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Hunderte Sträuße vom Rosenmann

Über Monate haben Lothar Franke und Axel Krüger an Pflegeheime Blumen verteilt. Jetzt waren sie ein letztes Mal unterwegs - mit hundert Sträußen.

Lothar Franke in Görlitz-Weinhübel bei seinen Rosen. Hundert davon hat er jetzt noch mal an die Krölstraße gebracht.
Lothar Franke in Görlitz-Weinhübel bei seinen Rosen. Hundert davon hat er jetzt noch mal an die Krölstraße gebracht. ©  Archiv: Matthias Weber

Rund 4.000 Euro sind zusammengekommen. Alles Geld haben Axel Krüger und seine Helfer für Blumen ausgegeben, die sie zu Pflegeheimen in Görlitz und der Umgebung gebracht haben. Eine Aktion, die gar Nachahmer in Löbau, Berlin und Hamburg fand. 

Angefangen hatte alles damit, dass Wochenmärkte Ende März wegen Corona geschlossen blieben. Aber auf dem Görlitzer Wochenmarkt an der Elisabethstraße ist Lothar Franke Stammverkäufer. Viele kennen ihn und seine Rosen in Görlitz. 

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Als der Rosenmann in Not war

Auch Axel Krüger, Görlitzer Weinhändler und Unternehmer. Als der Wochenmarkt zu blieb, fuhr er mit seiner Frau nach Weinhübel zu den Gewächshäusern, die mit zur Blumenzucht Görsch in Kreischa gehören. Gärtnereien, die selber züchten oder anbauen, durften geöffnet bleiben. Aber wer würde zur Hochzeit der Corona-Krise kommen, um Blumen zu kaufen?

"Herr Franke war so traurig", erzählt Axel Krüger. Für den nächsten Wochenmarkt, der anstand, hatte Franke schon alles vorbereitet, als die Nachricht von der Schließung kam. "Ich dachte, ich muss alles wegschmeißen", erzählte er damals der SZ. Aber so einige Görlitzer sorgten damals spontan dafür, dass zumindest ein großer Teil bereits gebundener Blumen dieses Schicksal nicht ereilte. Einen großen Blumenschwung nahmen auch  Krüger und seine Frau mit. Die damit zur Seniorenresidenz an der Blockhausstraße fuhren. 

Dame in Seniorenresidenz machte den Anfang

Dort lebt eine Freundin von Krügers verstorbener Mutter. "Sie hat mich am Abend angerufen und erzählt, dass sie alle Vasen, die sie bei sich finden konnte, mit Sträußen gefüllt hat", erzählt Krüger. Die Vasen hatte die Frau vor ihre Tür in der Seniorenresidenz gestellt und dann ihre Nachbarn angerufen. Wer wollte, konnte sich einen Strauß abholen. 

Den ersten Blumengruß brachte Axel Krüger einer Freundin seiner verstorbenen Mutter, Erika Richter.
Den ersten Blumengruß brachte Axel Krüger einer Freundin seiner verstorbenen Mutter, Erika Richter. ©  privat

"Ihre Reaktion war für mich das Bewegendste an der ganzen Aktion." Dass sie die Blumen nicht für sich behielt, sondern am ersten Abend des Lockdowns, der auch auf Pflegeheime seine Auswirkungen hatte, einen Weg fand, anderen eine Freude zu machen. Und es war überhaupt der Anfang der Aktion: Krüger und befreundete Görlitzer sammelten seit Ende März über die sozialen Netzwerke Geld und Lothar Franke band Sträuße, die sie zu Pflegeheimen brachten. Etwa 2.500 kleine Sträuße waren es bisher. 

"Es hat mir sehr geholfen", sagt Lothar Franke. "Und ich habe es sehr gerne gemacht. Es war wirklich für einen sehr guten Zweck", sagt er. "Die Bewohner in den Heimen waren ja mit am stärksten beeinflusst und betroffen." 

Spenden bis aus Hongkong

Die weiteste Spende kam aus Hongkong, erzählt Axel Krüger. "Es waren viele Görlitz-Fans dabei, die heute woanders leben." Er hätte mit mehr Misstrauen gerechnet bei einer solchen privaten Aktion. "Aber die Spenden kamen aus der breiten Bevölkerung." 

Einfach so in die Heime zu gehen, war wegen der Hygienemaßnahmen nicht möglich, "wir haben immer vorher angerufen, gesagt, was wir vorhaben und gefragt, wie es möglich wäre", erzählt Krüger. Bei diesen Anrufen sei er gerade anfangs doch auch auf Misstrauen gestoßen. "Die Mitarbeiter wollten uns das teils einfach nicht glauben. Da mussten wir schon Überzeugungsarbeit leisten." 

Letzter Gruß in Görlitz ausgeliefert

Irgendwann kamen Anfragen, ob Krüger und Franke auch außerhalb von Görlitz Blumen bringen könnten. "Aber es war nicht einmal jemand dabei, der gefordert hätte, dass wir die Blumen in einer bestimmten Einrichtung abgeben sollen, weil dort vielleicht ein Verwandter wohnt."

Die Aktion fand Nachahmer, in Hamburg gab es eine ähnliche und in Berlin, auch in Löbau. Lothar Franke war jetzt noch einmal in der Krölstraße. Das AWO-Pflegeheim dort hatte schon ganz zu Beginn einen Blumengruß bekommen. Da die Aktion damals aber noch in den Kinderschuhen steckte, fiel der nicht so groß aus. Deshalb die Entscheidung, dort noch mal hinzugehen. Mit hundert Sträußen, erzählt Lothar Franke. Und dem ASB am Grenzweg möchte er auch noch einen Besuch abstatten. 

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