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Die Suppen-Queens von Görlitz

Seit zwölf Jahren kochen Susanne und Bianca Leonhardt in "Charlottes Löffelstübchen". Und erfinden immer wieder neue Suppen-Kreationen.

Löffelstübchen in der Theaterpassage
D, Sachsen, Görlitz, 23.120.2020
Foto: Nikolai Schmidt
Foto: Nikolai Schmidt
Löffelstübchen in der Theaterpassage D, Sachsen, Görlitz, 23.120.2020 Foto: Nikolai Schmidt Foto: Nikolai Schmidt © Nikolai Schmidt

Kartoffelsuppe und Milchreis kochen sie jeden Tag, die Suppen-Queens von Görlitz. Doch "die geilste Suppe ist unsere Spinat-Hähnchen-Mango-Suppe", sind sich Susanne und Bianca Leonhardt einig. Aber die gibt es nur etwa aller sechs Wochen.

Die beiden Frauen betreiben "Charlottes Löffelstübchen" in der Theaterpassage. Sie sind Schwägerinnen. Susanne (38) heiratete Biancas (39) Bruder. Die Görlitzerinnen kennen sich seit der Schulzeit. Anfangs war die "Liebe" nicht so groß, "doch irgendwie änderte sich das, und wir haben so manche Eigenschaft der anderen schätzen gelernt", erzählt Bianca Leonhardt. Seit zwölf Jahren arbeiten sie täglich zusammen.

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Im alten Beruf nicht glücklich

Das war anfangs nicht abzusehen. Beide Frauen waren berufstätig und an ihren damaligen Arbeitsstellen nicht glücklich. Auf Umwegen über Bekannte, denen das Löffelstübchen gehörte, kam die Anfrage, ob die beiden jungen Frauen es nicht übernehmen und selbst kochen wollen. Sie sagten erst mal ab. Doch dann überlegten sie es sich anders.

Mehrere Gründe waren schließlich dafür ausschlaggebend. Bianca Leonhardt war frisch getrennt und mit ihrem Kind umgezogen. "Für mich war das ein Neustart auf der ganzen Linie", sagt die gelernte Hauswirtschafterin. Ihre Schwägerin, die gelernte Fachverkäuferin im Backhandwerk, überzeugte Bianca schnell. Beide waren plötzlich ihr eigener Chef und gleichberechtigt im Löffelstübchen tätig. Erst später merkten sie, dass sie Beruf und Familie - in den letzten Jahren wurde Susanne zweimal und Bianca noch einmal Mutter - so recht gut in Einklang bringen können. 

Die Erwartungen an mehr Freiheit und Freizeit als eigener Chef haben sich aber nicht erfüllt. 20 Tage Urlaub im Jahr machen sie, auch mal an einem Brückentag zu, aber sonst kochen sie von Montag bis Freitag im Löffelstübchen. Und manchmal sei auch abends noch nicht Feierabend, wenn sie zum Beispiel über dem Speiseplan hocken, die Buchhaltung machen oder nach neuen Rezepten suchen. 

Beim Arbeiten ergänzen sich die beiden Frauen. Bianca, die lebhaftere, kocht. Susanne, die ruhigere, erledigt die "Nebenarbeiten" im Löffelstübchen und sorgt sich um die Buchhaltung und den Bürokram. Sie schwingt den Kochlöffel, wenn ihre Schwägerin nicht da ist. "Dafür  brauche ich  einen 'Fahrplan'", wie sie sagt. Das ist das Rezeptbuch. Bianca Leonhardt hat es erstellt. Da stehen nicht nur die Zutaten für jedes Gericht drin, sondern auch die Schritte, wie gekocht wird. 

Kooperation mit Goethe-Back

In den vergangenen zwölf Jahren haben die Suppen-Queens so manches neue Rezept ausprobiert. Sie finden dafür Anregungen im Internet. Aber auch aus dem Angebot ihres Fleischlieferanten entstehen neue Gerichte. Die Spinat-Hähnchen-Mango-Suppe ist so eins. Die neuen Essen kommen bei vielen Gästen des Löffelstübchens gut an. Andere dagegen sind erst mal skeptisch. "Was der Bauer nicht kennt...", deutet Bianca Leonhardt das Motto an. Sie hat ein Mittel dagegen: eine Kostprobe. Skeptiker dürfen einen Löffel  probieren, "das geht über studieren".

Die Gerichte aus Charlottes Löffelstübchen können ab sofort auch Kunden im Goethe-Back auf der Goethe-Straße testen. Die Leonhardt-Frauen sind eine Kooperation mit Diana David vom Goethe-Back eingegangen. Wer bis 10 Uhr am Vormittag im Backladen bestellt, kann dort mittags  vor Ort die Löffelstübchen-Angebote bekommen. Anders herum wird  es im Löffelstübchen bald auch Kuchen vom Goethe-Back geben. "Wir Gewerbetreibenden helfen uns gegenseitig. Das nützt uns und den  Kunden", bringt es Bianca Leonhardt auf einen Nenner.

Corona-Zeit nagt am Nervenkostüm

Den Schritt in die Selbstständigkeit haben die Leonhardt-Frauen nicht bereut, obwohl sie ihn wohl nicht noch einmal gehen würden, sagen sie. Zwiespältig sind ihre Gefühle dabei. Einerseits sei es sehr anstrengend im Löffelstübchen, auch körperlich. Vor allem jetzt in der Corona-Zeit kommt noch viel nervliche Belastung dazu. Die Suppen-Köchinnen warten noch immer auf staatliche Unterstützung, die sie für sich selbst beantragt haben. Wäre da nicht die private Unterstützung gewesen, die Krankenkassen hätten wohl nicht auf die Beiträge gewartet, vermutet Bianca Leonhardt. Die Finanzspritze für Betriebskosten des Löffelstübchens haben sie dagegen schon erhalten. Nicht zu wissen, ob und wie es finanziell weitergehe, nage sehr am Nervenkostüm, bestätigt Susanne Leonhardt. 

Nicht nur die umfangreichen Hygiene-Bestimmungen verlangen Mehrarbeit und Aufmerksamkeit. Auch so manche Diskussion mit Kunden, die weder Maske tragen noch beim Essen vor Ort ihre Daten dalassen wollen, strengt an.  Nun, mit dem Lockdown light, gibt es das Essen nur zum Mitnehmen. 

Einen erneuten Lockdown mit Schließung der Kitas fürchten beide Köchinnen. Das würde die Schließung des Löffelstübchens bedeuten, denn Susannes Kinder sind noch klein und auch Biancas kleiner Sprössling ist erst vier Jahre alt. Die Kinder müssten betreut werden. Es seien sehr unruhige Zeiten, sind sich die Köchinnen einig, "aber das spüren andere Leute bestimmt genau so", sagen sie. 

Trotz dieser ungewissen, mit Unwägbarkeiten gespickten, Zeiten mögen Susanne und Bianca Leonhardt was sie tun und sind mit Liebe zum Kochen dabei. Sie können sich  derzeit nicht vorstellen, ihr "Baby" Löffelstübchen einmal abzugeben. Bis zur Rente hier zu arbeiten, sei aber wohl aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich, vermuten sie.

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