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Theater hofft auf Weihnachtskonzerte

Die Görlitzer Ensembles bereiten sich auf die beim Publikum beliebteste Zeit des Jahres vor. Für den Chor ist diesmal vieles anders als sonst.

Der Chor des Gerhart-Hauptmann-Theaters probt zurzeit im Vorflur seines sonstigen Probenraums auf Abstand.
Der Chor des Gerhart-Hauptmann-Theaters probt zurzeit im Vorflur seines sonstigen Probenraums auf Abstand. © Nikolai Schmidt

Das Lied "Macht hoch die Tür" klingt schon mal recht weihnachtlich, und der Chor des Gerhart-Hauptmann-Theaters singt es so volltönend, als wäre alles wie immer. 

Tatsächlich aber ist bei den Proben für das Weihnachtskonzert vieles anders als je zuvor. Zum einen singt der Chor in die Ungewissheit hinein, ob das Theater im Dezember wirklich wieder öffnen kann. Mancher glaubt nicht recht daran. Aber auch ganz praktisch hat Corona vieles verändert. Der Probenraum des Chors in den früheren Räumen der Maxroi-Druckerei am Demianiplatz dient zurzeit nur als Garderobe. "Zum Singen nutzen wir den großen Flur davor", sagt Chordirektor Albert Seidl, "auch wenn es hier eigentlich zu sehr hallt." 

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Ensemble auf Abstand in zwei Gruppen

In diesem großen Raum mit den blauen Stahlsäulen und den vielen Fenstern können sich die Sängerinnen und Sänger so verteilen, wie es coronabedingt erforderlich ist. Auch durchgelüftet ist schnell. Es proben nur maximal zwölf Leute, jedes Chormitglied sitzt weit von den anderen entfernt, im Abstand von zwei Metern oder mehr. "Dieser Abstand ist gar nicht so sehr wegen des Singens wichtig", sagt Albert Seidel. "Ein professioneller Sänger stößt dabei nicht viel mehr Luft aus als beim Sprechen, denn er dosiert seinen Atem und verwandelt ihn in Klang." 

Aber die klare Aussprache der "T"s und "P"s, auf die Sänger besonders achten müssen, führe zum erhöhten Ausstoß von Aerosolen. "Außerdem atmen sie bis in die untersten Bereiche der Lunge hinein, um mit dem Zwerchfell ihren Ton zu stützen", sagt Seidl. Würde ein Sänger das Virus beim Singen einatmen, könne es ihm möglicherweise mehr schaden als jemandem, der eher flach atmet. "Insofern schützt der Abstand auch die Sänger selbst." Im Gegensatz zu einer anderen Probengemeinschaft, die vor Probenbeginn komplett auf Corona getestet wurde, sei das beim Chor bisher nicht nötig gewesen.

Damit die Abstände auch im Saal des Theaters eingehalten werden können, hat Albert Seidl den Chor in zwei Gruppen geteilt, genau wie das Orchester in dieser Spielzeit in zwei nicht durchmischten Besetzungen probt und auftritt. "Aber wir nennen die Gruppen nicht A und B", sagt er, "das wäre geringschätzend gegenüber der B-Gruppe." Sondern "Gaudete" (Freut euch!) und "Jubilate" (Jubelt!).

Veränderungen haben Vor- und Nachteile

"Macht hoch die Tür" singt die "Gaudete"-Gruppe, danach noch ein zweites Stück für das Weihnachtskonzert, und schon ist die Probe auch wieder vorbei. Lüften, Pause für Albert Seidl, dann treffen die "Jubilate"-Mitglieder ein und setzen sich auf ihre Plätze. 

"Es ist schon eine deutliche Veränderung für uns", sagt die Sopranistin Barbara Siegel. "Die Abstände sind so groß, dass wir einander kaum hören, sondern uns wie Solisten fühlen. Doch das Besondere eines Chors ist ja gerade, dass er zusammen wie eine Stimme klingt." Dieses Erlebnis für die Zuhörer zu erreichen, sei wesentlich schwieriger, wenn der Chor über den Saal verteilt ist. "Andererseits hört man sich selbst auch besser und übernimmt mehr Verantwortung für seine Stimme", sagt die Chorsängerin. "Es ist wie immer im Leben: Alles hat Vor- und Nachteile."

Auch die Altistin Cordula Archner bedauert die großen Abstände im Chor. Und dass alle im Theater Maske tragen, sei etwas hinderlich. In der Donizetti-Oper Don Pasquale etwa, die das Ensemble trotz abgesagter Premiere am 14. November komplett einstudiert hat, trägt der Chor Struwwelpeter-Kostüme mit langen Fingernägeln. "Damit ist es nicht so einfach, die Maske ab- und aufzusetzen." Auch dauere die Vorbereitung auf einen Auftritt länger als sonst, weil immer nur eine Person in die Maske dürfe, sonst sind es drei.

"Aber all diese Einschränkungen nehmen wir gern in Kauf", sagt Cordula Archner. Die Teilung des Chors habe auch Vorteile: Der Teil des Chors, der gerade nicht auftrete, habe an diesem Tag frei. "Am wichtigsten aber ist uns, dass wir überhaupt auftreten können, und hoffen deshalb das Beste für Dezember."

Mehr Konzerte als sonst, aber kürzer

Nach jetzigem Stand wird das Theater dann wieder öffnen. Die ersten sechs Weihnachtskonzerte waren für Ende November geplant und mussten abgesagt werden. Weitere 33 sollen im Dezember in Görlitz, Zittau und Bautzen erklingen, an manchen Tagen dreimal täglich, um 15, 18 und 21 Uhr in einer Länge von jeweils 80 Minuten. In Görlitz, wo in der Corona-Variante 88 Menschen das Theater besuchen können, wird der Chor auf Logen und Ränge verteilt werden. Für Zittau und Bautzen, wo es keine Ränge gibt, soll noch eine Lösung gefunden werden. 

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Albert Seidl möchte – wie es Tradition ist beim Weihnachtskonzert – nicht zu viel davon verraten, was sich Stefan Bley und er für das Programm überlegt haben. "Natürlich können in kleiner Chorbesetzung keine größeren Chorwerke aufgeführt werden", sagt er. Aber mehrere Stücke habe er – wie schon die Musik beim "Land des Lächelns" – für eine kleinere Besetzung neu arrangiert. Ein Werk des aus Görlitz stammenden Thomaskantors Johann Gottlob Harrer sei darunter. Und mit dem diesjährigen Thema "Mit seinem hellen Scheine" sei eine Botschaft verbunden. "... vertreibt's die Finsternis", gehe das Lied weiter. "Und das bedeutet nicht anderes als: Hoffnung", sagt Albert Seidl. "Die können wir jetzt alle gut brauchen."

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