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Generationenprojekt Bushäuschen

Im Görlitzer Ortsteil Ludwigsdorf helfen Familien, damit das Warten auf den Bus kein Ärgernis bleibt.

Mario Conrad, Heike Richter und Ronny Morche (v.l.) stehen vor dem Bushäuschen „Zum Kalkwerk“ in Ludwigsdorf. Sie gestalten es zusammen mit weiteren ehrenamtlichen Helfern neu.
Mario Conrad, Heike Richter und Ronny Morche (v.l.) stehen vor dem Bushäuschen „Zum Kalkwerk“ in Ludwigsdorf. Sie gestalten es zusammen mit weiteren ehrenamtlichen Helfern neu. © Nikolai Schmidt

Als Heike Richter und ihre Familie 2013 ihr Haus in Ludwigsdorf kauften, haben sie quasi einen Schandfleck mit erworben: Die Rückwand des Bushäuschens „Zum Kalkwerk“ an der Rothenburger Landstraße. Fassaden, Dach, Sitzbank – alles war noch nutzbar, aber ein schöner Anblick war es nicht. Heike Richter hat sich der Sache angenommen. „Ich mähe hier den Rasen und sammele Müll auf“, sagt die 48-Jährige, deren Kinder mit dem Bus zur Schule fahren und dafür die Bushaltestelle nutzen.

Das Bushäuschen "Zum Kalkwerk" in Ludwigsdorf vor ...
Das Bushäuschen "Zum Kalkwerk" in Ludwigsdorf vor ... © Foto: privat
... und nach der Sanierung durch ehrenamtlich tätige Einwohner.
... und nach der Sanierung durch ehrenamtlich tätige Einwohner. © Foto: privat
Dieses kleine Bushäuschen in Ober-Neundorf trägt die stolze Aufschrift "Wartehalle". Es wird ebenfalls saniert.
Dieses kleine Bushäuschen in Ober-Neundorf trägt die stolze Aufschrift "Wartehalle". Es wird ebenfalls saniert. © Foto: privat

So war es für die aus Görlitz zugezogene Familie auch gar keine Frage, bei der Verschönerung des Häuschens ehrenamtlich mitzuwirken. Die Möglichkeit dazu hat sich nun ergeben, weil Ludwigsdorf/Ober Neundorf aus dem Pauschalgesetz etwa 23.000 Euro von der Stadt bereitgestellt bekommen hat, um eigene Projekte zu planen und umzusetzen. Inhaltlich setzt der Ortschaftsrat konsequent auf Bürgerbeteiligung – und die Sanierung von zwei Bushäuschen gehört zu den Dingen, die die Einwohner nun mit dem Geld angehen. Allerdings geht dafür nur ein kleiner Teil der Summe drauf – für die Materialkosten. Die Arbeit selbst passiert ehrenamtlich.

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Geld kommt aus dem Pauschalgesetz

Mit dem Geld aus dem Pauschalgesetz wollen die Ludwigsdorfer auch noch weitere Vorhaben umsetzen. Unter anderem geht es um die Sicherung der Friedhofsmauer und um eine Gedenktafel.

„Bei den Bushäuschen sind wir etwa 15 Leute, die bei den mehr als zehn Arbeitseinsätzen mitmachen“, sagt Mario Conrad vom Ortschaftsrat. Manche helfen beim Verputzen, Streichen oder bei den Arbeiten am Dach, andere kochen für die Helfer und bringen ihnen das Essen. Zusätzlich fertigt der Lebenshof Ludwigsdorf – ebenfalls ein Nutzer der Haltestellen – in seiner Holzwerkstatt neue Sitzbänke und verkleidet die Decke. Die Görlitzer Stadtverwaltung hilft bei der Neuverglasung der Fenster des zweiten Häuschens. Es ist die Haltestelle „Alte Post“ in Ober-Neundorf. Ende Oktober, hofft Mario Conrad, wird auch dieses Häuschen fertig sein.

Andere Haltestelle braucht Beleuchtung

Der 33-jährige ist in Ludwigsdorf aufgewachsen und hat die Bushaltestellen früher selbst genutzt. Deshalb hilft er mit, auch wenn er nicht direkt an der Haltestelle wohnt. Auch Ronny und Melanie Morche, die 2011 von Görlitz nach Ludwigsdorf gezogen sind, sind gern dabei. „Es macht auch Spaß, wir sind eine lustige Truppe“, sagt Ronny Morche. Der 45-Jährige lebt nahe an einer anderen Bushaltestelle, auch seine Kinder nutzen den Bus. Dort gibt es kein Wartehäuschen, noch nicht einmal eine Laterne. „Eine Solarleuchte ist dort unser oberstes Ziel“, sagt er und hofft, dass dieses Jahr noch etwas passiert: „Es geht einfach um die Sicherheit unserer Kinder.“

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