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Touristen lieben die Görlitzer Brauerei

Vor einem Jahr öffnete das neue Besucherzentrum. Seitdem brummt der Laden. Das Staunen ist groß, die Emotionen sind es meistens auch.

Malte Matthiesen aus Büdelsdorf (links) und Christian Reinel aus Brunsbüttel genießen ein Bier im Besucherzentrum.
Malte Matthiesen aus Büdelsdorf (links) und Christian Reinel aus Brunsbüttel genießen ein Bier im Besucherzentrum. © André Schulze

Gerade wird in der Görlitzer Landskron Brauerei eine Gruppe zur Führung abgeholt. Für Malte Matthiesen und Christian Reinel ist das der Moment, um ihr Pils in aller Ruhe im Besucherzentrum zu genießen. Doch die Ruhe währt nur kurz.

Denn schon macht die nächste Stadtrundfahrt Station auf dem Landskron-Hof. Die Menschen eilen ins Besucherzentrum. Es sind Touristen aus ganz Deutschland. Vor Corona kamen sie auch aus der ganzen Welt. 

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Das Besucherzentrum der Landskron-Brauerei war einst das Maschinenhaus. Vor mehr als 100 Jahren wurde es gebaut.
Das Besucherzentrum der Landskron-Brauerei war einst das Maschinenhaus. Vor mehr als 100 Jahren wurde es gebaut. © André Schulze
Blick auf die Theke im Besucherzentrum. Die Leuchtreklame an der Wand ist eine Spezialanfertigung nach einem historischen Vorbild in der Stadt.
Blick auf die Theke im Besucherzentrum. Die Leuchtreklame an der Wand ist eine Spezialanfertigung nach einem historischen Vorbild in der Stadt. © André Schulze
Stilecht muss es sein: Sogar die Kissen auf den Bänken ziert das Landskron-Logo. Vielleicht ist das der Grund, warum sie gerne einfach mal mitgenommen werden.
Stilecht muss es sein: Sogar die Kissen auf den Bänken ziert das Landskron-Logo. Vielleicht ist das der Grund, warum sie gerne einfach mal mitgenommen werden. © André Schulze
An der Theke gibt es nicht nur die Biere aus der Brauerei, sondern auch Kaffeespezialitäten und Gebäck von Bäckern aus der Region. Und natürlich Souvenirs.
An der Theke gibt es nicht nur die Biere aus der Brauerei, sondern auch Kaffeespezialitäten und Gebäck von Bäckern aus der Region. Und natürlich Souvenirs. © André Schulze
Auch mit den neuesten Fahrzeugen machen die Anbieter von Stadtrundfahrten in Görlitz gern Station an der Brauerei. 
Auch mit den neuesten Fahrzeugen machen die Anbieter von Stadtrundfahrten in Görlitz gern Station an der Brauerei.  © André Schulze
So sah es vor dem Umbau im Maschinenhaus aus. Allerdings waren hier schon lange die Generatoren ausgebaut worden. 
So sah es vor dem Umbau im Maschinenhaus aus. Allerdings waren hier schon lange die Generatoren ausgebaut worden.  © Foto: Landskron
Das Team des Besucherzentrums. Volker Schilha ist hier nicht nur der Leiter, sondern offensichtlich der sprichwörtliche Hahn im Korbe.
Das Team des Besucherzentrums. Volker Schilha ist hier nicht nur der Leiter, sondern offensichtlich der sprichwörtliche Hahn im Korbe. © Foto: Landskron

Die kühnsten Erwartungen übertroffen

Vor einem reichlichen Jahr wurde das Besucherzentrum eingeweiht. "Es übertrifft unsere kühnsten Erwartungen", sagt Uwe Köhler. Der Mann muss es wissen. Seit vier Jahren ist er der Geschäftsführer bei Landskron.

Nun ist ein Besucherzentrum an sich für die Brauerei nichts Neues. Seit einigen Jahren gab es eins im Keller der Villa. Schon bald platzte es aus allen Nähten. Das lange leer stehende Maschinenhaus  erschien da als die ideale Lösung für ein neues Gästezentrum. Das etwa 100 Jahre alte Gebäude - wie alle anderen steht auch das unter Denkmalschutz - beherbergte früher die Generatoren, mit denen der Strom für die Brauerei produziert wurde. 

Doch seit Jahrzehnten stand das Gebäude leer, erlebte lediglich einige Kulturveranstaltungen. Die Generatoren waren da schon ausgebaut, das alte Heizhaus nebenan lange abgerissen. Schließlich gab es die Idee, hier das neue Besucherzentrum einzurichten. "Aber nicht mit einer beliebigen Dauerausstellung, sondern ganz modern, mit Interaktionen, Souvenirverkauf und Gastronomie", erinnert sich Uwe Köhler. Von den ersten Ideen bis zur Einweihung verging schließlich nur etwa ein Jahr.

Sowas wird im Osten nicht erwartet

Entstanden ist ein Besucherzentrum, das sich auch die großen Mitbewerber aus der Bierbranche anschauen, manche offiziell, manche inkognito. "Egal wie, aber sie staunen alle. Es ist viel Anerkennung dabei, was unser kleines Unternehmen mit dem Besucherzentrum leistet", sagt der Geschäftsführer. Und manchmal kommt auch der Spruch, dass man so etwas im Osten gar nicht erwartet habe.

Es gibt nicht viele Besucherzentren, die so modern die Historie des Unternehmens in Wort, Bild, digitaler Interaktion und am Gebäude selbst zeigen. Die Gäste werden zum Entdecken und Erkunden eingeladen. Sie finden Interessantes zum Brauverfahren mit der offenen Gärung, zur Geschichte der 1869 gegründeten Brauerei und natürlich im Shop deren Produkte und allerlei nützliche Souvenirs. 

Mit Liebe zum Detail

Es sind nicht nur die auffälligen Dinge wie die tragenden Säulen und die immer noch funktionierende Laufkatze - ein Kran an der Decke - , die für das besondere Flair sorgen. Es ist vor allem die Liebe zum Detail, die die Gäste staunen lässt. Die gläserne Tür zum Besprechungsraum beispielsweise wird von einem Bleiglasfenster umrahmt, das einem Fenster in der Kantine nachempfunden ist. Die Lichtwerbung an der Wand ist eine Spezialanfertigung, angelehnt an einen Schriftzug im Görlitzer Bahnhof. Um die schöne und in ihrer Art seltene Wendeltreppe zeigen zu können, wurde extra ein großes Stück Wand ausgespart. Betreten darf man diese Treppe aber nicht.

Die handwerkliche Qualität der Einbauten ist hervorragend, lobt der Geschäftsführer. Er kann sich noch gut erinnern, dass vor allem Handwerker aus der Region sich über Aufträge für das Besucherzentrum freuten, sogar regelrecht stolz darauf waren, hier mitzuarbeiten. "Viele von ihnen haben das Zentrum jetzt in ihre Liste der Referenzobjekte aufgenommen", berichtet Uwe Köhler. Und so mancher Bauherr wird das Nützliche - mal gucken, was die Firma geleistet hat - mit dem Angenehmen - ein gutes Bierchen trinken - verbinden.

Denn schließlich ist da noch die Gastronomie im Besucherzentrum. Nicht nur die vor Ort gebrauten Biere sind hier zu verkosten,  auch Kaffeespezialitäten und Gebäck von namhaften Bäckern aus der Region werden angeboten. Das Besucherzentrum entwickelt sich zunehmend auch für Görlitzer und ihre Familien zum Ausflugsziel. "Vor allem bei schönem Wetter war die Terrasse gut besetzt", erklärt Uwe Köhler. Die achtwöchige Schließzeit wegen der Corona-Pandemie wirkte sich allerdings auch auf die Besucherzahlen aus. Genaue Zahlen liegen derzeit für 2020 nicht vor. Im Vorjahr kamen 25.000 Gäste - in knapp fünf Monaten.

Besucherzentrum weckt Emotionen

Für den Geschäftsführer ist die Brauerei mit ihren Produkten und dem Besucherzentrum ein Werbeträger und Botschafter für Görlitz. Es sei gelungen, positive Emotionen bei den Besuchern zu wecken.  Die meisten Stadtrundfahrten machen Station im Brauereihof. "Und das nicht nur, damit die Rundfahrtgäste mal auf Toilette gehen können", sagt Uwe Köhler. Er ist überzeugt, dass auch ohne Rundfahrt mindestens die Hälfte der Görlitz-Touristen im Besucherzentrum landen würde. "Es steht unter den Top 10 der sehenswerten Stätten in der Stadt", sagt er.  

Malte Matthiesen und Christian Reinel bestätigen das. Die Männer aus Schleswig-Holstein machten während ihrer Motorradreise zwei Tage Station in Görlitz und buchten eine Stadtrundfahrt. Den Abstecher in die Brauerei haben sie nicht bereut, nicht nur wegen des angenehm kühlen Bieres. Malte Matthiesen war 2019 schon einmal hier, noch im alten Besucherzentrum. Beide Männer besichtigten bereits mehrere Brauereien in Deutschland. In Görlitz finden sie es "einfach nur herrlich". Christian Reinel ist besonders angetan von der Architektur des produzierenden Industriedenkmals. Das Bier sei gut trinkbar, sind sie sich einig und legen Wert auf die Erwähnung, dass sie keinen Alkohol trinken, wenn sie mit dem Motorrad unterwegs sind. Doch diesmal gab's ja die Stadtrundfahrt.

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