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Dreiländereck strebt Schnellzug nach Liberec an

Tschechien treibt den Ausbau der Bahnstrecke Prag-Liberec voran. Das will nun auch Sachsen nutzen. Profiteure könnten Görlitz und Zittau sein.

Der Neiße-Viadukt verbindet Görlitz mit Zgorzelec, Deutschland mit Polen. Doch hier verkehren noch nicht allzu viele Züge.
Der Neiße-Viadukt verbindet Görlitz mit Zgorzelec, Deutschland mit Polen. Doch hier verkehren noch nicht allzu viele Züge. © Foto: Jens Trenkler

Mit der Bahn mal fix von Görlitz nach Prag? Aktuell ein Ding der Unmöglichkeit. Zwei verschiedene Routen gibt es momentan: Mit einem Umstieg in Dresden oder mit drei Umstiegen in Zittau, Liberec und Turnov. Eines aber haben beide Varianten gemeinsam: Reisende brauchen mehr als vier Stunden für die Strecke. Und das, obwohl es keine 150 Kilometer Luftlinie sind bis in die tschechische Hauptstadt.

Doch die Politik hat das Problem mittlerweile erkannt. „Trans-Borders“ nennt sich ein Projekt zur Verbesserung der Erreichbarkeit von peripheren Grenzregionen. Dort arbeiten der Freistaat Sachsen, das Marschallamt Niederschlesien, die Region Liberec, der Kreis Bunzlau sowie weitere Grenzregionen zusammen. Die Abschlusskonferenz fand kürzlich online statt. „Hauptthema war die Verbesserung der Erreichung der TEN-V-Achsen. Das sind die wichtigsten Schienenverkehrswege in Europa“, erklärt Sandra Trebesius, Sprecherin des Verkehrsverbundes Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon). Ziel sei also die Anbindung der Region an die europäischen Korridore. „Hauptinitiator waren die Tschechen“, sagt Sandra Trebesius.

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Strecke soll elektrifiziert werden

Der Berliner SPD-Politiker Jürgen Murach hat an der Abschlusskonferenz teilgenommen. Das Land Sachsen, der Landkreis Görlitz, das Marschallamt Niederschlesien, die Region Liberec sowie das tschechische Verkehrsministerium haben sich geeinigt, die Bahnstrecke Prag - Liberec - Görlitz zu modernisieren und zu elektrifizieren, erklärt Murach. Allerdings nicht von heute auf morgen: Zunächst solle erst einmal eine Absichtserklärung unterschrieben werden. „Es ist vorgesehen, die Strecke Liberec - Prag auf einen Standard von 160 Stundenkilometern auszubauen“, sagt Murach. Angestrebt werde die Verkürzung der Fahrzeit von 2:35 Stunden auf 1:05 Stunden und ein Angebot im Ein-Stunden-Takt. Zudem sei vorgesehen, beide Strecken zwischen Liberec und Görlitz zu elektrifizieren und modernisieren, also die Neißetalbahn über Zittau und Hagenwerder sowie die Güterzugstrecke über Frydlant und Zawidów.

Finanzierung wird derzeit blockiert

Ziel sei der Abschluss einer Finanzierungsvereinbarung. Dazu wollen alle Partner in Brüssel initiativ werden, damit die Strecke in das TEN-Ergänzungsnetz aufgenommen wird. Positiv: Die Vorplanungen zur Elektrifizierung der Strecke von der Staatsgrenze in Görlitz nach Dresden seien angelaufen, da der Freistaat Sachsen die Finanzierung auf eigenes Risiko übernommen habe und nicht auf das Bundesverkehrsministerium warte.

Stephan Berger vom sächsischen Verkehrsministerium bestätigt die Fortschritte: „Die Unterzeichner aus Polen, Tschechien und Sachsen einigten sich auf intensive gegenseitige Zusammenarbeit im grenzüberschreitenden Verkehr und gemeinsames Vorgehen bei der Durchsetzung der Anbindung des Dreiländerecks an das europäische Eisenbahnnetz TEN-V.“

Lokale Fortschritte gibt es schon

Vor Ort in Görlitz und Zittau gibt es jetzt schon lokale Fortschritte, sagt Sandra Trebesius. Die Buslinie „P“ zwischen Görlitz und Zgorzelec habe inzwischen bessere Anschlussbeziehungen und einen einheitlichen Tarif. Angedacht sei sogar ein grenzüberschreitendes Stadtverkehrsnetz. Und Zittau ist seit dem Sommer über die neue Buslinie 831a mit Bogatynia verbunden. Zudem fährt jetzt an Wochenenden und einheitlichen Feiertagen die Freizeitbuslinie 691 von Hrádek nad Nisou über Zittau, Bogatynia, Frýdlant und Nové Město nach Świeradów-Zdrój.

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