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Zittauer komponiert Musik nach Jakob Böhme

Am Sonntag beginnt ein neues Festival für den Mystiker in Görlitz mit einer Uraufführung. Neithard Bethke hat einen Text Böhmes vertont und öffnet so eine Tür.

Der Zittauer Komponist Neithard Bethke hat ein Werk von Jakob Böhme vertont. Am Sonntag wird sein "Colloquium Viatorum" in der Görlitzer Peterskirche uraufgeführt.
Der Zittauer Komponist Neithard Bethke hat ein Werk von Jakob Böhme vertont. Am Sonntag wird sein "Colloquium Viatorum" in der Görlitzer Peterskirche uraufgeführt. © privat

Am 13. Juni wird das neue Jakob-Böhme-Festival "dreyfach leben" mit einer musikalischen Uraufführung eröffnet. Der in Zittau lebende Komponist Neithard Bethke hat einen Text Jakob Böhmes vertont, den unter anderem 2019 der Görlitzer Verleger Michael Prochnow herausgab. Kirchenmusikdirektor Reinhard Seeliger führt das Werk am Sonntag 17 Uhr in der Peterskirche auf.

Herr Bethke, Jakob Böhmes Texte gelten als Herausforderung, er gibt Lesern wie Forschern Rätsel auf. Viele versuchen, ihn in Lesungen, Film, Theater einem breiten Publikum verständlich zu machen. Wie war Ihr Zugang als Komponist?

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Mir war es wichtig, keinen rein philosophischen, theologischen Text zu vertonen. Es sollte ein Dialog sein, weil er sich für die Besetzung verschiedener Stimmen eignet. Das Werk heißt "Colloquium Viatorum. Görlitzer Musikalischer Trialog zwischen einer unerleuchteten Seele, dem Teufel und einer erleuchteten Seele". Als ich den Text las, in dem die beiden Seelen und der Teufel sprechen, hatte ich schon Ideen im Kopf, wie die Stimmen klingen müssten, einen Erzähler fügte ich hinzu sowie weitere Stimmen.

Bietet die Musik einen emotionaleren Zugang zu Böhme als ein Text, den man eher mit dem Verstand begreifen muss?

Auch wenn man die Musik mit ihren etwas exotischen Klängen verstehen will, braucht man Verstand. Aber natürlich auch Empathie, um zu empfinden, was Böhme sagen wollte. Das eine geht nicht ohne das andere. War es für Vincent van Gogh die Farbe, die zwischen Verstand und Emotion vermittelt, so gilt das auch für die Musik.

Wie kam es dazu, dass Sie sich Jakob Böhme zuwandten?

Schon während meines Theologiestudiums hatte ich mein Hauptaugenmerk auf die Mystik gelegt. Da man auch Jakob Böhme als späten Mystiker bezeichnen kann, waren mir seine Schriften im Geiste nicht fremd. Nach den Görlitzer Proben des Akademischen Hochschulchores, den ich leite, kehrten wir häufig im "Przy Jakubie" in Zgorzelec neben dem Jakob-Böhme-Haus ein, wo das Flair des Mystikers bis heute zu spüren ist.

Ich wurde immer wieder gefragt, ob ich nicht einmal etwas aus seinem Schaffen vertonen wolle. Auch Michael Prochnow sprach mich an, der das Festival "dreyfach leben" für die Internationale Jakob-Böhme-Gesellschaft und die Innenstadtgemeinde organisiert.

Wie lange hat es gebraucht, bis Ihr Werk fertig war?

Auch ohne diese Anregungen hatte sich bei mir schon länger das Interesse herauskristallisiert, einen noch heute ansprechenden Böhme-Text musikalisch umzusetzen. Dennoch dauerte es fast fünf Jahre, bis die geistige und musikalische Formung gereift war, sodass ich das Werk im Oktober 2018 in Angriff nahm und Anfang 2019 beendete.

Sie führen es nicht selbst auf, Reinhard Seeliger studiert es mit dem Görlitzer Kammerchor, Musikern und Solisten ein. Sind Sie bei den Proben dabei oder lassen Sie los, wenn Sie eine Komposition abgeschlossen haben?

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Wenn ich das nicht könnte, dürfte ich nicht komponieren. Es ist mir eine große Ehre, dass Reinhard Seeliger die musikalische Leitung innehat. Bei ihm ist mein Werk in den besten Händen.

Konzert am Sonntag, 13. Juni, 17 Uhr in der Görlitzer Peterskirche unter Coronabedingungen, Kartenvorverkauf in der Peterskirche; Konzert am 20. Juni, 18 Uhr in der Friedenskirche Schweidnitz (Swidnica).

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