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Görlitzer Möbelhaus hat neue Chefin

Von Australien an die Neiße: Henriett Kunitzki ist eine Rückkehrerin. Die gebürtige Görlitzerin leitet nun das Porta-Einrichtungshaus in ihrer Heimatstadt.

Henriett Kunitzki ist die neue Leiterin des Porta-Möbelhauses in Görlitz. Sie ist gebürtige Görlitzerin, lebte eine Zeit lang in Australien.
Henriett Kunitzki ist die neue Leiterin des Porta-Möbelhauses in Görlitz. Sie ist gebürtige Görlitzerin, lebte eine Zeit lang in Australien. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Für Henriett Kunitzki ist es kein Sprung ins kalte Wasser. Seit Januar dieses Jahres ist sie die Leiterin des Möbelhauses Porta in Görlitz. Sie kennt das Haus, ist schon eine Weile hier als Abteilungsleiterin tätig. Ihre Vorgängerin machte ihr den Schritt zur Hausleitung zudem leicht, aber sie hinterließ auch große Fußstapfen.

Sieben Jahre in Australien

Dabei hatte es zunächst gar nicht so ausgesehen, dass die gebürtige Görlitzerin in ihre Heimatstadt zurückkehrt. Dem Abitur am Annen-Gymnasium folgten verschiedene Stationen in Deutschland. Und dann ein Abstecher nach Asien und einer nach Australien, der sieben Jahre anhalten sollte. Henriett Kunitzki wollte die Welt und Sprachen kennenlernen.

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Im australischen Nordwesten traf die heute 40-Jährige nahe der Stadt Darwin ein deutsches Ehepaar, das in den 1960er Jahren aus Dresden ausgewandert war. Das Paar führte einen Laden, in dem es so ziemlich alles gab - Lebensmittel, Elektrogeräte, Kindersachen, eine Tankstelle. Und auch sieben Kleinflugzeuge waren zu betreuen. Als sich die Ladenbesitzer zur Ruhe setzen wollten, fragten sie Henriett Kunitzki, ob sie das Geschäft führen wolle. Die Görlitzerin wollte und sammelte so ihre ersten Erfahrungen im Einzelhandel.

Und die waren ganz anders, als das, was sie bisher kannte. Die Mehrzahl der Kunden in dem Laden waren Aborigines, Ureinwohner des Kontinents. Die meisten haben keinen Führerschein, kein Auto und auch Geldgeschäfte seien nicht so ihr Ding, erfuhr Henriett Kunitzki sehr bald. "Viele Aborigines riefen im Laden an, sagten, was sie brauchten. Oft holten wir sie auch ab, packten im Laden das Benötigte zusammen und fuhren sie wieder nach Hause", erzählt Frau Kunitzki. Service am Kunden, vor allem sehr individuell, sei in Australien das A und O. Dafür sei es erforderlich, dass sich die Mitarbeiter gut fühlen, denn nur dann geben sie ihr Bestes für den Kunden. Diese Lektionen lernte die Görlitzerin im fernen Australien.

So gern sie auch dort lebte und arbeitete, sie verspürte Heimweh. Vor allem ihre Familie mit Eltern, Geschwistern, Nichten und Neffen waren der Grund dafür. Ein bisschen auch die Stadt Görlitz, in der sie sich schon immer wohl fühlte. Mitten in der Stadt wohnt die 40-Jährige jetzt.

Eine Aktion für mehr Sicherheit im Straßenverkehr war vor wenigen Jahren die Helmaktion, bei der das Möbelhaus Kindern Fahrradhelme spendierte.
Eine Aktion für mehr Sicherheit im Straßenverkehr war vor wenigen Jahren die Helmaktion, bei der das Möbelhaus Kindern Fahrradhelme spendierte. © SZ-Arvchiv

Görlitzer Möbelhaus gehört zu den besten

Vielleicht ist auch das ein Grund, warum sich die neue Porta-Hausleiterin vorgenommen hat, die Innenstadt und das Möbelhaus auf der grünen Wiese vor den Toren der Stadt im übertragenen Sinne enger zusammenrücken zu lassen. Die Zusammenarbeit mit vielen Partnern in Görlitz und dem Umland will sie weiter pflegen und stärken.

Das Rüstzeug für den Hausleiterposten vermittelte ihr die Vorgängerin. Isolde Mudra leitete mehr als 16 Jahre das Möbelhaus Porta in Görlitz. Eine bessere Lehrerin hätte Henriett Kunitzki kaum haben können. Isolde Mudra führte das Haus mit hohem Ehrgeiz und vielen Ideen. In der Unternehmensgruppe zählt das Görlitzer Möbelhaus seit vielen Jahren zu den besten.

Isolde Mudra wählte die Rückkehrerin 2017 aus, als sich Henriett Kunitzki bei Porta um eine freie Stelle bewarb. Offenbar hatte Frau Mudra schon bald Führungspotenzial in der jungen Frau gesehen. Sie bot ihr schließlich an, die Hausleitung zu übernehmen. Seit Februar 2020 arbeitete Frau Mudra ihre Nachfolgerin ein. Zum Jahresende verließ sie das Unternehmen, ging in den Ruhestand und übergab den Staffelstab an die Jüngere.

Ganz verabschiedete sich Isolde Mudra aber noch nicht. Hin und wieder schaut sie in Görlitz herein. Vielleicht fehlt es ihr ein bisschen, nun nicht mehr täglich den Weg zwischen ihrem Heimatort Cottbus und Görlitz auf sich zu nehmen und zu schauen, wie das Geschäft läuft. Eine große Abschiedsrunde gab es coronabedingt für Frau Mudra nicht. "Aber sobald es möglich ist, wollen wir eine Betriebsfeier machen", erzählt die neue Hausleiterin, "und da laden wir Frau Mudra ein. Dann gibt es die Abschiedsfeier mit Geschenk."

Isolde Mudra leitete viele Jahre lang das Möbelhaus Porta in Görlitz. Jetzt ging sie in den Ruhestand. Eine ihrer Ideen war die jährliche Hochzeitsmesse im Möbelhaus.
Isolde Mudra leitete viele Jahre lang das Möbelhaus Porta in Görlitz. Jetzt ging sie in den Ruhestand. Eine ihrer Ideen war die jährliche Hochzeitsmesse im Möbelhaus. © SZ-Archiv

"Es ist ein schönes Arbeiten im Team"

Seit diesem Montag darf das Möbelhaus Porta wieder verkaufen. Die Kunden müssen zuvor einen Termin vereinbaren. "Das klappt ganz gut", sagt Henriett Kunitzki, wenngleich es jetzt nicht so einen Ansturm gibt wie nach der Schließzeit in der ersten Pandemie-Welle.

Die 75 Mitarbeiter, für die Henriett Kunitzki Verantwortung trägt und denen sie großes Vertrauen schenkt, sind froh, wieder verkaufen zu dürfen. Drei Monate lang waren sie im Prinzip zum Nichtstun verdammt, der Umsatz blieb aus. "Sie knieen sich richtig rein in die Arbeit", berichtet die Hausleiterin. Es sei ein schönes Arbeiten im Team. Auf die Unterstützung der Mitarbeiter könne sie sich voll und ganz verlassen.

Der Sprung ins kalte Wasser

Nach der Arbeit oder am Wochenende kann man Henriett Kunitzki tatsächlich beim Sprung ins kalte Wasser antreffen. "In der Freizeit bin ich am liebsten in der Natur", erklärt sie. Den Berzdorfer See liebt sie so sehr, dass sie auch jetzt jede Woche ein, zwei Mal dort hineinspringt. "Ja, ich bin sozusagen eine Eisbaderin", gibt die sportliche, schlanke Frau freimütig zu. Sobald es aber wieder möglich ist, will sie ihren Urlaub in Australien verbringen. Im Dezember 2019 war sie letztmalig dort und half einer Freundin bei der Eröffnung eines Ladens in Darwin.

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