der Konzern Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) hatte am Donnerstag in Mühlrose die Einwohner über ihre geplante Umsiedlung informiert. Für die Betroffenen kommt das nicht überraschend. Darüber war lange verhandelt worden. Rund 200 Menschen sollen in die Nachbargemeinde Schleife umziehen. Die allermeisten wollen das auch. Die Leag hatte sich aber noch bis März Bedenkzeit ausgebeten.

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Grüne und Linke sind aber überzeugt davon, dass die Kohle unter Mühlrose für die Kraftwerke gar nicht mehr benötigt wird. Die Abgeordnete Jana Pinka (Linke) wies zudem auf rechtliche Hürden hin. Das Sächsische Oberbergamt könne die Abbaggerung überhaupt nicht genehmigen, da die derzeit gültige Abbau-Rahmenbetriebsplanung im Tagebau Nochten ohne Mühlrose bis 2026 befristet sei.

"Die bergrechtlichen Grundlagen für den Abbau von Mühlrose und weiteren 145 Millionen Tonnen Braunkohle sind nicht vorhanden - gegenwärtig läuft die vorgelagerte Scoping-Phase, in der die Inhalte der Umweltprüfung abgestimmt werden", erläuterte Pinka. Dem Ergebnis des Genehmigungsverfahrens dürfe nicht vorgegriffen werden, da die gesamte Lage "weniger eindeutig ist als noch vor Jahren".

"Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die Kohlereserven im Teilfeld Mühlrose auch bei einem Kohleausstieg Ende 2038 für die bedarfsgerechte Versorgung des Kraftwerks Boxberg benötigt werden", hatte Leag-Vorstandschef Helmar Rendez zuvor erklärt. Die Gewinnung dieser Vorräte liege im Rahmen des Lausitzer Revierkonzeptes. Weitere Auswirkungen der Kommissionsempfehlungen prüfe man noch.

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Nach Angaben der Grünen ist das geplante Abbaufeld in Mühlrose 518 Hektar groß, was etwa 700 Fußballfeldern entspricht. Nach dem Votum der Kohlekommission sei das Revierkonzept der Leag genauso Makulatur wie die Vorsorgevereinbarung des Oberbergamtes, die sich an einem längeren Abbauzeitraum orientiert. Das Vorsorgeabkommen soll die Kosten für eine Renaturierung vom Bergbau betroffener Flächen regeln. (dpa)