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Görlitzer Bürger machen mit bei "Wir sind Görlitz"

Die Preisträger-Projekte zum 950. Görlitzer Stadtjubiläum kamen bei den Menschen gut an - die "Blaue Stunde" und ein Chortreffen kommen noch.

Puppenspielerin Anne Swoboda an einer der Stationen, an denen sie bei ihrem 950-Schritte-Stadtrundgang die Puppen tanzen ließ.
Puppenspielerin Anne Swoboda an einer der Stationen, an denen sie bei ihrem 950-Schritte-Stadtrundgang die Puppen tanzen ließ. © Aktionskreis für Görlitz

Der ganz große Wurf ist es pandemiebedingt nicht geworden, das Jubiläumsjahr 950 Jahre Görlitz. Dennoch gelang es, Akzente zu setzen. Obwohl der Sommer 2021 vorbei ist, gibt es bis zum Jahresende noch einiges zu erleben.

Der Verein Aktionskreis für Görlitz hatte im Vorfeld des Stadtjubiläums zum Projektwettbewerb "950 Jahre Görlitz - Wir sind Görlitz" aufgerufen. 165 Projektideen gingen ein, 35 wurden ausgewählt und mit einem finanziellen Zuschuss zwischen 1.000 und 5.000 Euro für die Projektrealisierung belohnt - insgesamt 65.000 Euro. Das Geld gab die Stadt.

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Programm wird wieder aufgelegt

Gabriele Melzer, die stellvertretende Vorsitzende des Aktionskreises, zeigt sich sehr glücklich über die Beteiligung an diesem Wettbewerb. "Er bildet die Vielfalt der Stadtgesellschaft ab", unterstreicht sie. Allerdings sieht es mit der Resonanz der einzelnen Projekte, die bereits stattfanden, unterschiedlich aus. Darauf verweist Michael Schick, Leiter der Geschäftsstelle des Aktionskreises. "Mitunter war die öffentliche Ankündigung der Projekte kurzfristig, ein andermal hatten die Besucher die Qual der Wahl, weil zu viele Veranstaltungen in Görlitz gleichzeitig stattfanden", sagt er.

Ab Juni dieses Jahres wurden die Preisträgerprojekte verwirklicht. Zum Beispiel das von Anne Swoboda. Die Puppenspielerin hatte zum theatralen Stadtspaziergang mit mehr als 950 Schritten eingeladen. Unterwegs gab es Puppenspiel. Zwar sei das Projekt zum Stadtjubiläum inzwischen abgeschlossen, aber sie legt das Programm wieder auf. "Ich werde damit immer noch gebucht für Familienfeiern und Betriebsveranstaltungen", berichtet sie. Mit einer Schule ist sie im Gespräch, um das Projekt auszubauen und 2022 aufzuführen. Und sie sucht neue Kooperationspartner, "denn die Zusammenarbeit mit der Görlitz-Information trug nicht so gute Früchte", sagt Anne Swoboda.

Anne Swoboda (vorn) unterwegs beim theatralen Stadtspaziergang.
Anne Swoboda (vorn) unterwegs beim theatralen Stadtspaziergang. © Aktionskreis für Görlitz

Gedankenspiele

Ein Hörerlebnis der besonderen Art bescherten Görlitzer Blechbläser: Von Juni bis August erklang jeden Sonntag 12 Uhr vom Görlitzer Rathausturm ein Signal - angelehnt an den Stadtpfeifer. Jeden Sonnabend 15 Uhr spielte eine Formation an verschiedenen Orten, "so, wie es nur Blechbläser richtig können", sagt Maria-Ruth Schäfer. "Das hat viel Spaß gemacht", betont sie und berichtet, dass die Aktion von den Menschen sehr positiv aufgenommen wurde. Manche hätten sich sogar extra zu den außergewöhnlichen Orten auf den Weg gemacht, um zuzuhören. Solche Orte waren unter anderem die Landeskrone und das Kaufland in Königshufen, aber auch ein gelbes Schlauchboot auf der Neiße und eine Blechbläsertour mit Lastenrädern.

Ruth-Maria Schäfer von der Blech:Werk:Stadt Görlitz kann sich gut vorstellen, das Projekt zu wiederholen. "Wir spielen mit diesem Gedanken", sagt sie.

Blechbläser musizierten an den ungewöhnlichsten Orten.
Blechbläser musizierten an den ungewöhnlichsten Orten. © Aktionskreis für Görlitz

Geforscht und schriftlich fixiert

Aber auch weniger massentaugliche Projekte wurden umgesetzt. Das SeniorKompetenzTeam Görlitz-Zgorzelec zum Beispiel erarbeitete eine Dokumentation, die das Geschehen in Görlitz und Zgorzelec seit der 900-Jahr-Feier aus der Sicht von Senioren erfasst. Mitte September wurde sie öffentlich vorgestellt. Sie ist im Internet einsehbar. Vom Preisgeld (1.000 Euro) wurden 100 Speichersticks gekauft und mit den Ergebnissen ausgestattet. "Zwei davon besitzen nun Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu", informiert Jürgen Knospe, der Sprecher des Teams.

Die Preisträger beim Projektwettbewerb 950 Jahre Görlitz.
Die Preisträger beim Projektwettbewerb 950 Jahre Görlitz. © Aktionskreis für Görlitz

Blaue Stunden und lebendiger Adventskalender

Weitere Projekte dürften den Görlitzern noch lange im Gedächtnis bleiben, darunter das Ruderduell der Görlitzer Gymnasien, die Pflanzung von 950 Bäumen, das Sommerkino im Rathaushof und auf dem Postplatz und das Familienfest im Stadthallengarten.

Doch nicht alle Preisträger konnten ihre Projekte tatsächlich in diesem Jahr umsetzen - das pandemische Geschehen setzte Grenzen. Die überschreiten will zum Beispiel der Rotary Club Görlitz und die längste Tafel Ostsachsens an der Neiße herrichten. "Eigentlich war dieses Miteinander von Görlitzern und Zgorzelecern mitten auf der Altstadtbrücke für September geplant", informiert Club-Sprecherin Jenny Thümmler. Pandemiebedingt wird das Treffen in das Frühjahr 2022 verschoben. Dann gibt es auf der Altstadtbrücke Musik, Kleinkunst und Getränke - organisiert von den Rotariern - und kulinarische Köstlichkeiten aus Deutschland und Polen, die die Gäste selbst mitbringen.

Die "blaue Stunde" dagegen wird schon bald zu erleben sein. Ausgewählte Görlitzer Türme will der Förderverein Kulturstadt Görlitz-Zgorzelec in den Abendstunden illuminieren. Das Projekt ist jedoch vom Zeitraum Anfang bis Ende Oktober auf Ende Oktober bis in den November hinein verschoben worden, informiert Vereins-Chef Matthias Krick auf SZ-Anfrage.

Der Kultursalon der alten Ofenfabrik war voll besetzt, als es um das Thema "Aus der Geschichte lernen" ging.
Der Kultursalon der alten Ofenfabrik war voll besetzt, als es um das Thema "Aus der Geschichte lernen" ging. © Aktionskreis für Görlitz

Manche planen erst jetzt

Für weitere im kommenden Jahr geplante Projekte laufen erst jetzt die Vorbereitungen. Der Bürgerrat der Innenstadt West beispielsweise plant für den 26. Februar „Ein Lichterfest für Görlitz“. Allein stemmen kann das der Bürgerrat nicht und sucht daher noch Mitstreiter. Gruppen, Initiativen, Vereine, Firmen und Menschen, die Teil des Events werden wollen, treffen sich am 13. Oktober, 18 Uhr, bei der Rabryka auf der Conrad-Schiedt-Straße 23. Dort geht es um praktische Details. Bei dem Lichterfest werden am Lutherplatz Lichtinstallationen präsentiert. Auch ein Umzug mit Musik durch die Innenstadt ist geplant.

Gabriele Melzer selbst freut sich bereits jetzt auf zwei späte Höhepunkte in diesem Jahr: Am 1. Dezember wird der Adventskalender wiederbelebt und jeden Tag an einem anderen Fleck in der Stadt ein Türchen geöffnet. Am ersten Advent, 29. November, heißt es "Görlitz singt und klingt". Dann treffen sich viele Chöre in der Peterskirche.

Viel Spaß hatten die Teilnehmer beim Drum-Circle mit Claudia Lohmann. In der ersten Hälfte des Drum-Circle wurden die Spieler auf Zeichen und Gestiken der Moderatoren vorbereitetet. In der zweiten Hälfte wurde mehr komponiert – auf den Punkt, aus dem gera
Viel Spaß hatten die Teilnehmer beim Drum-Circle mit Claudia Lohmann. In der ersten Hälfte des Drum-Circle wurden die Spieler auf Zeichen und Gestiken der Moderatoren vorbereitetet. In der zweiten Hälfte wurde mehr komponiert – auf den Punkt, aus dem gera ©  André Schulze

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