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"Endlich wieder miteinander reden"

Uwe Schumacher ist neuer Friedensrichter der Stadt. Der Zabeltitzer setzte sich klar gegen einen Mitbewerber durch. Mit ihm teilt er eine Leidenschaft.

Von Thomas Riemer
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Uwe Schumacher (32) ist neuer Friedensrichter der Stadt Großenhain.
Uwe Schumacher (32) ist neuer Friedensrichter der Stadt Großenhain. © Foto: Thomas Riemer

Großenhain. Die Wahl war kaum zu Ende, da konnte man die beiden "Konkurrenten" schon beim Fachsimpeln antreffen. Zwar ging es zwischen Uwe Schumacher und Thilo Schmidt nicht um juristische Feinheiten oder gar Nachbarschaftsstreitigkeiten - sondern um Handball. Denn diese Leidenschaft teilen der neue Großenhainer Friedensrichter Uwe Schumacher und sein Stellvertreter Thilo Schmidt seit vielen Jahren. Der eine ist Abteilungsleiter beim SSV Zabeltitz und Mitglied im Vorstand des HC Großenhain. Der andere unter anderem Beisitzer im Verbandsgericht des Handball-Verbandes Sachsen sowie Mitglied des Sportgerichts des Mitteldeutschen Handballverbandes.

Nun also bewarb sich das Duo um die Nachfolge von Friedensrichterin Renate Harenburg, die nach fünfjähriger Amtszeit nicht wieder antrat. In geheimer Abstimmung setzte sich Uwe Schumacher dann klar durch. Der 53-Jährige wohnt in Zabeltitz, ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder. Der Diplomingenieur im Studiengang Pflanzenproduktion ist derzeit Verkaufsleiter eines namhaften Düsseldorfer Unternehmens, im Zuge der Digitalisierung in Corona-Zeiten jedoch überwiegend im regionalen Bereich tätig.

Friedensrichter - das sei eine überaus wichtige Position, so das Credo von Uwe Schumacher. In seinem neuen Ehrenamt will er deshalb versuchen, Dinge zu klären, bevor sie eskalieren. Und erreichen, "dass wir wieder miteinander reden". Die Aufgabe, kleinere Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten außerhalb eines Gerichtsverfahrens zu schlichten oder Sühneversuche durchzuführen, sei eine Funktion, "die für unsere Region sehr wertvoll in unserem Umgang miteinander ist", formulierte er in seinem Bewerbungsschreiben.

Die Suche nach gemeinsamen Lösungen, das aufmerksame Zuhören bei der Erläuterung von Sachverhalten und die rationale Bewertung von komplexen Zusammenhängen seien Elemente seiner beruflichen Tätigkeit als Nationaler Verkaufsleiter im Unternehmen Henke, so Uwe Schumacher.

Das Ehrenamt des Friedensrichters kann grundsätzlich jeder interessierte Einwohner übernehmen, ausgeschlossen sind jedoch Rechtsanwälte, Notare, Richter, Staatsanwälte sowie Polizei- und Justizbedienstete. Der Friedensrichter wird für fünf Jahre vom Stadtrat gewählt.

Die Palette der Schlichtungsthemen reicht von Nachbarschaftsstreitigkeiten über Ärger mit dem Vermieter bis hin zu Körperverletzung, Hausfriedensbruch, Beleidigung oder Sachbeschädigung. Der Amtsinhaber erhält für die Ausübung des Ehrenamtes eine monatliche Entschädigungspauschale. Außerdem übernimmt die Stadt die notwendigen Reisekosten und die Kosten für eine angemessenen Aus- und Fortbildung.

Der zweite Bewerber, Thilo Schmidt, erklärte sich trotz des klaren Abstimmungsergebnisses bereit, den Stellvertreterpart zu übernehmen. Seit 1988 ist er Großenhainer. Sein Interesse an Auslegung und Anwendung von Rechtsgrundlagen und Ordnungen sei im Rahmen seiner Ausbildung zum Betriebswirt geweckt worden, begründete der 56-Jährige seine Bewerbung.

Ursprünglich gab es sogar einen dritten Interessenten für das Amt. Doch ein Bewerber zog seine Unterlagen wieder zurück.