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Autoschieber in Großenhain geschnappt

Nach einer Verfolgungsjagd durch Sachsen wurde ausgerechnet der Folberner Kreisverkehr einer polnischen Bande zum Verhängnis.

Der BMW und jene, die ihn in Leipzig gestohlen hatten, wurden in ihrer Fahrt jäh gebremst: Im Großenhainer Ortsteil Folbern konnten die Fahnder die Autodiebe nach einer Kollision festnehmen.
Der BMW und jene, die ihn in Leipzig gestohlen hatten, wurden in ihrer Fahrt jäh gebremst: Im Großenhainer Ortsteil Folbern konnten die Fahnder die Autodiebe nach einer Kollision festnehmen. © Foto: LKA

Großenhain. Sie arbeiten am liebsten nachts. Dann, wenn andere - und ganz besonders jene, auf die sie es abgesehen haben - schlafen, wird sich ans Werk gemacht. Keineswegs spontan, sondern gut vorbereitet und mit ausgeklügeltem Plan selbstverständlich. Schließlich ist die Hierarchie im Unternehmen nicht umsonst ausgefeilt bis in die letzte personelle Zehenspitze, und jeder verrichtet, wofür er auserkoren wurde: Spionage, knacken, Weitertransport und nicht zuletzt die Ware an den Auftrag gebenden Mann oder die Frau bringen.

Keine Frage: Das Geschäft des gewerbsmäßigen Bandendiebstahls von Fahrzeugen ist perfekt durchorganisiert und wird mit einer hohen kriminellen Energie betrieben. Immerhin 14.229 kaskoversicherte Fahrzeuge wurden 2019 in Deutschland gestohlen - gewissermaßen 39 pro Tag.

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Autos wie jenes, das in der vergangenen Woche mitten in Leipzig entwendet worden ist. Wie das Landeskriminalamt Sachsen (LKA) am Donnerstag bekanntgegeben hat, führte die Sonderkommission Kfz gemeinsam mit den örtlichen Polizeidirektionen vom 7. bis 11. Dezember einen Fahndungseinsatz zur Bekämpfung der internationalen Kriminalität bei Fahrzeugen durch. 2013 gegründet, beschäftigen sich deren Mitglieder sehr intensiv mit der voller krimineller Energie betriebenen Beschaffung von beliebten, hochpreisigen Automarken.

Dabei gerade sehr angesagt: BMW und Audi. "Das wechselt allerdings auch immer, je nachdem, wie die Nachfrage auf dem betreffenden Markt ist, sozusagen", erklärt Kathlen Zink. Wie die LKA-Sprecherin betont, werde entwendet, was vom Auftraggeber für eine entsprechende Summe gewünscht worden ist. Momentan seien tatsächlich die beiden Marken hoch im Kurs. Und Leipzig stelle dabei einen regelrechten Hotspot beim Diebstahl hochwertiger Fahrzeuge dar.

Im jüngsten Fall wäre das Objekt der Begierde wiederum ein BMW 318, dieses Mal Baujahr 2020, gewesen. Gestohlen in der sächsischen Metropole - getreu den Erfahrungswerten der Soko Kfz - natürlich wieder am späten Abend. Denn während der rechtmäßige Eigentümer träumend im Bett liege und nicht das Geringste ahne, geschweige denn eine Anzeige wegen Diebstahls bei der Polizei machen könne, solle sein Auto im Schutze der Dunkelheit längst außer Landes geschafft sein.

Allerdings: Nicht an diesem 9. Dezember. Bereits in Leipzig, so Kathlen Zink, hätten sich die Ermittler an die zwei Mitglieder einer polnischen Bande drangehängt. Während der eine Mann auf der Autobahn 4 in Höhe Dreieck Nossen festgenommen und bei ihm auch das Werkzeug, welches zum Entwenden des Autos notwendig gewesen ist, sichergestellt wurde, wäre der BMW-Fahrer auf Zeit noch ein Stück weiter gekommen.

Eine Verfolgungsjagd, die ausgerechnet in einem Großenhainer Ortsteil endete. Auf dem Weg zur Autobahn Richtung Thiendorf sei ihm nämlich der Kreisverkehr in Folbern gehörig zum Verhängnis geworden. "Aufgrund der erhöhten Geschwindigkeit ist er vom Weg abgekommen und mit einem Baum kollidiert", sagt Kathlen Zink im SZ-Gespräch. Da der nunmehr zerknautschte BMW komplett fahruntüchtig gewesen sei, habe der junge Mann versucht, zu Fuß zu flüchten. Nicht schnell genug offenbar für die ohnehin noch motorisierten Beamten, auch er wäre vorläufig festgenommen worden.

Inzwischen seien beide Beschuldigten, 23 und 28 Jahre alt, einem Ermittlungsrichter vorgeführt worden, der Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des gemeinschaftlichen Diebstahls in einem besonders schweren Fall erlassen habe. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft beziehungsweise der Soko Kfz dauerten an. Und der schnittige BMW, Baujahr 2020? Hatte seine sicherlich letzte Ausfahrt nach Großenhain.

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