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Hoteliers bangen um ihre Mitarbeiter

Je länger Hotels und Restaurants geschlossen bleiben, umso mehr suchen sich Mitarbeiter neue Jobs. Das könnte den Aufschwung gefährden.

Roland Marth, Eigentümer von Hotel und Gaststätte "Gut am See", mit Veranstaltungsmanagerin Isolde Iser (rechts) und den Mitarbeiterinnen Ewa, Kasia und Ewelina (von links).
Roland Marth, Eigentümer von Hotel und Gaststätte "Gut am See", mit Veranstaltungsmanagerin Isolde Iser (rechts) und den Mitarbeiterinnen Ewa, Kasia und Ewelina (von links). © Martin Schneider

Hotelchefin Isolde Iser ist genauso genervt wie ihre Mitarbeiter: Sie wollen endlich wieder arbeiten und Gäste begrüßen. Die erhoffte Öffnung zu Ostern ist aber angesichts der dritten Welle ausgeschlossen. Das Team vom Hotel "Gut am See" in Tauchritz bei Görlitz wartet trotzdem sehnlichst darauf, mit der Öffnung von Hotels und Gaststätten in einen halbwegs normalen Arbeitsalltag zurückzukehren - und zwar fast alle Mitarbeiter.

Nur einen Mitarbeiter verlor das "Gut am See" während der Schließzeit, aber nicht Corona war der Anlass für die Neuorientierung des Mitarbeiters. "Wir fanden gleich Ersatz", erklärt Frau Iser. Marko Künze, Inhaber des Hotels auf dem Rotstein bei Sohland, verlor coronabedingt eine Mitarbeiterin. Im "Nachtschmied" auf dem Görlitzer Obermarkt fehlt ebenfalls ein Mitarbeiter. Im Görlitzer Gasthaus "Zur alten Freundschaft" ist das Stammpersonal zwar in Kurzarbeit, aber keiner hat gekündigt. Dass auch die Aushilfen wiederkommen, wenn die Gastronomie öffnen darf, hofft Gaststättenbetreiber Reiner Mönnich sehr.

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Marko Künze würde gern wieder im Berghotel Rotstein Bier zapfen. Doch das Haus ist geschlossen.
Marko Künze würde gern wieder im Berghotel Rotstein Bier zapfen. Doch das Haus ist geschlossen. © nikolaischmidt.de

Kurzarbeitergeld ohne Trinkgeld berechnet

Wegen der seit Monaten anhaltenden Schließzeit für Hotels und Gaststätten haben zunehmend mehr dieser Einrichtungen das Problem, dass ihnen das Personal abhanden kommt. Hauptgrund dafür ist das Kurzarbeitergeld für die Mitarbeiter. Das Kurzarbeitergeld wird nach dem Bruttoverdienst gezahlt. In dieser Berechnung fehlt aber das Trinkgeld, das bei vielen einen guten Anteil am Monatslohn ausmacht. Allein mit dem Kurzarbeitergeld über den Monat zu kommen, ist für viele schwer, vor allem, wenn Familien zu versorgen sind.

Deswegen suchen sich zunehmend mehr Mitarbeiter aus der Gastronomie einen Job in einer sogenannten systemrelevanten Branche, im Lebensmittel-Einzelhandel beispielsweise. Davon versprechen sie sich mehr Sicherheit für den Job. Denn dass Gaststätten und Hotels Ostern nicht öffnen dürfen, ist nun klar. Manche Wirte planen noch nicht einmal für Pfingsten die Wiederöffnung ein.

Michael Hoffmann, Chef vom Hotel "Zum dreibeinigen Hund" in der Görlitzer Büttnerstraße, befürchtet, dass auch er bald einen Mitarbeiter verliert. "Es kam die Anfrage nach einem kleinen Nebenjob, und wenn ich höre, dass es da zunächst um Lehrgänge geht, ahne ich, dass der Mitarbeiter bald weg ist", erklärt er.

Michael Hoffmann und seine Frau betreiben Hotel und Gasthof "Dreibeiniger Hund" in der Büttnerstraße in Görlitz.
Michael Hoffmann und seine Frau betreiben Hotel und Gasthof "Dreibeiniger Hund" in der Büttnerstraße in Görlitz. © nikolaischmidt.de

Personalnot ist kein neues Problem

Michael Hoffmann verweist darauf, dass das Personalproblem im Gaststätten- und Hotelbereich seit einigen Jahren schon eine ernsthafte Herausforderung ist. Allein am Lohn könne es nicht liegen, dass es so schwer ist, gutes Personal zu finden, denn mittlerweile führte die Personalnot dazu, dass Gastwirte Ruhetage einführten und Hoteliers ihre Einrichtungen nicht mehr voll ausbuchen. Den Mitarbeitern wird häufig viel mehr als der Mindestlohn bezahlt. "Kaum jemand will am Wochenende und am Abend arbeiten, wenn die Familie frei hat", benennt er eine Tatsache, die mittlerweile das Hauptproblem bei der Suche nach Personal für Gaststätten und Hotels ist.

So wandern Service- und Küchenkräfte in Tätigkeiten ab, die eine Arbeitszeit von Montag bis Freitag tagsüber haben. Die Corona-Krise werde das Problem verschärfen, glaubt Michael Hoffmann und befürchtet, dass so mancher Mitarbeiter in der Gastrobranche Gefallen daran finden könnte, so wie jetzt, in der Kurzarbeit, abends und am Wochenende zu Hause zu sein. "Die Pandemie verändert unser Leben, aber auch viele Einstellungen", erklärt Hoffmann. Und so mancher aus der Gastronomie- und Hotelbranche werde sich fragen, wenn es wieder losgeht, ob es sich überhaupt rechnet, täglich zur Arbeit zu gehen, schließlich sorge ja auch der Staat für die Menschen, befürchtet der Hotelier.

Für Görlitz ahnt Michael Hoffmann ein spezielles Problem, wenn die Entwicklung so weitergeht. "Nach Corona wird der Inlandstourismus boomen, von dem Görlitz ganz sicher profitieren wird", sagt er. Aber er glaubt auch, dass einige Hoteliers ihre Häuser gar nicht voll ausbuchen können, weil nicht genügend Personal da ist, um alle Gäste in gewohnt guter Qualität zu betreuen. "Letztlich werden Touristen dort buchen müssen, wo Platz ist", sagt er.

Heiko Behrens (vorne) ist einer der Mitarbeiter von Reiner Mönnich (hinten), der das Gasthaus "Zur alten Freundschaft" in Görlitz betreibt. Bislang halten alle Mitarbeiter dem Chef auch in der Pandemie die Treue.
Heiko Behrens (vorne) ist einer der Mitarbeiter von Reiner Mönnich (hinten), der das Gasthaus "Zur alten Freundschaft" in Görlitz betreibt. Bislang halten alle Mitarbeiter dem Chef auch in der Pandemie die Treue. © Nikolai Schmidt

Bonus für das Stammpersonal

Auf das Urlaub machen in Deutschland setzt auch Isolde Iser. Sie ist froh darüber, dass sie dabei auf das Stammpersonal setzen kann. Das "Gut am See" bemüht sich sehr, die Mitarbeiter zu halten. "Obwohl alle in Kurzarbeit sind, gibt es Treffen, natürlich unter den geltenden Abstands- und Hygieneregeln und Video-Teamsitzungen über Zoom", sagt sie. Eigentlich sei auch immer jemand im Hotel da, denn ein paar Geschäftsreisende seien zu versorgen. Es werden auch mal die Fenster geputzt oder Pflanzen umgetopft, der Hausmeister bringt neue Lampen an. "Bissel was zu tun ist immer", erklärt Frau Iser.

Die Verbindung zu den Mitarbeitern lässt Isolde Iser nicht abreißen. Hat jemand Geburtstag, überbringt sie ein Geschenk. "Wir sind ein Team mit familiärem Arbeitsklima, das wir pflegen, so gut es unter Corona-Bedingungen geht." Vorteil für die Mitarbeiter: Das Kurzarbeitergeld wird vom "Gut am See" aufgestockt.

Auch Marko Künze schickte seine Mitarbeiter in Kurzarbeit. Den drei Festangestellten zahlte er aus eigener Tasche einen Corona-Bonus von je 1.500 Euro. Und auch Reiner Mönnich zeigt sich für die Treue der Mitarbeiter erkenntlich.

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