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Glashütte vor dem Neuanfang - neuer Bürgermeister, neuer Politikstil?

Sven Gleißberg ist seit Anfang Dezember Rathauschef. Er setzt auf Transparenz und Bürgernähe. Dazu hat er sich einiges vorgenommen.

Von Maik Brückner
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Kurz vor Weihnachten wurde Sven Gleißberg (parteilos) von Uwe Ahrendt (links) als neuer Bürgermeister von Glashütte vereidigt.
Kurz vor Weihnachten wurde Sven Gleißberg (parteilos) von Uwe Ahrendt (links) als neuer Bürgermeister von Glashütte vereidigt. © Egbert Kamprath

Es ist kurz vor 18.30 Uhr. Die Besucher und Stadträte sitzen an diesem Abend mit Abstand zueinander im Großen Saal des Erbgerichts Reinhardtsgrimma. Sven Gleißberg, Glashüttes neu gewählter Bürgermeister, läuft zu einzelnen Stadträten, um Details abzusprechen. Dann ist es soweit. Der Schlottwitzer eröffnet seine erste Stadtratssitzung: "Ich heiße sie recht herzlich willkommen!" Es folgen Worte der Entschuldigung, dass die Sitzung unter Auflagen stattfinden muss. Alle sind angehalten, Maske zu tragen. So will es die aktuelle Corona-Vorschrift, sagt Gleißberg.

Nach seiner Vereidigung wendet er sich an seine beiden Mitbewerber im Wahlkampf, die weiterhin Stadträte sind. Gleißberg dankt ihnen für den fairen Wahlkampf. Dieser sei nun vorbei. Nun gilt es zusammenzuarbeiten, fordert er sie auf.

Beschlüsse werden einstimmig gefasst

Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, wurde die Tagesordnung stark gekürzt. Auch die Bürgerfragestunde wurde gestrichen - sicher nicht zur Freude der Besucher. "Ich freue mich, dass sie trotzdem hier sind", wendet sich Gleißberg an die Besucher.

Dann handelt er Punkt für Punkt ab. Die Räte stellen Fragen, Verwaltung und Bürgermeister antworten. Im Ton bleibt es durchweg freundlich. Jeder Beschluss wird einstimmig gefasst.

So ähnlich lief es auch bei Gleißbergs Vorgänger Markus Dreßler in den ersten Jahren seiner Amtszeit ab. Doch in den letzten Jahren kühlte sich das Verhältnis zwischen ihm und einem Teil der Stadträte derart ab, dass es vom Zuschauerplatz aus gesehen nicht immer angenehm war, den Diskussionen zuzuhören. Erinnert sei an die Debatten um den möglichen Neubau eines Stadtbades oder die Errichtung eines Vereinshauses in Glashütte.

Man misstraute sich. Die Atmosphäre war frostig geworden. Und so fiel dann auch der Abschied Dreßlers aus. Kein Stadtrat stand auf, um die Leistungen des Rathauschefs in Gänze zu würdigen oder an Projekte und Vorhaben zu erinnern, die in seiner Ära auf den Weg gebracht worden.

Gräben zwischen Rat und dem Amtsvorgänger

Die Gräben zwischen dem Bürgermeister und mehreren Stadträten waren tief geworden. Die Hoffnungen auf einen Neuanfang waren groß. Doch zunächst übernahm Uwe Ahrendt als stellvertretender Bürgermeister interimsmäßig die Leitung im Rathaus. Ahrendt, der hauptberuflich den Uhrenhersteller Nomos Glashütte leitet, war es gelungen, in seiner Amtszeit zwischen Juli und Anfang Dezember, Ruhe in den Stadtrat zu bringen. Seine Methode: aussprechen lassen, zuhören und moderieren. Parallel dazu lief der Wahlkampf. Und bei dem gab es einige Überraschungen.

Sven Gleißberg leitet am 21. Dezember seine erste Sitzung des Glashütter Stadtrates.
Sven Gleißberg leitet am 21. Dezember seine erste Sitzung des Glashütter Stadtrates. © Egbert Kamprath

Erst spät zeichnete sich ab, dass es drei Bewerber geben wird. Als Letzter warf Steffen Barthel - der Kandidat, der von mehreren Stadträten namentlich unterstützt wurde -, seinen Hut in den Ring. Doch bevor der Wahlkampf richtig startete, nahm er sich selbst aus dem Rennen und führte gesundheitliche Gründe an. Eine Möglichkeit, ihn durch einen anderen Bewerber auszutauschen, gab es aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen nicht. Eine ungewöhnliche Situation. Nicht nur für die Bürger, sondern auch für die Fachleute im Landratsamt Pirna.

Im Rennen blieben Stadtrat Tilo Bretschneider von der AfD und eben Sven Gleißberg, der von der CDU unterstützt wurde, als Parteiloser antrat. Gleißberg holte im zweiten Wahlgang die Mehrheit der Stimmen. Sein zentrales Versprechen: Mehr Transparenz und mehr Bürgernähe. Wie das aussehen soll, erklärte er im Wahlkampf und zum Amtsantritt.

Der 38-Jährige kündigte an, regelmäßig Bürgermeistersprechstunden anzubieten und die Vereine und das Ehrenamt zu unterstützen. Jeden Ortschaftsrat möchte er mindestens einmal im Jahr besuchen. Um das "Ohr an der Masse" zu haben, will er an den Wochenenden - und so es Corona zulässt - die Feste im Stadtgebiet besuchen. Und das mit Familie. Er freue sich auf die Gespräche, versicherte er mehrmals. Auch die Homepage der Stadt soll informativer werden, kündigte er an.

Neue Schwerpunkte in der Kommunikation

Dass er andere Schwerpunkte in der Kommunikation setzt als sein Vorgänger, zeichnete sich bereits im Wahlkampf ab. Anders als Dreßler nutzt Gleißberg soziale Medien. Über WhatsApp und Facebook informierte er über seine Termine.

Auch nach seiner Wahl nutzt er WhatsApp, um alle, die über diese Nachrichten-App mit ihm verbunden sind, über Statusmeldungen auf dem Laufenden zu halten. So unterrichtet er dort über den Vandalismus auf dem Hartplatz in Schlottwitz und die Suche nach dem Verursacher. Aber auch über die anstehende Stadtratssitzung und die dort geltenden Teilnahmebedingungen informierte er.

Diese ging dann recht zügig und ohne Probleme für den jungen Bürgermeister vorbei. Der öffentliche Teil endete nach knapp 45 Minuten. Den Besucher hat es gefallen. Wenngleich sie nach der Sitzung auch zu bedenken gaben, dass keine kontroversen Themen auf der Tagesordnung standen. Wenn diese in der jüngsten Vergangenheit verhandelt wurden, ging es schon mal sehr emotional zu.

Da Glashütte durch den Rückgang der Gewerbesteuern vorerst mit weniger Geld auskommen muss, dürfte es bald wieder zu wichtigen Abstimmungen kommen. Spätestens, wenn diese anstehen, wird Sven Gleißberg zeigen müssen, wie er das mit seinem Politikstil meistert.