merken
PLUS Görlitz

Corona wirft Tourismus um acht Jahre zurück

Doch 2020 bot auch Lichtblicke. So kamen erstmals viele Familien und jüngere Touristen nach Görlitz. Ob daraus aber ein Trend wird, muss sich erst zeigen.

Urlaub und Erholung am Berzdorfer See wird für den Görlitzer Stadttourismus immer wichtiger.
Urlaub und Erholung am Berzdorfer See wird für den Görlitzer Stadttourismus immer wichtiger. ©  Foto: EGZ/Nikolai Schmidt

Einen solchen Einbruch wie im vergangenen Jahr haben die Hotels und Pensionen in Görlitz noch nie erlebt. Minus 28 Prozent bei den Übernachtungen, die auf rund 235.000 sanken, und knapp minus 35 Prozent bei den Gästeankünften. Hier waren es 2020 noch 103.000. Die Zahlen entsprechen dem Tourismusniveau von 2012 in Görlitz.

Da tröstet es wenig, dass es den Touristikern in Sachsen noch schlechter erging. Der Freistaat kam auf 4,8 Millionen Touristen - 43 Prozent weniger als noch im Jahr zuvor - und auf 13,5 Millionen Übernachtungen - ein Minus zum Vorjahr von 35 Prozent.

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Natürlich waren die Corona-Auflagen "schuld" an dieser Entwicklung. Hotels mussten von März bis Mai und ab November wieder schließen. Allein im März ging daher die Übernachtungszahl in Görlitz um 52 Prozent zurück, im November gar um 65 Prozent.

Doch selbst das Corona-Jahr enthält Lichtblicke. Nachdem es wieder möglich war, im Sommer Gäste zu begrüßen, kamen sie auch tatsächlich in Scharen. Und so brachen die Rekorde sowohl im Juli als auch im August und September. In allen drei Monaten besuchten und übernachteten so viele Menschen in Görlitz wie nie zuvor.

Das ist besonders überraschend, weil es sich zumindest bei Juli und August um die klassischen Urlaubsmonate handelt, wo in den Jahren zuvor die Urlauber eher ins Ausland oder ins Gebirge oder an die See gefahren sind. Doch die Vorsicht wegen der Corona-Pandemie ließ viele nicht so weit und vor allem an sichere Orte reisen. Und gerade im Sommer wies der Landkreis Görlitz kaum Corona-Infektionen auf. Das fiel auch der Europastadt Görlitz/Zgorzelec als zentrale Vermarktungsagentur für den Görlitz-Tourismus auf. "Wir konnten beobachten, dass mehr jüngere Individualtouristen und Familien den Weg zu uns gefunden haben", erklärt Europastadt-Geschäftsführerin Andrea Behr.

Die spannende Frage ist nun: Wird sich diese Entwicklung wiederholen und Familien beispielhaft auf Dauer Ziele für ihren Urlaub in Deutschland suchen? Und wie wirkt nach, dass der Kreis Görlitz vor Weihnachten Corona-Hotspot in Deutschland mit 7-Tage-Inzidenzwerten von über 700 war? Fragen, die gegenwärtig kaum zu beantworten sind. Die aber auch das Schicksal von hunderten Mitarbeitern der Hotels und Pensionen beeinflussen werden.

Und auch wenn die Eröffnung von Hotels und Gaststätten im Landkreis Görlitz derzeit noch nicht abzusehen ist, so bereiten sich nicht nur die Einrichtungen, sondern die Touristiker generell auf einen großen Nachholeffekt beim Reisen vor. Auf der Internetseite der Stadt Görlitz werden so die Angebote für Spaziergänge und Touren im Freien, zu Fuß und per Rad oder sogar Laufrad ausgebaut.

Und Görlitz wirbt beispielsweise auf der digitalen ITB in Berlin Anfang März auch mit der ganzen Region: der Paddelausflug auf der Neiße, Ausflüge zum Welterbe nach Bad Muskau oder ins Zittauer Gebirge ergänzen den Görlitzer Stadttourismus. Die Hoffnung: Die Gäste bleiben so länger in der Region. Im vergangenen Jahr gab es da erstmals Bewegung. Im Schnitt blieben die Gäste mit 2,3 Tagen geringfügig länger als in den Vorjahren.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier

Mehr zum Thema Görlitz