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Wie ein Görlitzer Karatetalent in Mexiko Gold gewinnt

Emily Drehmann hat ihre Gegnerinnen bei der Youth League in Acapulco beherrscht. Die nächsten Wettkampforte liegen immerhin in Europa.

Von Frank Thümmler
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Emily-Chiara Drehmann mit ihre Goldmedaille aus Mexiko.
Emily-Chiara Drehmann mit ihre Goldmedaille aus Mexiko. © Hans-Ernst Friedrich

Görlitz. Welch ein Abenteuer: Da reist ein 13-jähriges Mädchen ganz allein, also ohne Eltern, bis ins mexikanische Acapulco, um dort an einem Karate-Turnier der Youth League des Weltkaratverbandes WKF teilzunehmen. Eine Woche später ist sie zurück: mit einem Lächeln im Gesicht und einer Goldmedaille um den Hals. Emily-Chiara Drehmann hat genau das erlebt – und nimmt das alles schulterzuckend als „ganz normal“.

Aber ganz von vorn: Emily, wie sie genannt wird, ist ein richtiges „Karate-Kid“. Ihre Eltern Lutz Heinke und Doreen Drehmann sind beide Vorstände des 1. Görlitzer Karatevereins und Träger des 5. beziehungsweise 4. Dans. Lutz Heinke ist Haupttrainer im Verein, Doreen Drehmann, einst die Vorzeigesportlerin des Vereins (unter anderem Deutsche Meisterin), trainiert die besten Karateka des Klubs – und damit auch ihre Tochter, die schon früh Talent zeigte, immer wieder mit Medaillen von auch hochklassig besetzten Wettkämpfen und Meisterschaften zurückkehrte.

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Früher, so erzählt Emily, sei sie noch in beiden Wettkampfformen angetreten – Kata (genau festgelegte Bewegungsabläufe, die einen Kampf gegen einen imaginären Gegner imitieren) und Kumite (Zweikampf gegen einen echten Gegner). „Aber seit drei Jahren konzentriere ich mich auf Kumite“, sagt das zierliche Mädchen, das in der Gewichtsklasse unter 42 Kilogramm startet.

Ein Mädchen also, dass lieber einen echten Zweikampf gegen eine Gegnerin absolviert als die eher sportlich-künstlerische Wettkampfform? „Ja“, sagt sie und lächelt selbstbewusst. „Die Schläge und Tritte sollen ja so ausgeführt werden, dass man nicht trifft, was trotzdem aber manchmal passiert. Das kann dann richtig wehtun, mir, aber auch meiner Gegnerin“, erklärt sie. Die Wettkampfregeln erlauben das nicht, echte Treffer werden bestraft. Aber eben nicht überall.

Worüber der Vater staunt

Gerade in Osteuropa und den kampfsportbegeisterten ehemaligen Sowjetrepubliken sehen das Kampfrichter manchmal anders. Dort geht es härter zu. „Ich staune manchmal, dass sich Emily da traut“, sagt selbst der Vater, der die Abkehr von der Kata auch damit erklärt, dass die Bewertung nach einer Regeländerung noch einmal undurchsichtiger und die Abhängigkeit von den Kampfrichtern damit noch einmal größer wurde.

Emily ist es inzwischen gewohnt, zu vielen Wettkämpfen zu reisen, oft gemeinsam mit dem Meißner Karateverein, zu dem eine jahrelange enge Freundschaft besteht. 2021 ging es unter anderem in die Ukraine und nach Venedig. Der größte Erfolg für Emily war aber der Gewinn des Deutschen Meistertitels in ihrer Altersklasse. Nur in Venedig, der vorherigen Station der Youth League, war sie nicht zufrieden. Da fühlte sie sich von den Kampfrichtern ungerecht behandelt, weil diese der Gegnerin Punkte für Treffer zusprachen, die sie eigentlich abgewehrt hatte.

Mit entsprechender Extramotivation machte sie sich deshalb auf den Weg nach Mexiko zu einem Turnier mit 385 Teilnehmern aus 38 Nationen, gemeinsam mit einem 15-köpfigen deutschen Team inklusive vier gut bekannten Meißner Karateka. Bei der Einreise gab es zwar ein paar Fragen an die allein reisende Minderjährige, aber ein Schreiben der Eltern reichte aus. Dann galt es, sich ein paar Tage die Zeit im Hotel zu vertreiben, weil wegen Corona ein Besuch der Wettkämpfe der anderen nicht erlaubt war. Am Sonntag, nach einem negativen Corona-Test, war Emily endlich dran.

Ihre Taktik: „Gleich offensiv in den Kampf gehen und meine Punkte machen, und dann sehen, ob meine Gegnerin bei ihren Angriffen Lücken bietet. Im Halbfinale gegen eine Mexikanerin ging sie schnell mit 2:0 in Führung und ließ dann nichts mehr zu. Im Finale, erneut gegen eine Kämpferin des Gastgebers, dominierte sie dann klar: vorzeitiger Sieg mit 8:0 Punkten. Mama und Papa fiederten zu Hause am Live-Wettkampfboard mit. Zwei Tage später konnten die Eltern ihre goldgeschmückte Tochter wieder in die Arme nehmen.

Berufswunsch: Architektin

Was folgt jetzt? Emily sagt: „Die Vorbereitung auf den nächsten Wettkampf. Ende April macht die Youth League in Zypern Station, Anfang Juli in Kroatien.

Bis dahin wird trainiert, am heimischen Sandsack oder den Fitnessgeräten, mit den Görlitzer Karateka im Dojo Musokai in der Melanchthonstraße, mit den Meißner Freunden und natürlich bei Lehrgängen in Sachsen. Zeit für andere Hobbys bleibt da wenig, zumal die Schule auch viel Zeit einnimmt.

Emily besucht die 7. Klasse am Joliot-Curie Gymnasium und weiß, dass gute Schulnoten wichtig sind. Ihr aktueller Berufswunsch: Architektin. Der Respekt der Mitschüler dürfte ihr sicher sein, auch wenn Emily auf die Frage, ob die Jungs denn wissen, dass sie sich besser nicht mit ihr anlegen sollten, nur zurückhaltend lächelt.

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Dafür sagt sie, warum Kinder, die vielleicht nach einer Sportart suchen, sich für Karate entscheiden sollten: „Wir machen ganz viel Fitness, und man lernt viel für die Selbstverteidigung. Man weiß einfach, dass man sich wehren und sogar zurückschlagen könnte. Und das macht selbstbewusst.

Neue Kurse beim Görlitzer Karateverein:
Fit ab 50: Damen Di. 10.40 Uhr, Da./He. Do. 8.45 Uhr
Bambini–Karate (4-6 Jahre): Mo. 15.45 Uhr
Kinder–Karate (7-11 Jahre): Sa. 9.00 Uhr
Kickboxen für Jug. ab 12 Jahren: Mo. 17.00 Uhr

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