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Was der Görlitzer Flyns mit der Tagesklinik zu tun hat

Mike Tralls hat das Ex-Gasthaus verkauft und das Gebäude in Holtendorf gekauft. In beiden stehen Veränderungen an.

Mike Tralls steht vor der ehemaligen chirurgischen Tagesklinik in Holtendorf. Er hat das Gebäude gekauft.
Mike Tralls steht vor der ehemaligen chirurgischen Tagesklinik in Holtendorf. Er hat das Gebäude gekauft. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Die Zeitungsnachricht Anfang März hat Mike Tralls schockiert: Das frühere „Gasthaus Zum Flyns“ wird versteigert, hieß es darin. Obwohl überhaupt nicht von einer Zwangsversteigerung, sondern von einer freiwilligen Versteigerung die Rede war, bekamen viele Menschen die Nachricht in den falschen Hals, berichtet er: „Ich wurde oft gefragt, ob ich pleite bin.“

Das „Gasthaus Zum Flyns“ in der Görlitzer Altstadt war sehr beliebt. Künftig wird es darin ein Café geben.
Das „Gasthaus Zum Flyns“ in der Görlitzer Altstadt war sehr beliebt. Künftig wird es darin ein Café geben. © Nikolai Schmidt

Das aber ist der 48-jährige Görlitzer nicht. Er ist gelernter Schädlingsbekämpfer und Desinfektor, betreibt in Görlitz die Firma Destra Schädlingsbekämpfung und parallel auch die Baufirma Destra Bauservice. Und ihm gehörte einige Jahre lang das frühere Gasthaus hinter dem Rathaus. Er baute es zur Pension um und wollte es zunächst innerfamiliär betreiben, später über einen Pächter. Beides zerschlug sich, deshalb entschied er sich zum Verkauf. Auch im Katalog der Firma „Hornig Auktionen“ war der Flyns zu finden. „Am Ende habe ich das Gebäude aber bereits vor dem Auktionstermin verkauft“, sagt er.

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Es sei das erste Objekt gewesen, das er wieder verkauft hat: „Normalerweise kaufe ich Wohnhäuser, saniere und vermiete sie.“ Bei mehreren Mehrfamilienhäusern in Rauschwalde sei er als Investor und Vermieter in Erscheinung getreten. So will er es auch weiterhin handhaben. Nur beim Flyns habe er eine Ausnahme gemacht: „Selbst hatte ich keine Zeit, es zu betreiben, und der Pächter ist abgesprungen.“ Wegen Corona fand sich auch kein Nachfolger. Deshalb der Verkauf.

Flyns wird zu Café und Pension

Erworben hat es eine Frau, die in der Altstadt schon ein Café betreibt. „Sie will den Flyns als Café und Pension selbst betreiben“, sagt Mike Tralls. Aber eine Gaststätte – so wie früher – soll es nicht mehr sein. Die neue Eigentümerin will momentan noch nicht öffentlich in Erscheinung treten, weil alles noch nicht spruchreif ist und es vor allem noch keinen Termin gibt, an dem sie im Flyns loslegt. Tralls erklärt, sie finde im Flyns beste Bedingungen vor: „Alles ist neu gemacht und wirkt wie aus dem Katalog.“ Eigentlich müsse sie nur aufschließen und könne sofort loslegen. Der Termin ist freilich auch von der Entwicklung der Corona-Situation abhängig. Tralls freut sich, dass er jemanden gefunden hat, der aus der Fachrichtung kommt.

Und nachdem er den Flyns jetzt verkauft hat, ist er stolzer Besitzer einer neuen Immobilie: Der früheren chirurgischen Tagesklinik in Holtendorf, die im Sommer schloss. Im Keller war bis Februar noch eine HNO-Praxis zu finden, doch weder für diese noch für die Tagesklinik hatten sich Nachfolger gefunden, als die jeweiligen Ärzte in den Ruhestand gingen. Somit stand das in den 1990er Jahren gebaute Gebäude zum Verkauf – und Tralls griff zu.

Der Pflegedienst steht schon fest

„Ich möchte es als Tagespflege umbauen“ sagt er. Unterstützung bekommt er von Dirk von Rönn, der sich mit seiner Firma HypoKonzept um Immobilienfinanzierung, Immobilienmanagement und Projektplanung kümmert. Die beiden Männer sind schon lange befreundet und arbeiten auch geschäftlich zusammen. „Ein Görlitzer Pflegedienst wird die Tagespflege betreiben“, sagt von Rönn. Welcher das ist, steht schon fest, soll aber noch nicht bekannt gegeben werden, denn noch ist nicht klar, wann genau es losgehen wird.

Der Grund: Tralls hat das Gebäude gerade erst gekauft, aber die Unterlagen vom Notar sind noch nicht da. Das heißt, er kommt noch gar nicht rein. Erst, wenn das soweit ist, kann er die Genehmigungen für die Umnutzung beantragen. Doch die bekommt er nicht von heute auf morgen, denn die Bearbeitungszeit der Ämter ist lang. Zudem ist auch noch einiges umzubauen, sagt Tralls: „Das Dach muss gedämmt werden, ein paar Wände werden versetzt und auch die Sanitärräume sollen verändert werden.“ Das Gebäude sei schließlich 25 Jahre alt und baulich auf dem Stand von damals. Er rechnet ungefähr mit einem halben Jahr Bauzeit.

Standort ist sehr gut geeignet

Von Rönn hofft trotzdem, dieses Jahr alles über die Bühne zu bekommen. Aber sicher ist das nicht: „Vielleicht ist die Eröffnung auch erst Anfang nächsten Jahres, wir wissen es einfach nicht.“ Insgesamt sei das Gebäude aber hervorragend für eine Tagespflege geeignet, gerade für die Bewohner von Markersdorf, Holtendorf und Schlauroth. Der Standort sei super, findet von Rönn: „Es gibt eine gute Verkehrsanbindung und es liegt extrem zentral, ohne dass man in die Stadt fahren muss.“

14 Tagespflegeplätze soll es geben – im Parterre und im ersten Stock. Für den Keller steht die Nutzung noch nicht fest. „Falls ich dort keinen Mieter finde, ziehe ich vielleicht mit meinem eigenen Büro ein“, überlegt Tralls. Bisher ist er in Rauschwalde ansässig, aber in Holtendorf hätte er mehr Platz zur Verfügung. Die Tagespflege wird flexible Öffnungszeiten haben, sagt von Rönn: „Nicht nur bis 15 oder 16, sondern auch mal bis 18 Uhr.“ Zudem kann sie auch das große Außengelände nutzen. Auf jeden Fall soll es eine neue Außenterrasse und Bänke geben, zudem muss der Parkplatz erneuert werden. „Ansonsten ist das Grundstück aber in Ordnung und gut dafür geeignet“, sagt Tralls. Er selbst wird bei der Tagespflege nicht in Erscheinung treten: „Ich bin Eigentümer und Bauherr, aber den Betrieb übernehmen andere.“

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