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Jetzt rollt der Fußball im Landkreis Görlitz wieder

Die Saisoneröffnung findet am Freitagabend in Niesky statt. Der Präsident des Oberlausitzer Fußballverbandes hat auch einige Sorgen.

Von Frank Thümmler
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© Symbolbild: dpa

Ab heute Abend wird auch unter Regie des Fußballverbandes Oberlausitz wieder Fußball gespielt. Die Saison wird am Abend, 19 Uhr, feierlich in Niesky (,wo auch der Kunstrasenplatz eingeweiht wird) mit der Partie der Landesliga-Reserve gegen Gebelzig eröffnet. Endlich, nach vielen Monaten Corona-Pause – abgesehen von einigen Kreispokalspielen im Juni/Juli, rollt der Fußball im Landkreis wieder. In die Freude darüber mischen sich allerdings auch ein paar Sorgen.

Sorge 1: Immer noch Corona

Die wohl allergrößte bringt nach wie vor die Corona-Pandemie mit sich. Zwar sind die Zahlen im Moment niedrig, aber wer weiß, wie sie sich im Spätsommer und Herbst entwickeln. Und auch, wie mit der neuen Corona-Schutzverordnung im Fußball umzugehen ist, wissen die Verantwortlichen noch nicht. Jürgen Heinrich, Präsident des Fußballverbandes Oberlausitz, sagt: „Wir hoffen jetzt möglichst schnell auf Klarheit, die allerdings möglichst vom Landessportbund im Allgemeinen und vom Sächsischen Fußballverband im Speziellen kommen muss.“

Im gesellschaftlichen Leben gelten ab der Inzidenz 35 und einer bestimmten Bettenbelegung in den Krankenhäusern ja neu Regeln, die für Geimpfte und Genesene kaum noch Einschränkungen mit sich bringen. Für Nichtgeimpfte dagegen gibt es die Verpflichtung zu Tests oder gar einen Ausschluss von Veranstaltungen. „Wir werben zwar immer dafür, dass sich die Sportler impfen lassen. Aber Nichtgeimpfte ab einer bestimmten Stufe der Pandemie ausschließen, das wollen wir auch nicht. Dann würden wir wohl viele Mitglieder verlieren“, sagt Heinrich. Die andere Variante – die Saison zu unter- oder gar gänzlich (erneut) abzubrechen, gefällt andererseits auch Niemandem. Einen Königsweg wird es also wohl kaum geben.

Sorge 2: Schwund der Mannschaften

Die zweite, allerdings deutlich kleinere Sorge: Die Zahl der Mannschaft im Erwachsenen-Spielbetrieb nimmt stetig ab. In dieser Saison starten 14 Teams in der Kreisoberliga, je 14 in den zwei Kreisliga-Staffeln und je acht in den drei Kreisklasse-Staffeln – insgesamt also 64 Mannschaften. In der Saison 2014/15 gab es neben der Kreisoberliga noch drei volle Kreisligen und auch drei Kreisklassenstaffeln mit deutlich mehr als je zehn Teams – insgesamt also knapp 100 Mannschaften. „Das ist eine allgemeine Entwicklung, die alle Sportarten trifft und wegen der Altersstruktur im Landkreis kaum aufzuhalten ist“, erklärt Jürgen Heinrich. Corona hat die Situation weniger negativ beeinflusst als befürchtet.

Aktive Spieler verloren haben die Vereine schon. „Vor allem Spieler im fortgeschrittenen Fußballeralter, die sowieso schon mit dem Gedanken gespielt haben, ihre aktive Karriere zu beenden, haben die lange Corona-Pause jetzt dafür zum Anlass genommen. In der fußballlosen Zeit ist für viele die Familie mehr in den Mittelpunkt gerückt. Und das jetzt wieder zugunsten des Fußball zurückzuschrauben, falle eben schwer. Kleinere Vereine gehen immer mehr in Spielgemeinschaften – als bessere Alternative zur Auflösung der Männermannschaft. Auch das führt zu einer Reduktion der Mannschaften im Spielbetrieb. Vor dem Aus stand dagegen schon fast der Frauenfußball auf kreisebene. Nur noch drei Mannschaften (Obercunnersdorf, Zodel und Uhsmannsdorf) haben für diese Saison gemeldet und spielen eine Minisaison.

Sorge 3: Zu wenig Hochklassiges im Nachwuchs

Spielgemeinschaften sind schon seit geraumer Zeit eine bevorzugte Lösung im Nachwuchsbereich, wo sie allerdings nach wie vor zunehmen. Insgesamt ist in diesem Bereich der FVO-Präsident mit den Meldungen zur neuen Saison zufrieden. Im Großfeldbereich (C- bis A-Junioren) sind die Starterfelder relativ stabil, die breite im E- und D- Juniorenbereich ist nach wie vor sehr gut, und bei den ganz Kleinen gibt es regelrecht einen Boom. „Was wir an aktiven Fußballern im Erwachsenenbereich verlieren, gewinnen wir im Nachwuchs dazu, sodass unsere Gesamtzahl eher sogar steigt“, freut sich Heinrich.

Im eher breitensportlich ausgerichteten Bereich ist aus seiner Sicht alles gut, beim wirklich leistungsorientierten Nachwuchs-Fußball geht es aber nicht vorwärts. Landesliga oder höher spielt in der neunen Saison nur Neugersdorf. Niesky, Gelb-Weiß Görlitz und Zittau wenigstens Landesklasse. Das ist zu wenig für einen ganzen Landkreis.

Heute Abend aber wird erst einmal Saisoneröffnung gefeiert. Leider ohne Hans-Jörg Talppert, der aus gesundheitlichen Gründen zu seinem runden Geburtstag nicht anwesend sein kann. Die Fußballer wünschen ihm an dieser Stelle gute Besserung!