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Beschuldigten droht lebenslange Haft

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mord: Nach dem gewaltsamen Tod eines Großenhainers im Juni soll der Tathergang bis November rekonstruiert werden.

Ermittler suchten im Juni zwischen Medessen und Zottewitz nach Spuren eines Tötungsdelikts. Nun wird wegen des Verdachts auf gemeinschaftlichen Mord ermittelt.
Ermittler suchten im Juni zwischen Medessen und Zottewitz nach Spuren eines Tötungsdelikts. Nun wird wegen des Verdachts auf gemeinschaftlichen Mord ermittelt. © Archivfoto: Kristin Richter

Großenhain. Es ist noch nicht vorbei. Nicht heute und nicht morgen. Weihnachten wird besonders schlimm werden, all die Geburtstage und Momente, in denen der leere Platz auf dem Stuhl unweigerlich klar macht, er wird nicht mehr wiederkommen. „Ich denke so oft an seine Familie und daran, wie hart es doch für sie jetzt sein muss“, bekennt eine Großenhainerin.

Die junge Frau ging einst mit jenem Mann in den Kindergarten, der Ende Juni in einem Waldstück nahe Zottewitz aufgefunden wurde. Ruhig und freundlich sei er gewesen. Unfassbar, dass er auf diese tragische Weise aus dem Leben geschieden ist. Und eben, weil sie ihn persönlich kannte, wäre es nur schwer zu ertragen, wenn in Boulevardzeitungen in belastender Regelmäßigkeit detailreich und ihrer Meinung nach wenig einfühlsam im Hinblick auf alle Angehörigen immer wieder die furchtbaren Ereignisse des Sommers hochgekocht würden. "Ich kann gar nicht nachvollziehen, dass das überhaupt erlaubt ist und solche Daten von den zuständigen Behörden herausgegeben werden", empört sich die Röderstädterin und schüttelt den Kopf. 

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Ein Vorwurf, den die Staatsanwaltschaft Dresden nicht unkommentiert im Raum stehen lassen möchte. Wie Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt im Gespräch mit der Sächsischen Zeitung am Dienstag betont, gebe seine Behörde selbstverständlich keine derlei sensiblen Fakten weiter. Das Ermittlungsverfahren sei schließlich ein nichtöffentliches Verfahren, und der Ermittlungserfolg dürfe nicht durch Verlautbarungen gefährdet werden. Deshalb wären auch zum jetzigen Zeitpunkt Auskünfte nur sehr begrenzt möglich. "Und abgesehen davon, sind die Persönlichkeitsrechte des Opfers und der Beschuldigten zu wahren", erklärt Jürgen Schmidt. 

Ein Opfer und vier Beschuldigte - zwei Frauen im Alter von 28 und 30 Jahren sowie zwei Männer, 28 und 51 Jahre alt - die am 19. Juni erstmals in das Licht der Öffentlichkeit treten. Mit einem Hilferuf hatte sich eine Frau an jenem Freitag an die Großenhainer gewandt. Gesucht werde ein Bruder und Sohn, der bereits am 13. Juni - eine knappe Woche zuvor - um 19.30 Uhr ohne ersichtlichen Grund vom Rahmenplatz in Großenhain verschwunden sei. Bekleidet damals mit blauer Jeans, einem blau karierten Hemd und Turnschuhen mit weißer Sohle. Seitdem fehle von ihm jede Spur. Dazu das Bild des Vermissten - ein Schnappschuss von einem Beisammensein im Biergarten. Wer ihn gesehen hat oder Hinweise jeglicher Art hat, solle sich per Facebook-Nachricht melden.

Während der Facebook-Post zigfach geteilt und kommentiert wird, kreist am Freitagabend ein Hubschrauber über der Region. Medessen, Zschieschen, Zabeltitz, ganz sicher ist man sich am Sonntagnachmittag nicht mehr, wo genau es nun gebrummt hat. Aber dass da irgendetwas passiert sein muss, vermutet so mancher. Nicht zuletzt deshalb, weil schon am Sonnabendabend eine neue Facebook-Meldung aufhorchen ließ. Inzwischen sei der junge Mann durch die Mithilfe vieler Suchenden gefunden worden, steht da zu lesen. Das Erschütternde: Der sofort herbeigerufene Notarzt habe nur noch den Tod des 37-Jährigen feststellen können. 

Es lässt sich bisher nur vermuten, dass es ein Grausamer gewesen sein muss. Zumindest nach Morgenpost-Informationen sollen die Täter das Opfer ins Auto seiner getrennt lebenden Ehefrau gelockt und ihm im Wald vor Zottewitz schwerste Verletzungen zugefügt haben, an dessen Folgen er starb. Ein Tathergang, den Jürgen Schmidt indes so nicht bestätigen möchte. Der Ort, an welchem die Leiche gefunden worden sei und der Tatort wären allerdings identisch. Auch über das Motiv der vier Beschuldigten, die sofort nach Auffinden der Leiche ermittelt worden und seitdem in Untersuchungshaft sitzen, macht der Justizsprecher keine Angaben. Obgleich sich zahlreiche Großenhainer sicher sind, es könne sich um Geld handeln, wolle die Staatsanwaltschaft vor dem Hintergrund der laufenden Ermittlungen dazu keine Aussagen treffen.

Deutlicher wird Oberstaatsanwalt Schmidt dagegen im Hinblick auf mögliche Verzögerungen eines Prozesses. Laut Morgenpost befürchtet, weil eine der Beschuldigten mit Zwillingen schwanger sein soll und die Kinder just dann zur Welt kämen, wenn Anklage erhoben werde. Das Verfahren drohe angesichts der Unvereinbarkeit von Terminen für alle notwendigen Teilnehmer deshalb möglicherweise aus formalen Gründen zu platzen, was gar zur Entlassung der mutmaßlichen Täter aus der Untersuchungshaft führen könne. 

Szenarien, denen Jürgen Schmidt jedoch widerspricht: "Aus Sicht der Staatsanwaltschaft gibt es keinen Anlass für die Befürchtung, dass die Beschuldigten aus der Untersuchungshaft entlassen werden müssten". Die Ermittlungen wegen des Verdachts des Mordes - dafür drohe eine lebenslange Freiheitsstrafe - würden mit Hochdruck geführt und sollen bis Anfang November 2020 abgeschlossen werden. Nach Anklageerhebung entscheide das Schwurgericht über die Verhandlungstermine. 

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