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Glashütte: Stadt kämpft für Zahnarztpraxis

Ein Leipziger Zahnarzt wollte in der Uhrenstadt eine Zweigpraxis eröffnen. Doch die Kassenzahnärztliche Vereinigung lehnt das ab.

Bekommt Glashütte einen Zahnarzt, der die leerstehende Praxis im Ärztehaus übernimmt? Im Glashütter Rathaus möchte man das unbedingt.
Bekommt Glashütte einen Zahnarzt, der die leerstehende Praxis im Ärztehaus übernimmt? Im Glashütter Rathaus möchte man das unbedingt. © SAE Sächsische Zeitung

Glashütte möchte die Zahnarztpraxis im Ärztehaus erhalten. Dafür kämpft die Stadt, sagt der amtierende Bürgermeister Uwe Ahrendt (Grüne). Er hofft, dass er demnächst einen Termin mit der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) bekommt, um zu klären, wie sich die Stadt dabei einbringen kann und welche Möglichkeit die KZV hat.

Konkret geht es um die Praxis von Jörg Uhlmann, der Anfang Mai überraschend gestorben ist. Wenige Wochen später durften die Glashütter hoffen, dass es dort weitergeht. Der Leipziger Zahnarzt Dr. Rasmus Sperber kam nach Glashütte und praktizierte dort. Den Kontakt hatte ein Praxisausstatter aus Lohmen vermittelt.

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Das Ärztehaus in Glashütte. Hier wird ein Zahnarzt gesucht.
Das Ärztehaus in Glashütte. Hier wird ein Zahnarzt gesucht. © Karl-Ludwig Oberthür

Doch die Freude über den Nachfolger währte nur kurz. Nach gut zwei Monaten zog sich der Zahnarzt Ende August zurück. Der Grund: Die KZV billigte seine Pläne nicht. Zwar wurde ihm zunächst gestattet, die Praxis des verstorbenen Zahnarztes weiterzuführen, aber das nur befristet bis zum 30. September 2021. Dann sollte die Praxis ein einzelner Zahnarzt, ein Medizinisches Versorgungszentrum oder eine von mehreren in einer Berufsausübungsgemeinschaft tätigen Zahnärzten weiterführen. So wollte es zumindest die Kassenzahnärztliche Vereinigung.

Keine Zustimmung für eine Zweigpraxis

Doch Dr. Rasmus Sperber hatte andere Pläne. Der Zahnarzt, der zehn Praxen in Dresden, Leipzig, Wehlen, Zeithain, Berlin und zwei in Rheinland-Pfalz betreibt und rund 100 Mitarbeiter beschäftigt, wollte in Glashütte kein Medizinisches Versorgungszentrum gründen. "Dazu müsste ich zwei Zahnärzte einstellen. Doch dafür sind Räume zu klein." Sein Plan sah anders aus: Er wollte in Glashütte eine Zweigpraxis seines Medizinischen Versorgungszentrums in Wehlen (MVZ) errichten. Doch das habe die KZV mit der Begründung abgelehnt, dass die Region nicht unterversorgt ist, sagt Sperber.

Die KZV begründet das so: "Die hierfür notwendigen rechtlichen Voraussetzungen haben nicht vorgelegen." Da das Verwaltungsverfahren noch keine Rechtskraft besitzt, wolle man dazu aber keine weiteren Angaben machen.

Schwierige Zahnarztsuche in der Uhrenstadt

Dr. Sperber bedauert die Entscheidung. Seiner Meinung nach habe der Zulassungsausschuss seinen Ermessensspielraum für die strukturschwache Region nicht ausgeschöpft. In einem ähnlichen Fall in Rheinland-Pfalz habe die dortige KZV damals anders entschieden.

Sauer ist der Leipziger nicht. "Ich habe meinen Teil erfüllt und habe an anderen Stellen viel mehr Möglichkeiten", sagt er. Das habe er auch den Mitarbeitern vor Ort gesagt. "Es tut mir leid, ich kann nicht mehr tun." Für die Patienten wird es schwieriger, einen Zahnarzttermin zu bekommen.

Der Leipziger Zahnarzt Dr. Rasmus Sperber wollte in Glashütte eine Zweigpraxis eröffnen. Doch die Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) lehnt das ab.
Der Leipziger Zahnarzt Dr. Rasmus Sperber wollte in Glashütte eine Zweigpraxis eröffnen. Doch die Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) lehnt das ab. © privat

Für KZV stellt sich die Lage nicht dramatisch dar. Generell sei die zahnärztliche Versorgung in Glashütte mehr als ausreichend. Die Stadt habe einen Versorgungsgrad von 127,6 Prozent und sei damit "zahnärztlich sehr gut versorgt". Im Stadtgebiet gebe es drei weitere Praxen, teilweise mit angestellten Zahnärzten, heißt es von der KZV.

In der Stadt verweist man auf eine andere Zahnarztpraxis in Glashütte, deren Inhaber aber schon seit Längerem krank ist und der noch mehrere Wochen ausfallen wird. "Eine Notfallversorgung wird durch alle zugelassenen Vertragszahnarztpraxen sichergestellt", heißt es dazu von KZV-Sprecherin Katrin Reitmeier.

Im Rathaus möchte man sich damit nicht zufriedengeben. Glashütte ist eine Industriestadt mit vielen Einpendlern. Viele dieser Pendler gehen am Arbeitsort zum Zahnarzt. Und es kommt natürlich auch vor, dass sie unverhofft Zahnschmerzen bekommen.

Aus Sicht der KZV ist es möglich, einen Nachfolger zu finden. Denn im Unterschied zu anderen medizinischen Berufen gibt es für Zahnärzte keine Bedarfszulassungen. "Wenn sich jemand für den Standort interessiert und die persönlichen Voraussetzungen erfüllt, ist eine Praxisübernahme ohne zusätzliche Prüfung möglich", so die KZV.

Dr. Sperber, der die Sorgen der Glashütter versteht, kann sich nicht vorstellen, dass sich ein Zahnarzt in den Räumen selbstständig macht. "Die Praxis ist zu klein", meint er. Zudem sei es generell schwierig, Zahnärzte aufs Land zu locken.

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