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Wie die Bundeswehr im Görlitzer Klinikum arbeitet

Seit einer Woche sind Soldaten im Einsatz. Viele von ihnen waren auch schon im Ausland. Warum Corona dennoch kein einfacher Einsatz für sie ist.

Sophie Wasiliga und René Kühn sind sonst in Weißenfels stationiert. Seit einer Woche arbeiten sie im Klinikum Görlitz.
Sophie Wasiliga und René Kühn sind sonst in Weißenfels stationiert. Seit einer Woche arbeiten sie im Klinikum Görlitz. © Bundeswehr/Anne Weinrich

Eigentlich wäre Sophie Wasiliga jetzt in Jena. Genau genommen war sie sogar schon zwei Tage dort und hat im Gesundheitsamt beim Probennehmen und der Kontaktverfolgung geholfen. Aber dann kam der Hilferuf aus dem Landkreis Görlitz. Seit einer Woche arbeiten Sophie Wasiliga und knapp 30 weitere Bundeswehrsoldaten im Städtischen Klinikum Görlitz.

Die Station A II ist jetzt die Corona-Station. Im Schnitt 30 Corona-Patienten werden hier versorgt, sagt Thomas Lieberwirth, Kaufmännischer Direktor des Klinikums. Etwa sechs bis neun Intensivpatienten sind darunter, "und ein Großteil von ihnen muss beatmet werden", erklärt Lieberwirth. Das Problem ist derzeit nicht die Anzahl der Intensivbetten. Um die zu gewährleisten, hatte der Landkreis diese Woche angefangen, Intensivpatienten auch zu verlegen, etwa nach Bautzen oder Dresden. "Sondern es ist die Intensität der Pflege", sagt Lieberwirth. Das hat nicht nur das Städtische Klinikum an die personelle Belastungsgrenze gebracht. Der Landkreis hat deshalb einen Antrag auf Amtshilfe bei der Bundeswehr gestellt. Es ist das erste Mal fürs Klinikum.

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Zum ersten Mal in zivilem Krankenhaus im Einsatz

Auch für Stephanie Krause ist es das erste Mal, dass sie und ihre Einsatzkräfte in zivilen Krankenhäusern eingesetzt sind. Sie ist Kommandeurin des Sanitätsregiments 1, das in Weißenfels und Berlin stationiert ist. Dort werden beispielsweise die mobilen Lazarette, also Medizin-Container und Zelte gewartet, viele administrative Aufgaben sind es, erzählt Stephanie Krause. Zum Beispiel die Planung, bei welchen Bundeswehreinsätzen in der Welt welche medizinische Ausrüstung und welches Personal gebraucht wird - und wie man sie dahin bekommt.

Dr. Stephanie Krause ist Oberstärztin des Sanitätsregimentes 1.
Dr. Stephanie Krause ist Oberstärztin des Sanitätsregimentes 1. © Bundeswehr/Anne Weinrich

Rund 1.200 Soldaten gehören zum Sanitätsregiment 1. Mit knapp hundert von ihnen reiste Stephanie Krause am Mittwoch voriger Woche in den Kreis Görlitz. Etwa ein Drittel arbeitet im Klinikum Görlitz, andere in Zittau, Ebersbach-Neugersdorf und Weißwasser. Auch im Gesundheitsamt sind derzeit Bundeswehrsoldaten eingesetzt. Rettungs- und Notfallsanitäter, Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegehelfer sind dabei, aber auch Nicht-Fachpersonal wie Techniker. Stephanie Krause selbst ist seit Ende der 90er Jahre bei der Bundeswehr. In Magdeburg hat die 42-Jährige Medizin studiert und ist heute Oberstarzt.

Soldaten arbeiten überall mit

13.30 Uhr, Schichtwechsel im Klinikum Görlitz. Für Sophie Wasiliga, Stabsunteroffizier, geht die Arbeit los. Sie ist gelernte Ergotherapeutin und ging 2013 zur Bundeswehr, wo sie unter anderem zur Einsatzsanitäterin ausgebildet wurde. Für René Kühn, Stabsfeldwebel, dagegen ist jetzt Dienstschluss. Ihm ist die Arbeit im Krankenhaus nichts Neues. Er ist Gesundheits- und Krankenpfleger sowie Desinfektor und hat zehn Jahre lang auf der Infektionsstation des Bundeswehrkrankenhauses in Berlin gearbeitet.

Im Klinikum tragen die Bundeswehrangehörigen die gleiche Kleidung wie alle Mitarbeiter - in Blau statt Grün.
Im Klinikum tragen die Bundeswehrangehörigen die gleiche Kleidung wie alle Mitarbeiter - in Blau statt Grün. © Bundeswehr/Anne Weinrich

Drei Schichten gibt es im Klinikum, die Soldaten sind in allen eingesetzt. Man sieht auch keinen Unterschied. Außerhalb der Stationen sieht man die Soldaten zwar auch in Uniform, aber bei ihrer Arbeit am Patienten tragen sie die blaue Dienstkleidung, bei den Corona-Patienten die volle Schutzkleidung. So wie alle anderen Mitarbeiter auch. Die Soldaten sind in verschiedenen Bereichen eingesetzt. Sowohl auf der Corona-Station als auch auf anderen. Sie übernehmen entsprechend ganz unterschiedliche Aufgaben, "von einfacher Unterstützung des Patienten bis zur Vollversorgung", erklärt René Kühn.

Die Soldaten arbeiten in allen Bereichen, auch auf der Corona-Station.
Die Soldaten arbeiten in allen Bereichen, auch auf der Corona-Station. © Bundeswehr/Anne Weinrich

Erfahrungen aus Auslandseinsätzen

Für ihn geht es nach Dienstende erst mal zurück in die Unterkunft. In Görlitz wohnen die Soldaten in einer Jugendherberge, in Weißwasser im Wohnheim der Malteser. Und die Einsatzkräfte in Zittau und Ebersbach-Neugersdorf im Trixi-Ferienpark.

Auch im Malteser-Krankenhaus St. Carolus in Görlitz arbeiten derzeit Bundeswehrangehörige. „Sie helfen uns enorm“, sagt Geschäftsführerin Daniela Kleeberg. Seit Beginn der Corona-Pandemie ist die Bundeswehr verstärkt in Deutschland im Einsatz, um Gesundheitsämter, Pflegeheime und andere Einrichtungen zu unterstützen. Viele waren auch schon in Auslandseinsätzen, Stephanie Krause und Sophie Wasiliga zuletzt in Mali beim Minusma-Einsatz. Die bewaffneten Konflikte in Nordmali haben seit 2012 Tausende Menschenleben gefordert. Minusma ist ein Stabilisierungs- und Friedenseinsatz der UN. Vor allem geht es darum, Waffenruhevereinbarungen abzusichern, die Lage zu stabilisieren. Im Mai hatte die Bundesregierung beschlossen, den Einsatz fortzusetzen.

Corona ist kein leichter Einsatz

Stephanie Krause war voriges Jahr fünf Monate als leitender Sanitätsoffizier in Mali. Aufgabe der Sanitätssoldaten ist es, erkrankte oder verletzte Soldaten der Bundeswehr oder verbündete Einsatzkräfte medizinisch zu versorgen. Ein Klacks sei der Einsatz in den Krankenhäusern jetzt dennoch nicht. Unter anderem, weil die Sanitätssoldaten hier mit ganz anderen Patientengruppen, einem anderen Altersspektrum zu tun haben als sonst. Auch jüngere Menschen können schwer an Corona erkranken. Insgesamt aber haben es die Einsatzkräfte in einem zivilen Krankenhaus viel mehr mit älteren Patienten zu tun und damit auch anderen Erkrankungen.

"Corona wird von allen als Belastung wahrgenommen", sagt Stephanie Krause. Auch Soldaten haben Familien. "Es ist einfach gut, wenn man aktiv etwas tun kann." Ihre Einsatzkräfte seien sehr motiviert nach Görlitz gefahren. "Wie ich es wahrnehme, sind alle sehr engagiert. " Auch die Zusammenarbeit mit dem Klinikumspersonal sei sehr angenehm, erzählt Sophie Wasiliga. "Natürlich ist alles Neue erst mal eine Herausforderung", sagt sie. Angefangen bei der Frage nach den Klinikumswegen hin zu zeitlichen Abläufen in einem Krankenhaus. Die Soldaten hätten sich sehr schnell eingearbeitet, sagt Thomas Lieberwirth. Sein Fazit nach den ersten Tagen fällt positiv aus. Vor allem über die schnelle Hilfe sei er sehr dankbar.

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Wie lange die Soldaten noch bleiben, ist noch offen. Derzeit scheint sich die Lage bei der Zahl der Neuinfektionen zu stabilisieren, aber gerade in den Krankenhäusern nicht zu entspannen. Am Donnerstag hat das Gesundheitsamt des Kreises 35 neue Corona-Patienten, die ins Krankenhaus mussten, gemeldet. "Mittlerweile müssen 178 Menschen stationär in einer Klinik behandelt werden", teilt das Gesundheitsamt mit, "29 benötigen eine intensivmedizinische Betreuung."

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