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Für Schüler und Eltern eine Vollkatastrophe

Schule zu ab einer Inzidenz von 165: Die künftige bundesweite Regel trifft auch Großenhains Einrichtungen und sorgt für Frustration, Enttäuschung und Sorge.

Ihre Präsenzschultage sind gezählt: Die Kinder der ersten Grundschule Großenhain schütteten bereits am Donnerstag ihrer Schulleiterin Sylvia Ufert ihr Herz aus: Sie sind traurig, dass sie zuhause lernen sollen.
Ihre Präsenzschultage sind gezählt: Die Kinder der ersten Grundschule Großenhain schütteten bereits am Donnerstag ihrer Schulleiterin Sylvia Ufert ihr Herz aus: Sie sind traurig, dass sie zuhause lernen sollen. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Wohl selten waren sich der Dresdner Chef und seine Mitstreiter in allen Teilen des Freistaates emotional so nah. Denn was Kultusminister Christian Piwarz als einen ganz bitteren Tag für all die Bemühungen, um Schulen und Kindertagesstätten offenzuhalten bezeichnet, ist für die Pädagogen einhellig niederschmetternd. Auch wenn an diesem Donnerstagvormittag bisher nur bekannt ist, dass aufgrund des neuen Infektionsschutzgesetzes - der sogenannten Corona-Notbremse - möglicherweise ab Montag eine Änderung kommen könne und entsprechende Informationen im Laufe der nächsten Stunden eintreffen werden. Die Stimmung ist bereits jetzt auf Kellerniveau gesunken. "Da im Bundesrat kein Widerspruch der Länder gegen das veränderte Gesetz zu erwarten ist, gehe ich davon aus, dass unsere Kinder ab Montag wieder zu Hause lernen müssen", sagt Sylvia Ufert.

Der Leiterin der ersten Grundschule Großenhain ist die Enttäuschung anzumerken. Gemeinsam mit ihrem Team sei sie ebenso wie Schüler und Eltern sehr dankbar gewesen, als es nach Ostern endlich wieder richtig mit dem Lernen losgegangen wäre. Obgleich man nach mehr als einem Jahr inzwischen darauf eingespielt sei, die Lerninhalte als Aufgabenkomplexe für das häusliche Kinderzimmer oder den Küchentisch zu schnüren, könne nichts den normalen Unterricht in der Schule ersetzen. Besonders für die Erstklässler, welche das Einmaleins des Schreibens, Lesens und Rechnens erst erlernen müssen, fehle die professionelle Anleitung. "Wir würden den Beruf des Lehrers vollkommen ad absurdum führen, sollte die gleiche Arbeit in gleicher Qualität von einem Elternteil, welches seinerseits noch berufstätig ist, erledigt werden", gibt Sylvia Ufert zu bedenken. Nicht zuletzt deshalb wäre es Augenauswischerei, würde man das Schuljahr mit all seinem erreichten Wissen und den Benotungen einem üblichen ohne Corona gleichsetzen. Das sei einfach nicht realistisch.

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Nicht unerheblich sei zudem der Umstand, dass die Schüler die Gemeinschaft ihrer Altersgenossen, Freunde, aber auch vertraute Lehrer als feste Bezugspersonen vermissen würden. Seitdem durchgesickert wäre, dass ab Montag wohl wieder auf Präsenzunterricht verzichtet werden muss, seien die Kinder sehr traurig. "Und wir auch! Denn das Kultusministerium hat sich wirklich sehr viel einfallen lassen, damit die Schulen und Kitas in Sachsen offen bleiben können", bedauert Sylvia Ufert.

Eine Strategie der Selbsttestung, über die sich auch Axel Hackenberg nur lobend äußert. Seit zweimal in der Woche Schüler und Lehrer an der Zweiten Oberschule Am Schacht auf das Coronavirus getestet worden seien, habe es laut dem Schulleiter keinen einzigen Fall einer Coronainfektion in seinem Haus gegeben. Die Akzeptanz für das Verfahren wäre bei allen Beteiligten groß gewesen. Nicht zuletzt, weil der Vorteil des Präsenzunterrichts überwogen hätte. Sachsens eigener Weg wäre geeignet gewesen, auf andere Bundesländer übertragen zu werden.

Allerdings: Dazu kommt es nicht mehr. Zumindest an diesem Donnerstag im April. Kurz vor halb zwei wabert durch die Medien, dass die Notbremse nun auch den Bundesrat passiert hat und das Gesetz bereits von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterschrieben worden ist. Für Schüler, Eltern und Pädagogen im Großenhainer Land der deprimierende Paukenschlag zum Einläuten in die nächste Homeschooling- und Betreuungsphase in den eigenen vier Wänden. "Die Entscheidung ist überhaupt nicht nachvollziehbar! Das Lernen in Kombination mit den regelmäßigen Testungen hat sich bewährt. Was jetzt kommt, ist für Schüler und Eltern eine Vollkatastrophe", ist sich Axel Hackenberg sicher.

Nichtsdestotrotz werde man natürlich versuchen, im Sinne der Kinder und Jugendlichen das Allerbeste draus zu machen. Für die Schüler der Abschlussklassen stelle die veränderte Situation kein Problem dar. Sie seien bestens auf die Prüfungen vorbereitet. Alle anderen Jahrgänge müssten trotz der auch emotional belastenden Lage motiviert werden, nun auch weiter gut durchzuhalten.

Und wieder müssen sich die Schüler im Großenhainer Land auf häusliches Lernen einstellen. Nicht jeder hat verständlicherweise nach all den Monaten die notwendige Motivation.
Und wieder müssen sich die Schüler im Großenhainer Land auf häusliches Lernen einstellen. Nicht jeder hat verständlicherweise nach all den Monaten die notwendige Motivation. © Foto: privat

Klassengemeinschaft kann schwer entstehen

Wie lange weiter ist, kann indes auch Klaus Liebtrau nicht sagen. Der Leiter des Großenhainer Werner-von-Siemens-Gymnasiums hatte bis zuletzt auf ein Wunder gehofft - vergeblich. "Der Fehler, den Sachsen vor Ostern gemacht hat, wird nun deutschlandweit begangen. Es ist wirklich schade, dass das, was sich jetzt so gut eingespielt hat, schon nach so kurzer Zeit wieder unterbrochen wird. Und das begründet mit einer Zahl von 165, von der man letztlich nicht weiß, wie genau sie zustande kommt", kritisiert der erfahrene Pädagoge.

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Nein, ein normales Schuljahr, in welchem unterrichtet werde, Schüler kontinuierlich Beisammensein und Austausch erleben würden und auch traditionsreiche schulische Veranstaltungen den Alltag bereicherten, sehe anders aus. Zum zweiten Mal in Folge, was sich durchaus bei einigen Schülern in der Motivation niederschlage. Auch die Bildung von Gemeinschaften wäre wie etwa in den neu hinzugekommenen fünften Klassen ein echtes Problem. Aber nur zu jammern, helfe trotzdem nichts. "Wir werden alles tun, damit auch diese Phase gut von unseren Schülern überstanden wird! Und wir hoffen vor allem , das sie nicht so lang andauert."

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