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Görlitzerin will keine Schwarzfahrerin sein

Eine Frau fährt täglich mit der Monatskarte von Kunnerwitz mit Bus und Bahn nach Görlitz. Die Tücke dieser Karte kostet sie jetzt 60 Euro.

Ein teures Missverständnis. Eine Frau aus Kunnerwitz hatte angenommen, ihre Monatskarte gelte bis zum letzten Tag des Monats. So war es aber nicht.
Ein teures Missverständnis. Eine Frau aus Kunnerwitz hatte angenommen, ihre Monatskarte gelte bis zum letzten Tag des Monats. So war es aber nicht. © André Schulze

Ihren Namen will die Frau auf keinen Fall veröffentlicht sehen. Aber was ihr neulich im Bus in Görlitz passiert ist, möchte sie schon erzählen. In einem Brief hatte sie sich an die SZ gewandt. Mit einer Geschichte, die sie am Ende 60 Euro kostete. Fürs Schwarzfahren. Allerdings unbeabsichtigt, sagt die Frau. Schließlich kaufe sie jeden Monat eine Monatskarte für 41 Euro. "Wieso hätte ich mich da freuen sollen, einen Tag 'schwarz' zu fahren?", fragt sie. 

Wie lange gilt eine Monatskarte?

Von Beginn: Von Kunnerwitz aus fahre sie immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihrer Arbeitsstelle in Görlitz, schreibt sie. Erst mit einem Schulbus, dann weiter mit der Straßenbahn. Früher habe sie dafür gerne die 4-Fahrten-Karten genutzt, die es aber nicht mehr gibt. "Seitdem kaufe ich regelmäßig, außer in der Urlaubszeit, eine Monatskarte", schreibt sie. Ende August habe sie eine neue gekauft, gültig ab 1. September, in der festen Annahme, die alte gelte bis 31. August. Also bis zum Ende des Monats. 

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"Am 31. August, der erste Schultag, waren Kontrolleure im Bus", schreibt die Frau weiter. Sie sei total selbstbewusst gewesen, ihre Karte sei noch gültig. Bis zu dem Punkt, als der Kontrolleur sie darauf aufmerksam gemacht habe, dass dem nicht so ist. Die Gültigkeit endete am 30. August. 

Teures Missverständnis

Das Problem: Eine Monatskarte gilt bei den Görlitzer Verkehrsbetrieben (GVB) nicht für einen bestimmten Monat, wie die Frau vermutlich angenommen hatte - sondern von Datum zu Datum. Also nicht für einen Kalendermonat, "sondern beispielsweise auch vom 10. bis zum 10. des Folgemonats, je nachdem, wie es der Kunde wünscht", erklärt Andreas Kolley, Sprecher der GVB. Genau das werde als großer Vorteil von den Kunden bewertet. 

Neben der Monatskarte, die von Datum zu Datum gültig ist, gibt es noch eine weitere Monatskarte, die Abo-Monatskarte, die für zwölf aufeinanderfolgende Monate im Stadt- oder Regionalverkehr gilt. Erstere umbenennen, um Missverständnisse, wie sie offenbar der Frau aus Kunnerwitz passierten, zu vermeiden? 

GVB: Solche Missverständnisse kommen fast nie vor

Nein, sagt Andreas Kolley. Zum einen: Dass Fahrgäste annehmen, die Monatskarte gelte für einen bestimmten Kalendermonat und dann beim Fahren ohne gültiges Ticket festgestellt werden - das komme fast nie vor.  Das Datum wird aufgedruckt, nicht bei der ersten Entwertung, sondern beim Kauf im Servicecenter: "Man könnte sich beispielsweise heute eine Monatskarte ausstellen lassen und sagen, sie soll ab dem 15. Oktober gelten", erklärt Kolley.  "Zum anderen handelt es sich um ein verbundweites ZVON-Produkt, was wir als GVB nicht einfach umbenennen oder ändern können." 

Sie habe es nicht fassen können, schreibt die Frau, der dieses Missverständnis eben doch passierte. Dem Kontrolleur habe sie auch ihre neue Karte gezeigt, die ab 1. September gültig ist. "Ich bat ihn, einen Einzelfahrschein entwerten zu dürfen. Ich wollte nicht schwarz fahren." Das sei aber nicht möglich gewesen. "Meine Daten wurden erfasst, und ich muss nun 60 Euro als 'Schwarzfahrer' bezahlen." 

Frau hätte sich mehr Kulanz gewünscht

Als Stammkunde hätte sie sich etwas mehr Kulanz gewünscht. Im Nachhinein lasse sich die Situation schwer beurteilen, sagt Andreas Kolley. Grundsätzlich geben die Beförderungsrichtlinien und Tarifbestimmungen aber vor, dass ein Fahrgast seinen Fahrausweis für die gesamte Strecke vor Fahrtantritt zu erwerben habe. "Und wir möchten alle Fahrgäste gleich behandeln." 

Die Frau aus Kunnerwitz schreibt: "Es war einfach wirklich nur eine Unaufmerksamkeit, welche mit der Entwertung eines Einzelfahrscheins behoben wäre." Eine unglückliche Situation, sagt Andreas Kolley. "Der Fahrgast hat ein Ticket, das bis zum 30. gilt und eines, das ab 1. gilt und ein Tag dazwischen fehlt - das ist dann eben auch für die Kontrolleure eine schwierige Lage." 

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