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Kreis Görlitz hält am Grünen Pfeil fest

Während in Dresden der Grüne Pfeil zum Auslaufmodell wird, sehen das Kommunen im Kreis Görlitz ganz anders.

Der grüne Pfeil an der Kreuzung Schlesische-NIeskyer Straße in Görlitz - eine von vier Abbiegehilfen im Stadtgebiet.
Der grüne Pfeil an der Kreuzung Schlesische-NIeskyer Straße in Görlitz - eine von vier Abbiegehilfen im Stadtgebiet. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Als Katrin Petrasch aus Hamburg 1991 im zarten Alter von 20 Jahren ihren Führerschein erstmals in den Händen hielt, ahnte sie noch nicht, welche Herausforderungen das rosafarbene Dokument mit sich bringen würde. "Wir waren jung und neugierig auf den Osten", sagt Katrin Petrasch. Mit ihrem ersten Auto, einen gebrauchten Golf und ihrer Freundin auf dem Beifahrersitz, wollte sie den "neuen" Teil Deutschlands erkunden.

Es wurde holprig, lacht Frau Petrasch und meint damit nicht nur die damaligen Straßenverhältnisse. Ihre Reise damals führte sie tatsächlich quer durch den Osten, bis in die Oberlausitz. "Ich erinnere mich an eine Kreuzung, die war schlimm. Die Ampel zeigte rot, ich wollte abbiegen, und es gab einen grünen Pfeil, aufgemalt auf Blech", erzählt Katrin Petrasch. Was nun? "Hinter mir wurde gehupt, ich wusste vor Schreck erst mal nicht, was ich machen soll. Fahren oder nicht?", schmunzelt sie heute. Glücklicherweise habe die Ampel dann ein Einsehen gehabt und auf Grün geschaltet.

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Der grüne Pfeil, die Hilfe für Rechtsabbieger um den Verkehrsstrom flüssig zu halten: In der DDR wurde der grüne Pfeil 1978 eingeführt. Heute ist er Teil der Straßenverkehrsordnung und war für manche Mitbürger aus dem Westen des Landes anfangs doch etwas Besonders. Und: Der grüne Pfeil stirbt offenbar aus.

Der Landkreis Görlitz hat heute nur noch zwei der Schilder in seiner Obhut. Beide befinden sich in Ebersbach-Neugersdorf, einmal an der Kreuzung Gewerbegebiet Kamerun, einmal an der Kreuzung Poststraße. Eine Übersicht für den gesamten Landkreis werde nicht geführt, so Landratsamtssprecherin Julia Bjar. Dafür seien die Straßenverkehrsbehörden der früheren Kreisstädte zuständig. Eins kann Frau Bjar zum Thema grüner Pfeil aber sagen: "In den letzten fünf Jahren gab es keine Veränderungen bei der Anzahl."

In größeren Städten, wie etwa Dresden, ist das Thema grüner Pfeil derweil umstritten. Wenn es nach dem Verein Fachverband Fußverkehr Fuß ginge, würden weitaus mehr grüne Pfeile abgebaut. „Unter den grünen Pfeilen leidet die Sicherheit und die Atmosphäre zwischen den Verkehrsteilnehmern“, heißt es von den Dresdner Mitgliedern. Denn viele Autofahrer würden nicht an der Ampel anhalten, sich nicht ausreichend umschauen und würden den querenden Fuß- und Radverkehr ignorieren.

In Görlitz sieht man die Situation offensichtlich - noch - entspannter. In den 1990er-Jahren wurden sachsenweit – so auch in der Stadt Görlitz – sämtliche Ampeln überprüft. Wo es rechtlich zulässig war, wurde der grüne Pfeil beibehalten beziehungsweise ergänzt, so Stadt-Sprecherin Juliane Zachmann.

Aktuell gibt es in Görlitz noch vier grüne Pfeile: Nieskyer Straße-Schlesische Straße, Nieskyer Straße-Scultetusstraße, Rothenburger Straße-Schlesische Straße und Reichenbacher Straße-Franz-Liszt-Straße.

Natürlich ist die Stadt Görlitz als untere Straßenverkehrsbehörde an die Regelungen der Straßenverkehrsordnung und die dazugehörigen Verwaltungsvorschriften gebunden. Die hat sich in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt geändert. Vor Jahren führte das beispielsweise dazu, dass grüne Pfeile als Blechschild etwa an Einmündungen entfernt werden mussten. Der Grund: Fahrradfahrer, die in beide Richtungen radeln. "Alternativ wurden diese Anlagen dann mit einem beleuchteten Rechtsabbiegepfeil ausgestattet", so Juliane Zachmann.

An den Ampeln, an denen der grüne Pfeil als Blechschild rechtlich zulässig war und heute noch ist, sind die Schilder nach wie vor vorhanden, so die Rathaus-Sprecherin.

Ähnlich sieht es in Niesky aus. An fünf Ampeln an drei Kreuzungen gibt es den grünen Pfeil. "Auch bei der Sanierung des Zinzendorfplatzes und Erneuerung der kompletten Ampelanlage wurde der grüne Pfeil wieder durch die untere Straßenverkehrsbehörde angeordnet", so Sebastian Noll von der Stadtverwaltung. Eine Abschaffung beziehungsweise Reduzierung der grünen Pfeile sei aus heutiger Sicht in Niesky kein Thema.

Allerdings, so Juliane Zachmann in Görlitz, wurden in den vergangenen Jahren auch immer wieder Kreuzungen zu Kreisverkehren umgebaut, wodurch Ampeln und damit auch die grünen Pfeile ihre Daseinsberechtigung verloren haben. "Es gibt in der Stadt Görlitz nicht die Absicht, den grünen Pfeil dauerhaft abzuschaffen. Die derzeit vorhandenen grünen Pfeile haben sich bewährt und führten bisher zu keiner Unfallhäufung", sagt sie. Da jedoch die Verkehrspolitik ihren Fokus immer mehr auf die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern richte, könnte sich der grüne Pfeil langfristig zum Auslaufmodell entwickeln, heißt es aus dem Görlitzer Rathaus.

Katrin Petrasch würde das schade finden. "Inzwischen bin ich viel in ganz Deutschland unterwegs, habe mich natürlich auch an den grünen Pfeil gewöhnt", sagt die heute 50-jährige Hamburgerin. Und irgendwie, wenn sie an einem anhält und schaut, ob die Straße frei ist, sei das wie eine kleine Jugenderinnerung.

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