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Görlitzer OB greift in die Davidstern-Debatte ein

Der Vorstoß des Förderkreises erreicht jetzt den Stadtrat. Octavian Ursu hat eine klare Meinung dazu.

Diese Aufnahme von 1911 zeigt die Görlitzer Synagoge zu ihrer Eröffnung mit Davidstern auf der Kuppel.
Diese Aufnahme von 1911 zeigt die Görlitzer Synagoge zu ihrer Eröffnung mit Davidstern auf der Kuppel. © Ratsarchiv Görlitz

Es war die politische Diskussion dieses Sommers: Soll der Davidstern auf die frühere Görlitzer Synagoge, selbst wenn sie künftig als städtisches Kulturzentrum genutzt wird? Der Verein "Förderkreis Görlitzer Synagoge" hatte die Diskussion mit einem offenen Brief eröffnet, der auch in der SZ und bei sächsische.de veröffentlicht wurde.  Und der Verein traf in der Stadtgesellschaft dabei auf Unterstützung. Jetzt steht er kurz vorm Ziel.

Wie der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) am Freitag vor Journalisten erklärte, halten er und sein Bürgermeister Michael Wieler (Bürger für Görlitz) das Aufsetzen des Davidsterns für eine Vervollkommnung der Sanierung. "Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie", erklärte Ursu. 

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Dazu soll der Stadtrat am kommenden Donnerstag den OB beauftragen, sowohl die technischen als auch die finanziellen Voraussetzungen für die Installation zu prüfen. Wenn die Prüfung keine schwerwiegenden Vorbehalte gegen diesen Schritt ergeben, würde der Davidstern auf der früheren Synagoge montiert.

Meinungswechsel bei der Jüdischen Gemeinde

Ursprünglich hatte die Stadt Görlitz die Sanierung ohne die Rekonstruktion des Davidsterns geplant. Und berief sich dabei auch auf den Standpunkt der Jüdischen Gemeinde in Dresden. Mit dem Wechsel  im Vorsitz der Gemeinde sei es aber auch zu einem historischen Paradigmenwechsel gekommen, erklärte Wieler nun. 

Die Gemeinde nahm zunächst Abstand von dem Davidstern, um so auch die Versehrtheit des Gebäudes durch die Zerstörungen während der Nazi-Zeit zu demonstrieren. Deshalb wurde auch die Tafel, die an die im Ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten in der Synagoge erinnerte und deren Schrift zerstört ist, nur konserviert und durch eine Erklärungstafel ergänzt. Das Konzept dahinter: Bei aller Pracht durch die Wiederherstellung der Synagoge sollte die Geschichte und das bittere Ende der Jüdischen Gemeinde während der NS-Zeit nicht ausgeklammert werden. 

Nun aber verfolgt die Jüdische Gemeinde in Dresden ein anderes Konzept und kann sich offenkundig den Davidstern  vorstellen. Die Stadt wäre ohne das Einverständnis der Dresdner Synagogengemeinde in dieser Frage nicht umgeschwenkt.

Eröffnung Anfang Dezember

Die Sanierung der früheren Synagoge befindet sich kurz vorm Ziel. Zuletzt waren die spektakulären Leuchter aufgehangen worden. Anfang Dezember soll sie eingeweiht werden, allerdings coronabedingt nur in kleinem Rahmen, wie Oberbürgermeister Octavian Ursu erklärte. Zugleich werde noch nach einem Veranstaltungsformat gesucht, um der Bevölkerung die Gelegenheit zu Besichtigung und Austausch zu geben. Auch der Plan, Nachfahren früherer jüdischer Görlitzer Bürger einzuladen, musste  fallengelassen werden - jedenfalls für die Eröffnung.

Der städtische Kulturservice wird die Synagoge betreiben. Ein entsprechendes Konzept hatte der Stadtrat verabschiedet, um Standards für Veranstaltungen in der Synagoge festzulegen. Wie Michael Wieler erklärte, werden im kommenden Jahr verschiedene Programme zur 950-Jahr-Feier der Stadt in der Synagoge stattfinden. Für September 2021 ist eine hochrangige, eineinhalbtägige Jakob-Böhme-Tagung geplant. Weitere Veranstaltungen bereitet der Kulturservice vor.

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