merken
PLUS Görlitz

Sachsen: Schutzkorridor gegen Schweinepest kommt

Die Behörden bereiten jetzt alles dafür vor. Im Zentrum steht ein zweiter Zaun entlang der Grenzflüsse zu Polen. Brandenburg baut schon.

Dieser erste Zaun am Neißeufer im Landkreis Görlitz soll die Schweinepest aufhalten.
Dieser erste Zaun am Neißeufer im Landkreis Görlitz soll die Schweinepest aufhalten. © André Schulze

Möglicherweise wird bald am deutschen Ufer der Neiße ein zweiter Schutzzaun gegen das Eindringen von Wildschweinen aus Polen errichtet. Zusammen mit dem ersten Schutzzaun könnte dann ein Schutzkorridor am deutschen Ufer entstehen, um das Vordringen der Afrikanischen Schweinepest zu stoppen.

Brandenburg hat mit dem Bau eines solchen zweiten Zaunes nach Medienberichten bereits begonnen. Das zuständige sächsische Sozialministerium erklärt auf SZ-Nachfrage, dass die Brandenburger Lösung keinen Sinn habe, wenn nicht auch Sachsen im südlichen Teil der Neiße zu ähnlichen Maßnahmen greife. Derzeit würde ein Konzept für einen nationalen Schutzkorridor gegen die Afrikanische Schweinepest erarbeitet. Beteiligt daran sind das Bundeslandwirtschaftsministerium, das Friedrich-Loeffler-Institut sowie die Länder Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen.

Anzeige
Mitarbeiter Wasser- u. Umweltlabor (m/w/d)
Mitarbeiter Wasser- u. Umweltlabor (m/w/d)

Zur Verstärkung des Unternehmens wird frühestmöglich ein Mitarbeiter im Bereich Wasser- und Umweltlabor (m/w/d) gesucht.

Bislang sind 267 Wildschweine beziehungsweise Kadaver in Sachsen gefunden worden, wo der Erreger der Afrikanischen Schweinepest nachgewiesen werden konnte. So wurden allein bei 377 Fallwildfunden 230 positive Fälle festgestellt. Weitere 35 Infektionen kommen hinzu, die bei insgesamt 615 erlegten Tieren festgestellt wurden. Und schließlich ergab der Test von 60 Stück Unfallwild bislang ein ASP-positives Tier. Über den 267. Fall gibt es keine Angaben seitens des Sozialministeriums.

Nach Funden von Kadavern mit der Afrikanischen Schweinepest wurde im Landkreis Görlitz eine 1.000 Quadratmeter umfassende Sperrzone eingerichtet, die mit einem Zaun eingegrenzt werden soll. Um die gesperrte Zone liegt eine Pufferzone, die mittlerweile bis in den Landkreis Bautzen und südlich der A 4 bis nach Löbau reicht. Während der Görlitzer Landrat Bernd Lange und die Jäger diese Strategie für gescheitert betrachten und nur in einer gezielten Verringerung des Tierbestands den Ausweg sehen, hält Sachsen an dieser Strategie fest, um die Ausbreitung der Tierseuche zu verhindern, die bei Hausschweinen tödlich verläuft, für den Menschen aber vollkommen ungefährlich ist.

Allerdings sind durch die Zäune auch Landwirte in der Bewirtschaftung ihrer Felder behindert.

Unverändert schwierig ist die Zusammenarbeit mit Polen. Das Sozialministerium erklärt zu dieser Frage lediglich: "Das Landestierseuchenbekämpfungszentrum ist über das Infektionsgeschehen in Polen informiert". Kommunale Vertreter wie der Görlitzer Landrat Bernd Lange hatten vor allem von Bund und EU mehr Initiative gefordert, um mit den polnischen Behörden eine gemeinsame Strategie zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest zu erarbeiten.

Weiterführende Artikel

Schweinepest erstmals bei Hausschweinen

Schweinepest erstmals bei Hausschweinen

Landwirte haben es lange befürchtet: Nun sind die ersten Fälle der Afrikanischen Schweinepest bei Hausschweinen in Brandenburg entdeckt worden.

Frauen häufiger von Corona betroffen

Frauen häufiger von Corona betroffen

Die Landesuntersuchungsanstalt Sachsen zieht die große Jahresbilanz für 2020. Für die Fachleute war es ein Ausnahmejahr - vor allem wegen Corona.

Sorge über Schweinepest wächst in Sachsen

Sorge über Schweinepest wächst in Sachsen

Bauern und sächsische Jäger wollen mehr Wildschweine schießen. Heute wird ein Staatssekretär für die Seuche zuständig gemacht.

Für Lange und viele andere gehörte dabei die Einrichtung einer weißen Zone entlang von Neiße und Oder als Kern der Strategie dazu. Die wildschweinfreie weiße Zone soll als Puffer dienen, um Ansteckungen und die Verbreitung der Seuche zu verhindern. Doch bislang weigert sich die polnische Seite an ihrem Ufer der Grenzflüsse Zäune zu errichten. Deswegen könnte der Schutzkorridor nun auf deutscher Seite eingerichtet werden. Allerdings entstehen da neue Probleme mit den Grundstückseigentümern entlang der Flüsse, darunter Land- und Forstwirte.

Mehr zum Thema Görlitz