merken
PLUS Großenhain

Baudaer Zweifel am Funkturm

Der Ortschaftsrat sieht viele ungeklärte Fragen an die Deutsche Funkturm. Hilfe holte sich das Gremium mit einer Befragung der Bürger.

Der Eingang zum Baudaer Hundesportplatz ist momentan verschlossen. In unmittelbarer Nachbarschaft soll ein Funkmast gebaut werden. Die Auffassung dazu ist im Dorf sehr unterschiedlich.
Der Eingang zum Baudaer Hundesportplatz ist momentan verschlossen. In unmittelbarer Nachbarschaft soll ein Funkmast gebaut werden. Die Auffassung dazu ist im Dorf sehr unterschiedlich. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. "Wir wollen das nicht hinter vorgehaltener Hand entscheiden", sagt Baudas Ortschaftsratsvorsitzender Lars Dronigke. Gemeint ist ein Antrag der Deutschen Funkturm GmbH, auf einem Flurstück am Dorfrand einen Funkmast zu bauen. Hier befinden sich unter anderem eine stillgelegte Mülldeponie sowie der Hundesportplatz. Noch kurz vor dem Jahreswechsel wollte sich der Ortschaftsrat dazu positionieren. Doch da war das Gremium nicht beschlussfähig.

Die "gewonnene" Zeit nutzte man, um unter den Baudaern eine Umfrage per Handzettel zu starten. 129 Antworten gingen ein, 78 Teilnehmer sprechen sich für, 51 gegen den Bau eines Funkmastes aus. Bedenken gibt es unter anderem zur Standortwahl sowie gesundheitlicher Beeinträchtigungen für die Einwohner wegen befürchteter Strahlung. Zudem steht die Frage, ob das Areal des Hundesportplatzes weiterhin genutzt werden kann und ob die frühere Deponie richtig verschlossen ist. Die Befürworter des Funkmastes wiederum hegen den Wunsch nach besserer Handyabdeckung.

TOP Jobs
TOP Jobs
TOP Jobs

Finden Sie bei Top Jobs jetzt Ihren Traumjob in der Region! Attraktive Arbeitgeber Ihrer Region suchen Sie!

Geplant ist, auf dem Flurstück einen Antennenträger von rund 50 Meter Höhe zu bauen, der mit Diensten für das GSM-, LTE- und 5G-Mobilfunknetz ausgestattet ist. Versorgt werden sollen die Ortsteile Bauda, Colmnitz, Walda und Kleinthiemig.

Ortschaftsrat Frank Richter ist strikt gegen das Vorhaben. "Unser Wahrzeichen war immer die Kirche. Der Turm wäre 14 Meter höher", sagt er. Auch erschließe sich ihm der Grund für eine solche Anlage nicht wirklich. "Nach dem Tornado 2010 hatten wir hier immer gutes Netz. Das ist aber dann immer schlechter geworden", vermutet er argwöhnisch den Hintergrund. Sein Credo: "Hätten wir Breitband zwei Jahre früher bekommen, würden wir heute über den Turm nicht diskutieren."

Auch Claudia Menzel ist "allgemein dagegen" und "überrascht vom Votum der Umfrage". Sie fühle sich von dem Antrag etwas übergangen und hegt ebenfalls Zweifel am geplanten Standort. Warum könne so etwas nicht auf Colmnitzer Flur oder anderswo gebaut werden? Ein denkbarer Grund wäre, dass das Flurstück am Baudaer Dorfrand ein kommunales sei. Doch, so Frank Richter, davon gebe es ein weiteres - weiter weg von der Dorfbebauung in Richtung Peritz gelegen.

In welcher "Ecke" des relativ großen Flurstücks der Mast gebaut würde, ist bislang nicht bekannt. Einzige klare Aussage: Der Mindestabstand von 500 Metern zum Dorf werde eingehalten. Und viel Fläche wird offenbar nicht benötigt. Aber: Die müsste von der Stadt an den Betreiber veräußert werden. "Wohin würde denn das Geld für das Grundstück dann fließen?" fragt Ortschaftsrat Steve Grünberg augenzwinkernd. Claudia Menzel hakt ein. Damit könne man den Baudaern doch den Wunsch nach der dringend nötigen Spielplatzzuwegung im Dorf erfüllen. Sie würde sowohl den Sprösslingen aus dem Dorf nutzen als auch den Feuerwehrleuten den Weg zum Gerätehaus verkürzen.

Ortsvorsteher Lars Dronigke erinnert daran, dass bei einem Stammtisch mit Baudaer Unternehmern vor sechs Jahren der Wunsch nach besserer Funkabdeckung geäußert wurde. "Es gibt Stellen in Bauda, die unterversorgt sind", sagt er. Und tatsächlich gibt es im Dorf auch heute noch Einwohner, die zum Telefonieren mit dem Handy auf den Hof gehen und für eine gute Internetverbindung in Nachbarorte fahren müssen.

Weiterführende Artikel

Funkmast: Planung geht von vorn los

Funkmast: Planung geht von vorn los

Die Deutsche Funkturm GmbH lenkt ein: Für Wildenhain ist ein neuer Standort im Gespräch. Gegen die bisherigen Pläne hatte es großen Widerstand gegeben.

"Wir werden heute keine Abstimmung vornehmen, sondern eine Stellungnahme an die Stadt abgeben", schlussfolgert Dronigke nach der Debatte im Ortschaftsrat. Niemand dürfe vor vollendete Tatsachen gestellt werden - das benachbarte Wildenhain oder jüngste Beispiele aus Zeithain und Cavertitz sind Mahnung genug. Deshalb sind sich die Baudaer Räte einig, eine Einwohnerversammlung anzuregen, bei der auch die zuständigen Leute von der Funkturm GmbH Rede und Antwort stehen. Der Faktor Zeit sitzt dabei nicht vordergründig im Nacken. Von einem fixierten Baubeginn spricht eh noch niemand. Auch wenn die Vermutung naheliegt, dass "der Turm irgendwann kommt". Über die Umstände aber wollen die Baudaer auch weiterhin ein Wörtchen mitreden.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Großenhain