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Casus platzt in Görlitz aus allen Nähten

Ein Jahr nach dem Start hat das Forschungsinstitut schon 52 Mitarbeiter. Platz ist für 37. Nun muss ein zweites Haus her.

Casus-Gründungsbeauftragter Michael Bussmann (vorn) hat Grund zur Freude: Sein Institut ist für junge Forscher attraktiv.
Casus-Gründungsbeauftragter Michael Bussmann (vorn) hat Grund zur Freude: Sein Institut ist für junge Forscher attraktiv. © Archivfoto: André Schulze

Deutschland, Polen, Tschechien, Iran, USA, Ecuador, Indien, China, Südkorea, Großbritannien, Portugal, Marokko: Die Mitarbeiter des neuen Forschungsinstitutes Casus am Görlitzer Untermarkt kommen fast aus der ganzen Welt. „Insgesamt sind wir jetzt knapp 20 Nationen“, sagt Gründungsbeauftragter Michael Bussmann. Nur knapp die Hälfte seien Deutsche. Und die meisten seiner Mitarbeiter seien auch privat nach Görlitz gezogen, erklärt Bussmann, der selbst in Dresden lebt.

Vor einem guten Jahr ging das Institut im Gebäude Untermarkt 20 an den Start – da, wo früher das Kulturamt und später unter anderem die Untere Denkmalschutzbehörde zu finden war. Casus ist eines der Forschungsprojekte, die mit Hilfe von Kohleausstiegsgeldern gefördert werden. Unter Nicht-Corona-Bedingungen könnten bis zu 37 Menschen in dem Haus arbeiten, unter Corona-Bedingungen 14. „Aktuell sind wir aber schon 52“, sagt Bussmann. Nur, weil die meisten im Homeoffice sind, funktioniert es momentan noch mit dem Gebäude. Ein paar Leute seien aber auch immer vor Ort im Büro. Gerade für die Neuen, die frisch nach Görlitz gezogen sind, sei das wichtig: „Sie kennen hier noch niemanden und wollen auch mal jemanden sehen.“

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Rasante Entwicklung überrascht nicht

Von null auf 52 in einem reichlichen Jahr: So richtig überrascht ist Bussmann nicht über die rasante Entwicklung. „Nachdem wir Werbung gemacht hatten für das, was wir hier tun, hatte ich das erwartet“, sagt er. Ein ganz entscheidender Punkt sei die Vielfalt der Forschung. Hinter dem Namen Casus verbirgt sich nämlich ein Wortungetüm: Center for Advanced Systems Understanding. Was indes in diesem Software-Institut gemacht wird, das lässt sich etwas verständlicher in etwa so erklären: Es geht um neuartige Rechenmodelle und Software für einige der drängendsten Fragen unserer Zeit: Corona, Klima, Krebs und Künstliche Intelligenz. Hier werden bisher nicht lösbare Gleichungen und Rechenmodelle entwickelt, die neuartige Prognosen ermöglichen, sagt Bussmann.

Sehr viele internationale Forscher finden die interdisziplinäre Ausrichtung spannend, erklärt er. Dadurch gelinge es, nicht nur viele Forscher anzulocken, sondern vor allem sehr gute. Ein zweites Argument seien die konkreten Fragestellungen, mit denen sich Casus beschäftigt. Und das Dritte seien die guten Arbeitsbedingungen, „die Art, wie wir arbeiten, die Ausstattung.“ Am Geld liege es weniger: „Wir zahlen normal Tarif öffentlicher Dienst.“

Weitere 100 Mitarbeiter sollen hinzukommen

Weil das Gebäude schon jetzt zu klein ist und Casus gern bis Anfang oder Mitte 2023 auf 150 Mitarbeiter wachsen möchte, läuft längst die Suche nach einem zweiten Haus. „Wir haben etwas in Aussicht, auch in der Altstadt“, sagt Bussmann. Da noch nichts unterschrieben sei, will er aber noch nichts Konkretes verraten. Nur so viel: Casus will am Untermarkt 20 bleiben und das zweite Haus zusätzlich beziehen. Beide Gebäude zusammen wären groß genug für fast 150 Mitarbeiter. In der Stadt geht derweil das Gerücht, dass Casus auch die früheren Räume von Radio Lausitz beziehen will: Direkt im Nachbarhaus Untermarkt 19. Bussmann will das nicht kommentieren: „Noch ist nichts unterschrieben.“

Klar aber ist: Langfristig soll Casus einmal in das frühere Kondensatorenwerk auf der Uferstraße ziehen, das extra für diesen Zweck saniert und hergerichtet werden soll. Dort wurden bereits Bäume gefällt und eingestürzte Dächer beräumt. „Es gab auch schon viele Untersuchungen“, sagt Bussmann. Stadt, Land und viele Partner würden an einem Strang ziehen und die Sache viel zügiger angehen, als er gedacht hätte. Dennoch wird noch viel Zeit vergehen, bis der Bauantrag eingereicht wird, der Gebäudekomplex saniert ist und Casus einziehen kann. Einen Zeitplan will Bussmann dafür besser nicht nennen.

Casus arbeitet mit regionalen Altenheimen

Viel lieber spricht er über Inhalte. „Unser Test-Projekt zur Covid-19-Forschung ist im Februar online gegangen“, schwärmt er. Das Institut sei von drei Altenheimen in der Region angesprochen worden, innerhalb der Heime eine Corona-Teststrategie zu entwickeln: „Das haben wir gern angenommen.“ Sein Institut arbeite jetzt sehr eng mit den drei Heimen zusammen: „Wir wollen ihnen helfen, möglichst gutes Wissen zu bekommen, wo in ihren Gebäuden eventuell Gefährdungen sein könnten.“

Er freue sich, dass Casus damit hier in der Region etwas bewirken könne. Bei genau dem gleichen Projekt arbeitet sein Institut aber auch mit Universitäten in den USA und Indien zusammen. Die weltweite Verbindung von Forschungsinstituten sei toll – auch, weil sie bis zu den Altenheimen vor Ort reiche. Für ein anderes Projekt hat Casus gerade zwei Universitäten im polnischen Wroclaw (Breslau) ins Boot geholt: „Wir wollen gemeinsam zu Drohnen forschen.“ Doch das sind nur zwei von ganz vielen Projekten: „Die Liste unserer Partner ist mittlerweile fünf Seiten lang.“ Auch viele gute Publikationen seien schon erschienen, weil es gelungen sei, erfahrene Wissenschaftler anzuziehen. Casus habe sich schon sehr gut etabliert. Und demnächst will Bussmann auch so weit sein, dass er das zweite Gebäude benennen kann.

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