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Wie Görlitz aufs Titelblatt kam

Das Haus Peterstraße/Nikolaistraße ziert den Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit. Es stach selbst die Dresdner Frauenkirche aus.

Das Eckhaus Peterstraße 7/Nikolaistraße hat es auf die Titelseite des Jahresberichtes zum Stand der Deutschen Einheit 2020 geschafft.
Das Eckhaus Peterstraße 7/Nikolaistraße hat es auf die Titelseite des Jahresberichtes zum Stand der Deutschen Einheit 2020 geschafft. © Repro: Bundesregierung

Die Fotomontage hat alles, was es braucht, um die Wiederauferstehung der Görlitzer Altstadt nach dem Mauerfall 1989 zu dokumentieren. Das zu DDR-Zeiten verfallene Eckhaus Peterstraße 7/Nikolaistraße oben links, der heutige Zustand nach der Sanierung unten rechts. Da braucht es keine großen Worte.

Die beiden zusammenmontierten Fotos stammen vom Dresdner Fotografen Jörg Schöner. Sie waren auch schon in seiner Görlitz-Ausstellung zu sehen.
Die beiden zusammenmontierten Fotos stammen vom Dresdner Fotografen Jörg Schöner. Sie waren auch schon in seiner Görlitz-Ausstellung zu sehen. © Repro: Bundesregierung

Der Dresdner Fotograf Jörg Schöner dokumentiert die Görlitzer Altstadt seit mittlerweile 40 Jahren fotografisch. Die beiden Bilder des Eckhauses Peterstraße 7 waren Teil seiner viel beachteten Ausstellung „Görlitz – Auferstehung eines Denkmals“, die 2015 in Görlitz und anschließend in vielen weiteren Städten gezeigt wurde.

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Jetzt aber ziert eine Montage aus beiden Fotos den Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit 2020. Der wurde vom Ostbeauftragten der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU), herausgegeben. Der 44-jährige gebürtige Karl-Marx-Städter wurde im Wahlkreis Chemnitzer Umland/Erzgebirgskreis II direkt in den Bundestag gewählt.

Gerahmtes Poster im Büro

Er persönlich hat Görlitz auf den Titel gehoben, sagt Wanderwitz: „Ich habe dieses Bild schon mal als gerahmtes Poster im Büro eines Mitarbeiters von Michael Kretschmer gesehen.“ Das sei bei ihm hängengeblieben. Als es jetzt um den Einheitsbericht gegangen sei, habe eine Agentur verschiedene Vorschläge für die Titelseite gemacht. „Die fand ich alle nicht so berauschend“, sagt Wanderwitz. Also überlegte er selbst, dachte zuerst an die Dresdner Frauenkirche. Und dann fiel ihm dieses Foto von Jörg Schöner wieder ein.

Görlitz ist Wanderwitz nicht unbekannt. „Mein Bezug ist beispielsweise der gemeinsame politische Start und Weg mit Michael Kretschmer“, sagt er – und erinnert sich an den Deutschlandtag der Jungen Union 1996 in Görlitz und die gemeinsame Arbeit im JU-Landesvorstand. 2002 zogen Kretschmer und Wanderwitz – beide sind Jahrgang 1975 – gemeinsam in den Bundestag ein. Und erst neulich war Wanderwitz auf Einladung des künftigen CDU-Bundestagskandidaten Florian Oest zur politischen Wanderung in Königshain bei Görlitz. Den heutigen Oberbürgermeister Octavian Ursu kannte er bereits als Landtagsabgeordneten, jetzt als OB. „Wir haben natürlich auch Kontakt“, so Wanderwitz.

Eines der Bilder der Einheit

„Die Wiedergeburt der historischen Altstadt von Görlitz ist für mich eines der Bilder der Einheit“, sagt er. Vieles habe er bewusst wahrgenommen, etwa den Bau der Altstadtbrücke, die Geschichte des anonymen Millionenspenders für die Altstadt, das Thema Filmstadt. Von 2009 bis 2017 habe er Kultur- und Medienpolitik im Bundestag gemacht, auch Film. Da habe es viele Bezüge zu Görlitz gegeben, nicht zuletzt „.The Grand Budapest Hotel“, sagt Wanderwitz. Alles in allem sei Görlitz mit vielen Dingen auch in seiner Heimat bekannt.

Letztlich konnte er seine Mitarbeiter schnell von dem Görlitz-Titelbild überzeugen. Anschließend machte der gesamte Bericht – inklusive Titel – vor der Veröffentlichung die Runde durch alle Ministerien. Zum Foto kamen keine Anmerkungen mehr, somit war es endgültig gesetzt.

Einheitsbericht in der Tagesschau

Jörg Schöner freut sich darüber sehr. „Ich habe es neulich in der Tagesschau gesehen“, berichtet der Fotograf. Er wusste natürlich vorher davon: „Ich habe die Fotos an eine Werbeagentur verkauft, die für die Bundesregierung arbeitet.“

Der 76-Jährige wollte die Ausstellung „Görlitz – Auferstehung eines Denkmals“ dieses Jahr eigentlich im Rahmen der Jakob-Böhme-Ausstellung im polnischen Wroclaw (Breslau) zeigen, doch das sei aus Geld- und Zeitgründen gestrichen worden. Ansonsten gebe es derzeit wegen der Corona-Pandemie keine Aktivitäten: „Die meisten Bilder sind in Dresden eingelagert, ein kleinerer Teil hängt in den Schaufenstern des Kaufhauses am Demianiplatz.“

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Das Thema Görlitz war für ihn mit dieser Ausstellung nicht abgeschlossen, sagt Schöner. Er sei inzwischen fast fertig mit einer großen Dokumentation der Görlitzer Alt- und Nikolaivorstadt, die er Haus für Haus fotografiert hat: In den 1980er Jahren teilweise, jetzt noch einmal vollständig. „Ich habe es dokumentarisch fortgeführt, ohne zu wissen, was daraus wird“, sagt Schöner. Auf jeden Fall sollen die Fotos in Dresden und Görlitz archiviert werden: „Nach Robert Scholz ist es die zweite große Stadtdokumentation von Görlitz.“

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