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Wie krank macht die Coronazeit?

Im ersten Halbjahr 2020 ließen sich die Menschen im Kreis nicht deutlich mehr krankschreiben. Aber Rückenleiden und psychische Probleme wachsen.

Auch jetzt im Herbst wieder sehr gefragt: die Grippeschutzimpfung.
Auch jetzt im Herbst wieder sehr gefragt: die Grippeschutzimpfung. © dpa

Das Jahr 2020 ist außergewöhnlich. Besonders kann man das wohl vom März sagen: der Monat, in dem die Coronakrise die Oberlausitz erreichte. Der Monat, in dem der Lockdown begann, in dem Polen die Grenze zu Deutschland schloss. Und der März war auch der Monat mit dem höchsten Krankenstand im Kreis Görlitz. Das geht aus dem neuen Gesundheitsreport der DAK hervor. Vor allem vier Krankheitsarten sorgten dafür, dass Kreisbewohner von Niesky bis Zittau daheim bleiben mussten. Die sind allerdings nicht außergewöhnlich. 

Krankenstand: Görlitz liegt über dem Landesschnitt 

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Im Schnitt lag der Krankenstand im ersten Halbjahr 2020 im Kreis Görlitz bei 4,9 Prozent. Das bedeutet, dass an jedem Tag des ersten Halbjahres von 1.000 Arbeitnehmern 49 krankgeschrieben waren. Genau dieselbe Zahl wie 2019. Insgesamt: "Die Zahl der Erkrankungen nahm trotz der Corona-Pandemie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nicht zu", teilt Andreas Motzko, Chef der DAK-Gesundheit in Görlitz, mit. Dennoch liegt der Kreis damit leicht über dem sachsenweiten Schnitt von 4,7 Prozent. So war es auch 2019, als der sachsenweite Krankenstand bei 4,5 Prozent lag. Die höchsten Krankenzahlen wiesen voriges Jahr Chemnitz mit 5,3 und der Kreis Bautzen mit 5,2 Prozent auf. 

Erkrankungen: Warum die Görlitzer zu Hause bleiben mussten

Rückenschmerzen, Bandscheibenschäden, Knieprobleme: Für die meisten Krankentage sorgen im Kreis Görlitz Muskel-Skelett-Erkrankungen. "Sie stiegen um elf Prozent an und verursachten den größten Anteil am Krankenstand in der Region", erklärt Andreas Motzko. Im ersten Halbjahr dieses Jahres sorgten sie für 232 Fehltage pro hundert Versicherte. Allerdings, 2018 lag die Zahl mit 336 Fehltagen noch deutlich höher. Der zweithäufigste Grund für Krankschreibungen waren Atemwegserkrankungen. Sie steigen von 147 Fehltagen je hundert Versicherte im ersten Halbjahr 2019 auf 186 Fehltage im ersten Halbjahr 2020 an. So nahmen die Fehlzeiten bei Atemwegserkrankungen zwar im Vergleich zum Vorjahr um fast 27 Prozent zu, so Motzko, lagen aber immer noch unterhalb des Wertes aus dem Grippejahr 2018. Besonders die Atemwegserkrankungen standen im Blickpunkt, "aufgrund der Regelung des Gemeinsamen Bundesausschusses, wonach sich Patienten mit leichten Erkältungssymptomen von März bis Ende Mai telefonisch krankschreiben lassen konnten", erklärt Andreas Motzko. Eine Regelung, die er befürwortet, weil sie nicht nur bei COVID-19, sondern bei vielen Erkrankungen die Ansteckungsgefahr für das Praxispersonal und für andere Patienten mit bedenke. Eine rückläufige Tendenz zeigte sich dagegen bei verletzungsbedingten Krankschreibungen, zum Beispiel durch Unfälle, auch Arbeitsunfälle, Verstauchungen, Schnittwunden. 

Psychische Probleme: im Daueranstieg 

"Bei den Fehltagen spielen psychische Erkrankungen eine immer größer werdende Rolle", teilt die DAK mit. Im Kreis führten Depressionen, Angstzustände oder auch andere psychische Erkrankungen zu hundert Fehltagen je hundert Versicherte im ersten Halbjahr 2020. Eine Steigerung von fast zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Entwicklung war auch schon vor der Pandemie zu beobachten, erklärt die DAK, aber auch durch die Coronakrise sieht sie einen Einfluss, gerade für vorbelastete Menschen und Menschen schwieriger Lebenslage seien Einschränkungen durch die Krise teils schwer zu bewältigen gewesen. Immer wieder haben zuletzt Psychologen und Fachgesellschaften vor einer unterschätzten Steigerung psychischer Probleme durch die Coronakrise gewarnt. Auch Hans-Martin Rothe, Chefarzt der Psychosomatischen Klinik am Städtischen Klinikum Görlitz hatte kürzlich gegenüber der SZ erklärt, dass zuletzt immer wieder frühere Patienten bei ihm waren, die durch die Coronabedingungen erheblich labilisiert wurden und zurück in die Behandlung gekommen sind. Aber auch neue Patienten seien hinzugekommen, denen die zusätzlichen Herausforderungen, die die Coronakrise aufbrachte, auf die seelische Gesundheit schlugen. 

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Im Januar lag der Krankenstand bei vier Prozent, im Februar bei sechs, im März stieg er auf sieben Prozent. Damit lag der Kreis über dem März-Landesschnitt von 5,9 Prozent. Im April sank der Krankenstand im Kreis auf 6,3 Prozent und bis Juni auf 2,3 Prozent - unter Landesschnitt. Vor allem vier Krankheitsarten sorgten dafür, dass die Görlitzer daheim bleiben mussten, fasst Andreas Motzko zusammen: Jeder vierte Fehltag ist auf Muskel-Skelett-Probleme zurückzuführen. Es folgen Atemwegserkrankungen wie Bronchitis oder Sinusitis. Verletzungen sowie, mit nur wenig geringeren Zahlen, psychische Erkrankungen. Die DAK hat nach eigenen Angaben 35.000 Versicherte im Kreis Görlitz.

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