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Die Imkerei liegt voll im Trend

Noch vor 15 Jahren gab es immer weniger Imker. Diese Zeit ist längst überwunden. Das zeigen drei Beispiele aus Görlitz und Umgebung.

Imker Ingo Faselt an einem seiner Bienenstöcke in Kunnersdorf bei Görlitz.
Imker Ingo Faselt an einem seiner Bienenstöcke in Kunnersdorf bei Görlitz. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Ingo Faselt, Mario Entrich und Martin Wünsche eint die Bienenhaltung. Die drei Männer aus Görlitz und Umgebung haben Spaß am und in der Liebe zu ihrem Hobby. Sie gehören damit zu einer Gruppe von Menschen, die erfreulicherweise immer größer und teilweise auch jünger wird.

Früher war die Bienenhaltung für Bauern selbstverständlich. Heute ist sie vorwiegend Hobby oder Nebenerwerb. Als die Zahl der Imker Mitte der 2000er-Jahre unter die 100.000 in Deutschland rutschte, auch die Zahl der Bienenvölker dramatisch abnahm, da war die Sorge groß. Zehn Jahre danach sind es wieder 140.000 Imker in Deutschland, allein in Sachsen sind 4.415 Imker Mitglied im Deutschen Imkerbund. Die Imkerei gewinnt angesichts von Klimawandel und Insektensterben an Akzeptanz: Imker sind Naturschützer. Was sie daran fesselt und welchen Gewinn für ihr Leben die Bienenhaltung ist, das erzählen die drei Männer jetzt.

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Reges Treiben herrscht an einem Bienenstock von Imker Ingo Faselt in Kunnersdorf bei Görlitz.
Reges Treiben herrscht an einem Bienenstock von Imker Ingo Faselt in Kunnersdorf bei Görlitz. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Der Naturschützer, der Vögel auch im Sommer füttert

Zehn Bienenstöcke hat Ingo Faselt. Die Mehrzahl davon steht auf einer Wiese hinter seinem Grundstück in Kunnersdorf bei Görlitz. Der 56-jährige Elektroinstallateur, der vorwiegend Waschmaschinen repariert, imkert seit acht Jahren und begann mit zwei Völkern. Erste Erfahrungen sammelte er als Kind beim Uropa und beim Opa in Zodel, woher Faselt stammt und wo der Rest seiner Bienenvölker steht. "Bis zur Lehrzeit war das Interesse für die Imkerei da, dann habe ich lange nichts damit zu tun gehabt", erzählt er. Vor acht Jahren startete er seine eigene Imkerei, absolvierte einen Lehrgang und schloss sich dem Imkerverein in Sohland am Rotstein an. Sein Vater Siegfried, selbst Imker, blieb skeptisch. Denn der Junior machte einiges anders als der Senior. Als der vor sechs Jahren plötzlich starb, übernahm der Sohn die Bienenvölker.

Seither bestimmen die Bienen was Ingo Faselt zumindest von März bis Ende Juli in seiner Freizeit macht. "Die Bienen beanspruchen viel Zeit", sagt er. Mindestens einmal in der Woche muss jedes Volk kontrolliert werden. Die Waben müssen gepflegt, ausgeflogene Schwärme eingefangen werden. Schließlich das Wichtigste: den Honig gewinnen und vermarkten.

Die Imkerei verlangt von Ingo Faselt viel Freizeit, aber er sieht die Arbeit mit den Bienen als Ausgleich zu Stress und Hektik im Alltag. "Ich habe jede Menge Spaß dabei", sagt er und ergänzt: "Und ich tue etwas für die Natur, denn Obstbäume zum Beispiel bestäuben sich meistens nicht von selbst."

Der Imker, der in die Heide auszog

Mario Entrich aus Jauernick-Buschbach ist von der Imkerei und von Bienen fasziniert.
Mario Entrich aus Jauernick-Buschbach ist von der Imkerei und von Bienen fasziniert. © Paul Glaser/glaserfotografie.de
Die Leidenschaft für die Imkerei teilt Entrichs Frau Ramona Thomas ebenfalls.
Die Leidenschaft für die Imkerei teilt Entrichs Frau Ramona Thomas ebenfalls. © Paul Glaser

Für Mario Entrich war eine Fernsehsendung der Anlass, Imker zu werden. "Ein Wanderimker berichtete ganz entspannt von der Bienenhaltung. Es gefiel mir, wie er mit der Natur umging", erzählt Entrich. Wie ein Virus hatte die Imkerei den 44-Jährigen aus Jauernick-Buschbach plötzlich erfasst. Die Faszination ließ ihn nicht mehr los. Vor etwa zehn Jahren war das. Er las Bücher, recherchierte im Internet zur Bienenhaltung, holte sich im Ort Rat beim Imker Franz Burkhardt und baute sich schließlich seinen ersten Bienenkasten. Mittlerweile hat er 20 Völker. Die meisten stehen auf dem eigenen Grundstück am Kreuzberg, einige am Elternhaus in Holtendorf.

Im Vorjahr zog er erstmals mit den Bienen in die Heide zum Truppenübungsplatz Nochten. Seither liefern die Bienen nicht nur Frühjahrsblüten- und Sommertrachthonig, sondern auch Heidehonig, eine kräftige Sorte. Honigfreunde finden bei Mario Entrich auch Waldhonig und Kornblumenhonig. Für beide Sorten bestätigte die Analyse eines Instituts, dass die Bienen den Honig im Wald beziehungsweise auf einem Kornfeld sammelten. "2020 hatte ich das Glück, dass im Feld, das ein Bio-Bauer bewirtschaftete, sehr viele Kornblumen wuchsen. Das ist selten in der Region, und damit ist es auch der Honig."

Den schätzen nicht nur die Menschen im Bergdorf, sondern auch Urlauber. Viele nehmen sich Honig mit und bestellen wieder. Entrich schickt ihn zu. Immer öfter übernimmt das seine Frau Ramona Thomas. Die Krankenschwester hilft bei der Imkerei: beim Honig schleudern, beim Abfüllen in die Gläser, beim Etikettieren. "Wir sind mittlerweile ein eingespieltes Team" sagt sie.

Die Imkerei funktioniere nur, wenn die Familie mitspielt, sagt Mario Entrich, der auf dem Bauhof der Gemeinde Markersdorf arbeitet. Durch die Bienenhaltung sei er entspannter und ruhiger geworden. Sie sei ein Teil seines Lebens, selbst im Urlaub. "Wir gucken, wo es Imker gibt und probieren gern mal deren Honig", erzählt der Jauernicker.

Der Görlitzer, der sich Vorstadtzeidler nennt

Der Görlitzer Imker Martin Wünsche bei seinen Bienenkästen am Stadtrand der Neißestadt.
Der Görlitzer Imker Martin Wünsche bei seinen Bienenkästen am Stadtrand der Neißestadt. © Paul Glaser/glaserfotografie.de
Bienen im Anflug auf einen der Bienenkästen von Imker Wünsche.
Bienen im Anflug auf einen der Bienenkästen von Imker Wünsche. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Für die Mitarbeiter von Optikermeister Thomas Wünsche in Görlitz ist es gar nicht seltsam, wenn Kunden hereinkommen und anstatt einer Brille ein Glas Honig verlangen. Meistens bekommen sie ihn, nur im Moment ist er ausverkauft.

Martin Wünsche, der Sohn des Optikermeisters, muss erst Honig ernten. Der 34-jährige Görlitzer ist wie sein Vater Optikermeister und arbeitet bei seinem Vater. Die Imkerei brachte der Junior aus Wien mit, wo er seit 2015 zwei Jahre lang arbeitete. Martin Wünsche war dort die Stadt-Imkerei aufgefallen. "Selbst auf dem Wiener Rathaus stehen Bienenbeuten", sagt er. Mit zahlreichen Imkern kam er ins Gespräch, las viel über Bienen und Insekten.

Als der Görlitzer in seine Heimatstadt zurückkehrte, war sein Interesse so weit gewachsen, dass er beim Bienenexperten René Schieback in Neugersdorf einen Imkerkurs absolvierte. Er trat dem Görlitzer Imkerverein bei und erst dann nahm er seine erste Beute in Betrieb. Die Beuten stehen bei den künftigen Schwiegereltern am Görlitzer Stadtrand. "Deswegen bin ich der Vorstadtzeidler", sagt er mit dem Verweis auf die Honigsammler des frühen Mittelalters, die Zeidler genannt wurden und den Honig von Bienen im Wald ernteten.

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Mindestens einmal pro Woche ist Wünsche bei seinen Bienen. Etwa zwei Stunden benötigt er allein für die Schwarmkontrolle. Am Wochenende, wenn der Honig gewonnen wird, arbeitet er von früh bis abends. Zoff mit seiner Braut Annett, die er im August heiratet, gibt es nicht. "Die Imkerei ist unser gemeinsames Hobby", erklärt der angehende Ehemann. Beide schätzen die Entschleunigung, die mit der Imkerei einhergeht. "Man kann sich Zeit lassen, die Gedanken schweben und Probleme loslassen", sagt er. Vor allem: "Über Bienen kommt man mit jedem ins Gespräch, weil jeder damit etwas anfangen kann", erklärt Martin Wünsche.

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