Görlitz
Merken

Einkaufssonntag in Görlitz: Hohe Kosten, wenig Gewinn

Die Görlitzer Innenstadt lädt am Sonntag zum Shoppen im Advent ein. Doch die Stimmung der Händler ist verhalten.

Von Wibke Steinbrück
 3 Min.
Teilen
Folgen
Birgit Schaller und Oliwia Riedel von C&A freuen sich auf das Weihnachtsgeschäft und den verkaufsoffenen Sonntag.
Birgit Schaller und Oliwia Riedel von C&A freuen sich auf das Weihnachtsgeschäft und den verkaufsoffenen Sonntag. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Es ist ein kalter, nebliger Morgen Anfang Dezember. Die Läden auf der Berliner Straße haben gerade erst geöffnet und die Vorbereitungen für das Tagesgeschäft sind in vollem Gange. Nicht nur der Christkindelmarkt belebt momentan die Stadt und zieht Besucher und Besucherinnen an, sondern auch der verkaufsoffene Sonntag an diesem Wochenende steht vor der Tür. Von 13 bis 18 Uhr haben die Geschäfte in Görlitz geöffnet.

Im Vergleich zu den anderen zwei Einkaufssonntagen beteiligen sich dieses Mal deutlich mehr Geschäfte in der Innenstadt. Das Modehaus Rauer auf der Berliner Straße beispielsweise war an den Sonntagen im Frühling und Herbst nicht dabei, aber jetzt im Advent öffnet die Filiale. So machen es viele entlang der Berliner Straße. Gerade im Herbst hatten mehrere Ladeninhaber am Einkaufssonntag ihre Geschäfte gar nicht aufgeschlossen.

  • Hier können Sie sich für unseren kostenlosen Görlitz-Niesky-Newsletter anmelden.

Das kann aber auch interne Gründe gehabt haben. "Wir wussten nichts davon", sagt beispielsweise Birgit Schaller vom C & A-Kaufhaus am Postplatz. "Als ich am Sonntag in der Stadt unterwegs war, sah ich, dass einige Geschäfte geöffnet hatten. Hätten wir das gewusst, hätten wir natürlich auch mitgemacht, wir machen ja immer mit." Auch Ulrike Krüger vom Modehaus am Postplatz hätte das Geschäft gerne aufgemacht, wenn sie es gewusst hätte, denn trotz der nachlassenden Kaufkraft macht es am Ende keinen guten Eindruck, wenn ein Geschäft öffnet und das nächste nicht. Kathrin Horschig, Leiterin der Schuhfiliale Leiser sagt klar: "Diese verkaufsoffenen Sonntage machen nur Sinn, wenn sie vom Aktionsring beworben werden, denn es entstehen enorme zusätzliche Kosten, die nicht durch die Einnahmen gedeckt werden können."

Tatsächlich hat der Aktionsring Görlitz zwar die Einkaufssonntage bei der Stadt beantragt, der Stadtrat hat sie auch bis 2024 beschlossen, beworben werden die verkaufsoffenen Tage aber nicht mehr - mit Ausnahme des Tages im Advent. Das hatte Frank Reimann vom Aktionsring bereits in diesem Frühjahr gegenüber der SZ erklärt. Der Aktionsring konzentriert sich stärker auf die langen Einkaufssonnabende wie Lichterglanz.

Dass die Geschäfte an dem Advents-Einkaufssonntag festhalten, hängt mit der Bedeutung des Weihnachtsgeschäfts für den Handel zusammen. Nach Daten des Statistischen Bundesamts erzielen Spielwaren- und Buchhändler gut ein Viertel ihres Jahresumsatzes in den Monaten November und Dezember, bei Uhren und Schmuck sowie Elektronikwaren ist es nicht viel weniger.

Gleichwohl sinkt die Bedeutung des verkaufsoffenen Sonntags. In den vergangenen Jahren hat sich vieles geändert: Energiekrise, Corona, Digitalisierung sind alles Faktoren, die auf das Kaufverhalten der Kunden abgefärbt haben. "Die Leute haben mittlerweile eine größere Auswahl, sind mobiler und bestellen im Internet. Die verkaufsoffenen Sonntage werden zwar noch immer gut besucht, aber bei Weitem nicht mehr so wie vor Jahren" erklärt Ulrike Krüger, Leiterin des Modehauses am Postplatz, deren Meinung, die der großen Mehrheit der Händler widerspiegelt.

Frühestens 2025 kann der Stadtrat Veränderungen an den Einkaufssonntagen vornehmen. "Es müssen neue Maßnahmen gedacht werden", meint Frank Reimann vom Aktionsring, der als Verein die Interessen der Innenstadthändler bündelt. "Ob es eher Richtung längere Öffnungszeiten am Sonnabend gehen wird oder in eine ganz andere Richtung, kann ich allerdings noch nicht sagen."