merken
PLUS Dippoldiswalde

Glashütte: Wenn der Rathaus-Briefkasten zu klein wird

Die Briefwahl ist populär. Weil viele Glashütter ihre Briefe nicht der Deutschen Post anvertrauen, sondern diese selbst abgeben möchten, gibt es Probleme.

Viele Glashütter stecken ihre Wahlbriefe in den Briefkasten des Rathauses. Doch für so viel Post ist der offenbar gar nicht gemacht.
Viele Glashütter stecken ihre Wahlbriefe in den Briefkasten des Rathauses. Doch für so viel Post ist der offenbar gar nicht gemacht. © Karl-Ludwig Oberthür

Als Remo Steinigen am Dienstagabend vor dem Briefkasten des Glashütter Rathauses stand, staunte er nicht schlecht. Dort lugten Unterlagen aus dem Schlitz, die ihm bekannt vorkamen: Das waren eindeutig Kuverts, in denen Stimmzettel eingelegt waren. Der Glashütter kam nicht darüber hinweg. Mühelos hätte man gleiche mehrere Kuverts aus den Briefkasten ziehen können, um sie dann zu öffnen.

"Man hätte sehen können, wer was gewählt hat", sagt er. Er versteht nicht, weshalb die Leute so sorglos ihre Unterlagen abgeben und warum die Stadt den Briefkasten nicht öfters leert, wo doch bekannt sein müsste, dass die Zahl der Briefwähler zunimmt.

City-Apotheken Dresden
365 Tage für Patienten da
365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Links neben der Tür zum Glashütter Rathaus befindet sich der sogenannte Amtsbriefkasten.
Links neben der Tür zum Glashütter Rathaus befindet sich der sogenannte Amtsbriefkasten. © SZ/Maik Brückner
Am Mittwochvormittag war er geleert, keine Wahlbriefe lugten hier heraus.
Am Mittwochvormittag war er geleert, keine Wahlbriefe lugten hier heraus. © SZ/Maik Brückner
Dienstagabend sah es hier ganz anders aus. Wer wollte, konnte sich Wahlbriefe aus dem Kasten "fischen".
Dienstagabend sah es hier ganz anders aus. Wer wollte, konnte sich Wahlbriefe aus dem Kasten "fischen". © Repro: Maik Brückner

Doch nicht nur am 21. September war der Briefkasten am Rathaus überfüllt. Auch am 11. und 12. September schauten Briefe heraus. "Neben Wahlbriefen waren auch andere große Briefsendungen im Kasten, was dazu geführt hat, dass die Kapazität des Briefkastens nicht mehr ausreichte", sagt Julienne Döring, Leiterin des Hauptamtes auf Nachfrage von Sächsische.de. Darüber hat die Stadt das Landratsamt informiert, sagt sie. Die Stadt hat auch mitgeteilt, dass sie den Amtsbriefkasten fortan zusätzlich leeren lassen möchte.

Stadt stellt Anzeige gegen Unbekannt

Dazu ist sie auch verpflichtet: "Die Verwaltung ist verantwortlich für hinreichende Leerungszyklen des Amtsbriefkastens und dessen Beschaffenheit", sagt Thomas Obst, Leiter des Kommunalamtes. Damit sich die Situation nicht wiederholt, wurde und werde der Briefkasten nun mehrmals täglich entleert. "Dies sollte ausreichend sein, um etwaige Überfüllungen des Briefkastens zu verhindern", so Obst.

Der Leiter des Kommunalamtes sieht aber auch die Bürger in der Verantwortung. Jeder sollte sich wie bei ganz normalen Postbriefkästen fragen müssen, ob er seinen Brief in einen gegebenenfalls überfüllten Amtsbriefkasten einwirft und damit auch einen Verlust der Briefsendung riskiert. Die Stadt selbst hat indes einen Hinweis zur richtigen Verhaltensweise bei einer augenscheinlichen Überfüllung an die Tür angebracht.

Julianne Döring und Thomas Obst erinnern daran, dass die Deutsche Post die Wahlbriefe der Wähler portofrei befördert. Deshalb können sie auch in deren Briefkästen eingeworfen werden.

Weiterführende Artikel

In Glashütte ist nach der Wahl vor der Wahl

In Glashütte ist nach der Wahl vor der Wahl

Im Rennen um den Bürgermeisterposten gibt es noch keinen Sieger. Zwei Kandidaten wollen weiter kämpfen - mit unterschiedlichen Strategien.

Glashütte: Über 1.000 haben den Bürgermeister schon gewählt

Glashütte: Über 1.000 haben den Bürgermeister schon gewählt

Auch in der Uhrenstadt haben sich schon viele entschieden. Wie die Wahl ausgegangen ist, werden sie am Sonntag aber erst sehr spät erfahren.

Glashütte: Was passiert mit den Barthel-Stimmen?

Glashütte: Was passiert mit den Barthel-Stimmen?

Eine ungewöhnliche Konstellation gibt es in Glashütte. Auf dem Zettel zur Bürgermeisterwahl stehen drei Namen, aber nur zwei wollen die Posten haben.

Glashütte: Was wollen die Bürgermeister-Kandidaten?

Glashütte: Was wollen die Bürgermeister-Kandidaten?

Im Wahlforum der Sächsischen Zeitung stellten sich Tilo Bretschneider (AfD) und Sven Gleißberg (parteilos) den Fragen der SZ und der Bürger.

Ob der überfüllte Amtsbriefkasten zu einer Wahlanfechtung führen könnte, vermag Obst noch nicht sagen. Sollten so viele Wahlbriefe verloren gegangen sein, dass dies Einfluss auf das Wahlergebnis haben könnte, könnte das ein Grund für eine Wahlanfechtung sein. "Bisher ist jedoch weder der Verlust von Wahlbriefen belegt noch eine diesbezügliche Anzahl", so Obst. Die Stadt hat indes eine Strafanzeige gegen Unbekannt wegen der möglichen Entnahme von Poststücken am 11. September gestellt, ergänzt die Hauptamtsleiterin.

Die Bürgermeisterwahl in Glashütte findet am 26. September statt. Es gibt insgesamt 5.515 Wahlberechtigte. Von denen haben über 1.200 Briefwahlunterlagen angefordert. Der Großteil davon liegt bereits wieder im Rathaus.

Mehr zum Thema Dippoldiswalde