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Görlitzer Theater diente als Sprungbrett fürs Fernsehen

Vor 170 Jahren öffnete das Görlitzer Theater, seit 75 Jahren trägt es Hauptmanns Namen.

In Görlitz bot das neue Stadttheater einen prächtigen Anblick. Diese Farblithografie entstand um 1865. Später wurde es nochmals umgebaut.
In Görlitz bot das neue Stadttheater einen prächtigen Anblick. Diese Farblithografie entstand um 1865. Später wurde es nochmals umgebaut. © Repro: Ratsarchiv Görlitz

Die erste Kunde von einer auch sogenannten Theateraufführung in Görlitz stammt von 1442. Es war ein Fastnachtsspiel. Dem folgten fahrende Bühnen und Schulaufführungen, bevor feste Spielstätten entstanden, deren Erfolg bescheiden blieb. Auch die bekannteste alte Bühne auf der Neißstraße 26 schloss 1847 wieder. Schließlich aber nahm der städtische Rat diese Kulturflanke selbst in die Hand, wohl auch, weil Görlitz nicht länger hinter anderen Städten zurückstehen wollte.

Die Stadtverwaltung folgte mit dem Bau des noch heute würdigen Hauses am Demianiplatz dem Plan des Görlitzer Bauunternehmers Gustav Kießler. Am 2. Oktober 1851 öffnete sich erstmals der Vorhang dieser Kulturstätte, die damals mit 844 noch fast doppelt so viele Plätze hatte wie heute. Alles begann mit Schillers Schauspiel „Don Carlos“, der Sitzplatz für drei Silbergroschen; kurz darauf hielt mit Lortzings „Waffenschmied“ auch die Oper Einzug.

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Das Haus erhielt oft architektonisch und technisch bedeutende Erweiterungen, ab 1949 zeitweise sogar eine Drehbühne. Anfangs allerdings traten künstlerische Maßstäbe hinter finanzielle Zwänge. Um die Kasse zu füllen, ließ man auch Akrobaten und Zauberer auftreten. Bald aber war den Görlitzern hohe Kunst heilig, schnell nutzten Sänger und Mimen die Bühne als Sprungbrett für größere Häuser.

Immer wieder waren Künstler des Görlitzer Theaters auch im Fernsehen der DDR zu Gast – hier Helga Beilschmidt und Werner Mende 1963 in der Sendung „Das große Spiel“.
Immer wieder waren Künstler des Görlitzer Theaters auch im Fernsehen der DDR zu Gast – hier Helga Beilschmidt und Werner Mende 1963 in der Sendung „Das große Spiel“. © Fotos/Repros: Sammlung Ralph Schermann
Frau Luschek und Herr Norden galten um 1920 als Görlitzer Theater-Lieblinge in der Inszenierung „Ein Walzertraum“.
Frau Luschek und Herr Norden galten um 1920 als Görlitzer Theater-Lieblinge in der Inszenierung „Ein Walzertraum“. © Fotos/Repros: Sammlung Ralph Schermann
Marion van de Kamp, später bekannt von Film und Fernsehen, spielte mit Horst Richter 1947 in „Die russische Frage“.
Marion van de Kamp, später bekannt von Film und Fernsehen, spielte mit Horst Richter 1947 in „Die russische Frage“. © Fotos/Repros: Sammlung Ralph Schermann
Wolfgang Archner, damals Technischer Direktor, gab 2011 zum Jubiläum „160 Jahre Theater“ ein Buch heraus.
Wolfgang Archner, damals Technischer Direktor, gab 2011 zum Jubiläum „160 Jahre Theater“ ein Buch heraus. © Fotos/Repros: Sammlung Ralph Schermann

Etwa Agnes Sorma und Oskar Sauer, der spätere Kammersänger Gerhard Frei, Tenöre wie Peer Baedeker, Schauspieler wie Ingeborg Nass oder Peter Dommisch. In Görlitz blieben aber auch Publikumslieblinge wie Werner Mende, Peter Hedwig oder Stefan Bley. 1946 erhielt das Theater den Namen Gerhart Hauptmann verliehen, die Defa drehte 1962 in Farbe einen Werbefilm, und bespielt wurde nach dem Zusammenschluss mit dem Zittauer Theater 1963 auch dessen Bühne sowie die Waldbühne Jonsdorf, in frühen Jahren auch das Palast-Theater und die 1.425 Besucher fassende Freilichtbühne im Stadtpark. Knapp 200.000 Besucher bei etwa 430 Vorstellungen zählte man jährlich in den besten Zeiten – heute eine nie wieder erreichte Traumauslastung, und da waren Gastspiele noch gar nicht mitgerechnet.

Seit einigen Jahren bestimmen wieder finanzielle Zwänge den Theaterbetrieb, sogar die Schließung von Sparten war im Gespräch. „Tarifsteigerungen führen das Haus an den Rand der Zahlungsunfähigkeit“, schrieb schon im Jahr 2000 der damalige Intendant Michael Wieler über eine drohende Insolvenz. Corona verschlechterte die Lage weiter. Noch aber gibt es in Görlitz das Gerhart-Hauptmann-Theater, zwar mit weniger Vorstellungen als einst und mit nicht für jeden potenziellen Gast glücklichen Spielplänen – eins aber sollte dem gesamten Kulturraum klar sein: Den bisher stolzen 170 dürfen noch viele Jahre folgen.

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