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Psychisch krank in der Pandemie

Laut der AOK ist die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen dieses Jahr nicht gestiegen. Aber: Die Menschen waren länger krank.

Weniger Menschen ließen sich laut der AOK wegen psychischer Krankheiten krankschreiben. Aber die Patienten, die es taten, waren länger erkrankt.
Weniger Menschen ließen sich laut der AOK wegen psychischer Krankheiten krankschreiben. Aber die Patienten, die es taten, waren länger erkrankt. © dpa/Klaus-Dietmar Gabbert

Jahrelang stieg die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen in Sachsen, auch im Landkreis Görlitz. Nun wurde erstmals ein Rückgang verzeichnet, teilt AOK-Sprecherin Hannelore Strobel mit. Allerdings: Die Länge der Erkrankungen stieg an. 

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Die aktuellen Zahlen hat die AOK beziehen sich auf den Zeitraum von Jahresbeginn bis zum 31. August. In Sachsen verzeichnet die Krankenkasse in dieser Zeit im Schnitt 12,2 Krankschreibungen je hundert AOK-Mitglieder wegen psychischer Erkrankungen. Das liegt über dem deutschlandweiten Schnitt, aber unter dem Wert des Vorjahreszeitraumes, als 12,8 Krankschreibungen pro hundert Versicherte gezählt wurden. 

Länger krank - Coronakrise könnte Anteil haben

Parallel zur Abnahme der Fallzahlen habe sich aber die Länge der Krankschreibungen erhöht, erklärt Hannelore Strobel. "So stieg beispielsweise die Dauer eines durchschnittlichen psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeitsfalls im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als drei Tage", teilt sie mit. Sie vermutet, dass daran auch die Coronakrise Anteil haben könnte. "Möglicherweise haben Patienten mit psychischen Erkrankungen verstärkt auf die coronabedingten Belastungen reagiert."

Hans-Martin-Rothe, Oberarzt der psychosomatischen Klinik am Görlitzer Klinikum hatte kürzlich erklärt, dass während der Coronakrise häufiger Patienten zu ihm kamen, die früher bereits in Behandlung waren und durch die Coronabedingungen erheblich labilisiert wurden. "Wir haben aber auch neue Patienten, bei denen sich diese äußeren Faktoren bemerkbar gemacht und die psychisch labil reagiert haben, weil die Situation doch eine Menge zusätzlicher Herausforderungen gebracht hat, die zu bestehenden Herausforderungen nicht mehr zu bewältigen waren", sagte er kürzlich im SZ-Gespräch. 

Vor allem die Kontaktbeschränkungen nennt er als eine dieser Zusatzherausforderungen. Häufig handelt es sich bei den Betroffenen um Menschen, die ohnehin schon durch ein psychisches Handycap wenige Kontakte haben - die aufrecht zu erhalten aber sehr wichtig sei. 

Auf die Frage, wie sich die Zahl der einzelnen Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen entwickelt, war die aktuelle Statistik der DAK nicht eingegangen. Letztlich aber verzeichnet sie für dieses Jahr auch erneut ein Steigerung bei der Zahl der Fehltage: Im Kreis Görlitz führten Depressionen, Angstzustände oder auch andere psychische Erkrankungen zu hundert Fehltagen je hundert Versicherte im ersten Halbjahr 2020. Eine Steigerung von fast zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 

Fehltage vor allem im März und April

Insgesamt gebe es in der Arbeitsunfähigkeits-Statistik der AOK dieses Jahr große Unterschiede zum Vorjahr. "Zu Pandemiebeginn im März und April stiegen die Zahlen zunächst stark an", erklärt Hannelore Strobel. Vermutlich habe dabei die Möglichkeit, sich bei Atemwegserkrankungen telefonisch krankschreiben zu lassen, einen Einfluss,  "obwohl Daten belegen, dass sowohl Beschäftigte als auch Ärzte sehr verantwortungsvoll mit dieser temporären Regelung umgegangen sind". 

Insgesamt waren bis Ende August bundesweit mehr als 58.000 AOK-Versicherte wegen einer Covid-19-Infektion krankgeschrieben, teilt Hannelore Strobel mit. Das waren 451 Erkrankte je 100.000 Beschäftigte. In Sachsen erkrankten 2.834 Versicherte der Krankenkasse an Covid-19 - 264 pro 100.000 Beschäftigte. 

Für Patienten bleiben Kliniken offen

Von Mai bis August lagen die Krankenstände dagegen unter denen der Vorjahresmonate. "Vielleicht sind viele Erkrankte aus Angst vor Ansteckungen nicht zum Arzt gegangen", vermutet Strobel. "Außerdem haben die eingeschränkten Sozialkontakte sicher ebenso dazu beigetragen. Mehr Arbeiten im Homeoffice und damit auch weniger Nutzen des öffentlichen Nahverkehrs beispielsweise." 

Auch das ist ein Punkt, den Hans-Martin Rothe mit Blick auf psychisch erkrankte Menschen, nannte: Ein Hochschnellen der Patientenzahl in der psychosomatischen Klinik Görlitz sei nicht zu beobachten - womöglich aus Unsicherheit bei den Betroffenen: "Eine weitere Herausforderung war, dass zumindest nach außen die Erreichbarkeit von Praxen oder Krankenhäusern eingeschränkt schien", erklärt Rothe. So sei es vorgekommen, dass Patienten aus Unsicherheit nicht in die Klinik kamen, um sich ein neues Rezept abzuholen. Möglicherweise habe sich auch mancher Betroffene einfach nicht zum Arzt getraut.  

Aktuell gibt es im Klinikum Görlitz, unter anderem auch im Emmaus-Krankenhaus in Niesky und im Klinikum Oberlausitzer Bergland in Ebersbach-Neugersdorf ein Besuchsverbot. Das aber nicht für die Patienten selbst gilt. So teilt etwa Emmaus-Pressereferent Viktor Franke mit:  „Wir sind weiterhin für alle Patienten da: Wir führen Sprechstunden, geplante Untersuchungen und Operationen durch." 

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