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Notfallplan für Görlitzer Christkindelmarkt

Die Corona-Auflagen beenden vorerst alle Pläne für einen Markt ab 4. Dezember. Doch der Görlitzer OB will die Hoffnung noch nicht aufgeben.

Ein solches Getümmel auf dem Schlesischen Christkindelmarkt auf dem Görlitzer Untermarkt ist in diesem Jahr ausgeschlossen - nicht erst seit Mittwoch.
Ein solches Getümmel auf dem Schlesischen Christkindelmarkt auf dem Görlitzer Untermarkt ist in diesem Jahr ausgeschlossen - nicht erst seit Mittwoch. © nikolaischmidt.de

Mit seinem Optimismus ist Benedikt Hummel jäh ausgebremst worden. Noch Anfang Oktober ging der zuständige Geschäftsführer des städtischen Kulturservices davon aus, dass der Schlesische Christkindelmarkt stattfindet. Zwar mit Einschränkungen und unter Corona-Bedingungen. Aber stattfinden, das auf jeden Fall. Seit Mittwochabend ist das ganz anders. 

Das ist nicht die Schuld von Hummel. Doch in dieser Corona-Pandemie sind Planungen von den politischen Rahmenbedingungen abhängig und schnell Schall und Rauch. Wie für den Striezelmarkt in Dresden, so gilt nun auch für den Christkindelmarkt in Görlitz seit Mittwochabend: Selbst das Corona-Format unter den bislang geltenden Bedingungen ist Geschichte. Vom 4. bis 20. Dezember sollte der Christkindelmarkt stattfinden, die Eisbahn auf dem Obermarkt ab 20. November öffnen. 

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Ursu trifft Organisatoren des Marktes am Montag

Am Montag werden daher Oberbürgermeister Octavian Ursu und die Spitze des Kulturservices zusammenkommen, um über einen Notfallplan zu reden. Das bestätigte Ursu vor Journalisten am Freitag im Görlitzer Rathaus. Ursus Marschrichtung ist dabei klar: Er will den Markt derzeit nicht absagen, sondern sich die Möglichkeit offen halten, spontan etwas zu organisieren, wenn womöglich Mitte November abzusehen ist, welche Regeln im Dezember gelten.

Dabei ist klar: Einen Schlesischen Christkindelmarkt in der bekannten Form auf dem Untermarkt und mit dem Drängeln von Tausenden Besuchern gerade an den Wochenenden wird es dieses Jahr nicht geben. Auch der geplante zweite Weihnachtsmarkt auf dem Postplatz mit Schaubacken und Technikschau ist ebenso nicht mehr machbar.

Den Vorschlag der Afd, den  Christkindelmarkt vom Obermarkt bis zum Untermarkt laufen zu lassen, hält Ursu für unrealistisch, weil das Gelände abgesperrt werden müsste, um die Zahl der Besucher zu kontrollieren. Das sei aber bei dieser Größe nicht realistisch. 

Vage Vorstellungen für den Markt in der Adventszeit

Derzeit ist nicht abzusehen, was überhaupt im Dezember möglich ist. Doch Ursu will dafür vorbereitet sein, rasch einen kleinen Markt für die Görlitzer aufzubauen, wenn die Auflagen Ende November doch noch mal gelockert werden. "Es geht nicht darum, mit diesem Christkindelmarkt Touristen nach Görlitz zu locken", sagt der Rathauschef. "Sondern wenn er stattfindet, dann ist es ein Angebot für die Görlitzer. Wir werden damit außerhalb von Görlitz nicht werben". 

Und es gibt klare Bedingungen: Jederzeit muss der Veranstalter wissen, wie viele Menschen auf dem Markt sind, daher wird das Marktgelände eingezäunt und die Besucher gezählt, sie werden auch ihre persönlichen Daten hinterlassen müssen.  Ihre Zahl ist ohnehin festgelegt. Getränke werden nur in Einwegverpackungen ausgereicht, wenige Stände wird es geben. Die Eisbahn - die in diesem Jahr auf 400 Quadratmeter vergrößert werden soll - könnte öffnen, möglicherweise könnten auch Elemente des ursprünglich auf dem Postplatz geplanten zweiten Marktes integriert werden. Und der Christkindelmarkt würde auf dem Obermarkt stattfinden. 

Aber sicher ist auch das nicht und hängt davon ab, wie sich die Pandemie in den nächsten zwei, drei Wochen entwickelt. Von dieser Unsicherheit sind alle Städte und Gemeinden betroffen. Einige wie Bautzen haben ihren Weihnachtsmarkt bereits abgesagt, andere wie Dresden versuchen nun auch, Alternativen für eine mögliche Eröffnung im Dezember zu entwickeln.

Görlitz war Vorreiter bei Märkten in Corona-Zeiten

Dabei war Görlitz in diesem Jahr der Vorreiter bei der Durchführung von großen Märkten in Corona-Zeiten.  Der Tippelmarkt im Juli eröffnete Sachsens Marktsaison. Rund 20.000 Besucher zählte der städtische Kulturservice an dem Wochenende auf dem Görlitzer Untermarkt - auch wenn damals keine Gastronomie und auch kein Kulturprogramm zugelassen wurde. 

Doch galt der Tippelmarkt als Blaupause für alle anderen Märkte seitdem in Sachsen, die Görlitzer Organisatoren traten sogar auf sachsenweiten Konferenzen auf, um über ihre Erfahrungen zu berichten und vom Görlitzer Wissen zu profitieren. Kein einziger Fall ist bekannt oder belegt, dass auf dem Markt sich jemand mit dem Coronavirus infiziert haben könnte. Und schon damals zog Benedikt Hummel das Fazit: "Wir haben schon einige Ideen, wie auch der Weihnachtsmarkt unter Auflagen gelingen kann."

Unsicherheiten sind riesengroß

Octavian Ursu will sich daher jetzt noch nicht festlegen. "Es wäre sehr schade, wenn gar nichts in der Advents- und Weihnachtszeit stattfinden könnte", sagt der Görlitzer OB. Zumal auch die großen Festgottesdienste in den Kirchen in diesem Jahr - wenn überhaupt - um vieles kleiner ausfallen werden. Zwar sind Gottesdienste auch im November nach den neuesten Corona-Bestimmungen erlaubt, aber unter bestimmten Hygienekonzepten. Die sahen bislang 100 Besucher, Mundschutz, großer Abstand und weitgehender Verzicht aufs Singen vor.

Während Landrat Bernd Lange ein Treffen mit Vertretern der großen Kirchen angekündigt hat, um auszuloten, wie Weihnachten gefeiert werden könnte, sieht Ursu es als schwierig an, Gottesdienste mit 100, 200 Besuchern in diesem Jahr zu Weihnachten feiern zu können. In anderen Städten dachten die Kirchen über die Feier der Christnacht auf großen Plätzen oder Stadien nach. Aber wenn die Kontaktbeschränkungen so hart bleiben, wie jetzt, ist auch diese Alternative verbaut. In manchen Gemeinden wird daher schon der Kirchenmusiker gebeten, eine CD einzuspielen, die dann den Christen zugeschickt wird - damit Weihnachtsstimmung wenigstens zu Hause entstehen kann. Aber das alles sind Überlegungen am Monatswechsel Oktober/November. In ein paar Tagen kann schon wieder alles anders aussehen.

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