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Aktivisten besetzen Wald bei Würschnitz

Die jungen Umweltschützer fordern ein dauerhaftes Rodungsverbot und einen Stopp der Kiesabbau-Pläne in der Region.

Zweifelsohne ein Hingucker: Junge Umweltschützer besetzten jetzt ein Waldstück bei Würschnitz. Sie protestieren damit gegen die Erweiterung des Kiesabbaugebietes in der Region.
Zweifelsohne ein Hingucker: Junge Umweltschützer besetzten jetzt ein Waldstück bei Würschnitz. Sie protestieren damit gegen die Erweiterung des Kiesabbaugebietes in der Region. © Kristin Richter

Würschnitz. Die Plattformen der Baumhäuser sind in fünf, sechs Metern Höhe mit Polypropylenseilen an den Stämmen befestigt. Dazwischen eine freischwebende Hängematte, die im Wind schaukelt. Sie ist der Schlafplatz von Markus (Name geändert), Anfang 20, Student, der mit etlichen anderen Umweltaktivisten im Forst nahe Würschnitz ein Stück Wald besetzt hat.

Keine hundert Meter weiter befindet sich der Kiestagebau Würschnitz I, der in den nächsten Monaten erweitert werden soll. Dazu müssten hektarweise Bäume gefällt werden. Auf der anderen Seite der Straße nach Ottendorf-Okrilla soll es noch heftiger zur Sache gehen. Dort ist der Aufschluss eines komplett neuen Kiestagebaus geplant. Naturschützer und die Anwohner der umliegenden Dörfer laufen schon seit Jahren dagegen Sturm. Sie befürchten, dass die ökologisch wertvollen Großdittmannsdorfer Niedermoore dem Kiesabbau geopfert werden.

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„Die Aktionen der Naturschutzverbände und der Würschnitzer Bürgerinitiative, all die Petitionen und Presseartikel haben bisher nicht dazu geführt, dass die Abbaupläne geändert wurden“, sagt Markus. „Wir wollen das jetzt ganz praktisch angehen.“ Die Erweiterung des Kiesabbaus werde erhebliche Auswirkungen auf das Grundwasser haben – eine Tatsache, die die Verantwortlichen weitestgehend ignorieren oder sogar bestreiten. Rekultivierte Gebiete aber seien nicht mehr in der Lage, die lebensnotwendigen Schutzfunktionen zu erfüllen.

Die Umweltaktivisten in der Laußnitzer Heide verstehen sich als unabhängige, sich selbst organisierende Gruppe. Es gebe schon personelle Überschneidungen mit der Fridays-for-Future-Bewegung, aber diese sei nicht in die Aktion involviert. Auch die lokale Bürgerinitiative contra Kiesabbau ist nach eigenen Angaben nicht beteiligt. „Wir verfolgen die Aktivitäten der jungen Leute aber mit großer Sympathie“, erklärt die Kleinnaundorferin Elisabeth Lesche.

„Heibo“ steht auf einem Spruchband, das die Waldbesetzer an einem Baumhaus befestigt haben – die Abkürzung für den Dresdner Heidebogen. Dieser ist mit der Laußnitzer und Radeburger Heide eine Art grüne Lunge im Norden der Landeshauptstadt. Es seien bereits zu viele wertvolle Ökosysteme zerstört worden, sagt eine Aktivistin, die sich Freya Wald nennt. „Jetzt ist Schluss mit lustig: Wir wollen Gemeinwohl vor Profit!“

Um ihr Ziel zu erreichen, sind die jungen Menschen bereit, einiges auf sich zu nehmen. Der Sachsenforst, dem das Waldstück gehört, hat den Besetzern bereits ein Ultimatum gestellt. Bis Freitag sollen sie ihr Camp räumen. Deshalb rechnen die Heibo-Leute damit, dass irgendwann die Polizei anrücken wird, und möglicherweise versucht, sie von ihren Baumhäusern herunterzuholen. Einige von ihnen haben bereits Erfahrungen bei Waldbesetzungen in anderen Bundesländern gesammelt und sind entsprechend vorbereitet.

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„Wir sind nicht ausschließlich hier, um die Rodung zu verhindern“, erklärt Markus. Das Camp solle auch als Ort der Begegnung, des Austausches und des praktischen Erlebens einer klimagerechteren Gesellschaftsform dienen. Die im Wald entstehenden Strukturen etwa werden baumschonend, mehrere Meter über dem Boden in Seilen hängend, gebaut. Der Transport der lebensnotwendigen Dinge erfolgt auf Lastenfahrrädern, und es wird darauf geachtet, möglichst wenig Müll zu erzeugen. Besuche, Gespräche und Unterstützung jeglicher Art seien ausdrücklich erwünscht.

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