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Viele Görlitzer Grundschüler tragen Maske

Grundschulen sind von der Maskenpflicht befreit. Viele setzten dennoch darauf. Derweil wiederholt der Kreiselternrat seine umstrittene Umfrage.

Nur ein Treppenaufgang und eine Toilettenanlage für 250 Schüler. Ronny Staudte will darüber nicht hinwegsehen
Nur ein Treppenaufgang und eine Toilettenanlage für 250 Schüler. Ronny Staudte will darüber nicht hinwegsehen © Nikolai Schmidt

Die neue Corona-Schutzverordnung hat sich Ronny Staudte sehr genau angesehen. Er ist Leiter der Melanchthon-Grundschule in der Görlitzer Südstadt. Für die sächsischen Grundschulen gilt: Sie müssen keine Maskenpflicht einführen. „Das bedeutet allerdings nicht, dass wir es nicht dürfen.“ Staudte hat sich dafür entschieden, zumindest in bestimmten Bereichen.

Schwierige räumliche Bedingungen

„Wir haben in unserem Altbau Bereiche, in denen Abstandhalten kaum möglich ist, Schüler zwangsläufig zusammenkommen“, erklärt er. So gilt die Maskenpflicht etwa bei der Toilette: Die Schule hat nur eine Anlage für 250 Schüler. Genauso gibt es nur einen Treppenaufgang. Die Spinde werden doppelt genutzt. „Ich kann das nicht einfach ausblenden“, sagt Staudte. „Das würde alle anderen Anstrengungen, die wir derzeit unternehmen, karikieren.“ Im Unterricht aber gilt die Maskenpflicht nicht, auch nicht bei Hofpausen. Dort also, wo man Abstand halten kann oder Kinder in nachvollziehbaren Gruppen zusammenkommen.

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Dreiviertel der Kinder entschieden für die Maske

Alleine ist er mit der Lösung nicht. Auch an der Nikolaischule tragen die meisten Kinder Maske. Auch hier: nicht im Unterricht oder draußen. „Ich habe mich mit meinem Kollegium beraten“, erzählt Schulleiter Ingolf Schneider. Und für die Gänge etwa haben sich die Lehrer für die Maske entschieden. „Den Schülern ist es freigestellt. Etwa drei Viertel haben sich dafür entschieden.“

Die Grundschulen haben den Spielraum, bestätigt Vincent Richter vom Lasub in Bautzen. „Sie können außerhalb des Unterrichts abgestimmte Regelungen im Rahmen des Hygienekonzeptes beibehalten oder neu treffen.“ Ein Großteil der Grundschulen im Raum Görlitz habe sich für Masken in bestimmten Bereichen entschieden, aus unterschiedlichen Gründen. Gerade Schulen, die bereits vor der neuen Schutzverordnung eine Maskenpflicht im Hygienekonzept hatten, würden sie beibehalten. Zum einen wegen der Entwicklung der Corona-Lage, „und es sind auch Routinen für die Kinder, die man beibehält“.

Vor allem die immer weiter steigenden Zahlen gaben für Ronny Staudte den Ausschlag. „Wir wissen, dass Schulen nicht zu den Infektionsherden zählen.“ Auf der anderen Seite gab es vereinzelte Ausbrüche auch an Schulen. Letztlich habe er als Schulleiter die Verantwortung für Lehrer und Schüler. Er hoffe, für die Melanchthon-Grundschule eine vernünftige Entscheidung getroffen zu haben.

Gerade die Kinder seien aufmerksam

Insgesamt spricht Staudte sich für mehr Ruhe und Sachlichkeit in der Diskussion um die Maske aus, die bislang aufgeheizt geführt wurde - und für Transparenz. "die Eltern möchten, dass es transparent erklärt wird", sagt er. "Und gerade die Kinder nehmen die Regeln sehr wertfrei auf und sind sehr aufmerksam untereinander." 

Aufkochen ließ das Thema vor den Ferien ein Brief der Vorsitzenden der Kreiselternräte Bautzen und Görlitz, Marcus Fuchs und Ronald Lindecke. In dem Schreiben an die Landesregierung fordern sie, dass Kinder an Schulen keine Masken tragen müssen und beriefen sich dabei auf eine eigene Umfrage. Die ist jedoch umstritten. 223 Personen nahmen daran teil. Unklar ist, wer. Im Kreis Bautzen hatten sich zahlreiche Eltern zu Wort gemeldet, die von der Umfrage nichts wussten und sich vom Ergebnis nicht repräsentiert fühlen.

Kreiselternräte wiederholen umstrittene Umfrage

So scheint es auch in Görlitz zu sein. Eine Elternrätin von der Oberschule Rauschwalde sagt, sie habe von der Umfrage keine Kenntnis gehabt. „Mir ist wichtig, dass die Schüler im Unterricht nicht Maske tragen müssen“, sagt sie, „so wie es jetzt ist, finde ich es in Ordnung.“ 

Auch Sylke Jennewein, Elternrätin am Görlitzer Augustum-Annen-Gymnasium kannte die Umfrage nicht. „Mein Eindruck ist, es klappt ganz gut mit den Regelungen.“ Bislang seien auch andere Eltern nicht mit Beschwerden an sie herangetreten. Für die Flure, Treppenaufgänge und andere gemeinschaftliche Bereiche befürwortet sie die Maskenpflicht. „Im Klassenraum sehe ich es differenzierter, je nachdem, welcher Unterricht gegeben wird.“ Im Musikunterricht würde sie sich für die Maske aussprechen, bei anderen Fächern weniger. „Wenn man zumindest ein Minimum beitragen kann, andere zu schützen, warum sollte man es nicht tun?“

Eine Elternrätin vom Nieskyer Schleiermacher-Gymnasium sagt, sie sei entsetzt gewesen, als sie von dem Brief und den Umfrageergebnissen hörte. „Wenn die Mehrheit der Eltern tatsächlich dieser Meinung ist, muss man überlegen, was man tun kann.“ Ihr Eindruck aus ihrem Umfeld aber sei ein anderer. „Ich frage mich, wie die Umfrage überhaupt entstand.“ Auch sie wusste nichts davon. „Es wirkt unseriös.“

Auf der Facebookseite des Kreiselternrates Bautzen ist zu lesen, die Schulen hätten die Teilnahme-Einladung an die Elternräte weiterleiten sollen. Die Leiter des Görlitzer Joliot-Curie-Gymnasiums, der Oberschule Innenstadt oder auch der Melanchthon-Grundschule lagen dazu keine Informationen vor, erklären sie auf SZ-Anfrage. Die Nieskyer Elternrätin erfuhr vom Schulleiter, er habe ebenfalls keine Information.

"Ich habe die Umfrage jetzt vier Mal ausgeführt"

Nun läuft eine Wiederholung der Umfrage. Die Probleme scheinen sich aber auch zu wiederholen: Die Art der Fragestellung entspreche nicht wissenschaftlichen Standards, erklärte Oliver Brust, empirischer Sozialforscher an der TU Dresden, der SZ. Wieder steht die Frage, wer an der Umfrage letztlich teilnimmt, die Frage nach der Transparenz. 

Bereits 1.700 Eltern hätten sich beteiligt, schrieb der Kreiselternrat Bautzen vor zwei Wochen auf Facebook. Die Einladung sei „an alle Schulen und die Elternräte, von denen wir die Kontaktdaten haben“ gegangen. Thomas Warkus von der Oberschule Innenstadt hat bislang aber wieder nichts erhalten. Dafür soll die Umfrage zum Beispiel in der corona-kritischen Telegram-Gruppe „Eltern Stehen Auf Bautzen“ geteilt worden sein. Eine Facebook-Nutzerin spricht ein weiteres Problem an: „Ich habe die Umfrage jetzt vier Mal ausgeführt. Wie oft soll ich?“, fragt sie und: „wie sollen da statistisch verwertbare Ergebnisse entstehen? Der Link lässt sich wieder und wieder aufrufen.“

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