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Geht der Trend zum Homeoffice?

Durch Corona ging alles ganz schnell: Von heute auf morgen arbeiteten viele Menschen zu Hause. Ein Arbeitsplatz, der plötzlich ans Herz gewachsen scheint.

Was früher undenkbar schien, hat die Coronapandemie plötzlich möglich gemacht: Das Arbeiten von zu Hause aus erscheint vielen Arbeitnehmern angenehm. Und nicht nur ihnen.
Was früher undenkbar schien, hat die Coronapandemie plötzlich möglich gemacht: Das Arbeiten von zu Hause aus erscheint vielen Arbeitnehmern angenehm. Und nicht nur ihnen. © Norbert Millauer

Großenhain. Die Nachbarin tut es, der eigene Kollege schwärmt davon und Autogigant Porsche wirbt sogar dafür: Zum 1. Mai trat bei der Volkswagen-Tochter eine Betriebsvereinbarung in Kraft, die den Angestellten des Industrieunternehmens mehr Flexibilität verleiht. Homeoffice ist das Zauberwort, welches hoch motivierte Mitarbeiter bescheren soll, die deshalb an bis zu zwölf Tagen im Monat arbeiten dürften, wann, wo und wie sie es wollen. "Ob im Ferienhäusle in Oberbayern oder im Café nebenan, das ist uns letztlich egal", bekundet die Porsche-Crew und macht keinen Hehl daraus, mit derlei Mitarbeiterfürsorge 2025 nur noch 60 Prozent der Schreibtische vorhalten zu wollen.

Keine Frage: Was durch die Coronakrise gewissermaßen über Nacht für zahlreiche Menschen im Großenhainer Land zum teilweise abenteuerlichen Unterfangen wurde, ist inzwischen lieb gewordene Routine. Einerseits ohne Ablenkung hintereinanderweg arbeiten können, befreit vom lästigen Telefonklingeln der ringsum hockenden Kollegen und andererseits auch mal eine entspannende Kaffeepause auf dem eigenen Balkon einlegen oder mit dem heimkehrenden Schulkind gemeinsam Mittag essen zu dürfen.

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Auch Kyra Garbe arbeite nach eigenem Bekunden hin und wieder mal gern in den eigenen vier Wänden. Allerdings: Immer wünsche sich das die Mitarbeiterin der Marketingabteilung in der Großenhainer Metallleichtbau GmbH nicht für sich. Obgleich es durchaus möglich sei, in dafür geeigneten Geschäftsbereichen auch mal von zu Hause aus arbeiten zu dürfen, fehle ihr das Miteinander mit den Kollegen und der Austausch untereinander dann doch auf die Dauer. Nichtsdestotrotz habe auch in der Stema die Möglichkeit des häuslichen Arbeitens durch die Pandemie mehr an Bedeutung gewonnen. Im traditionsreichen Großenhainer Betrieb, in welchem seit über 50 Jahren Pkw-Anhänger für das Profi- und Heimwerkersegment sowie den Sport- und Freizeitbereich gefertigt werden, seien zahlreiche Angestellte aus der Verwaltung zu Hause tätig gewesen. Mit dem Absinken der Infektionszahlen wären die meisten von ihnen jedoch wieder ins angestammte Büro in der Röderstadt zurückgekehrt.

Immer mehr Normalität verzeichnet erfreulicherweise die Agentur für Arbeit in Riesa. Fortlaufend, so Berit Kasten, beobachte man das Pandemiegeschehen und käme schrittweise zu mehr Kundenkontakt, der auch gebraucht werde. Wie die Behördensprecherin betont, werde aber nicht von heute auf morgen in einen „Normalmodus“, geschaltet, wie er vor der Pandemie bekannt gewesen sei und es würde auch Gelerntes aus der Krise mitgenommen.

Homeoffice werde es daher auch über den 30. Juni - an diesem Tag läuft die bundesweite Homeoffice-Pflicht aus - hinaus geben. "Kurzfristig ist es uns wichtig, dass sich die Mitarbeiter in den Teams eigenständig organisieren und einen geeigneten Weg einschlagen, der sowohl Homeoffice als auch Präsenzzeiten ermöglicht. Dann sind wir sowohl für unsere eingeladenen Kunden persönlich ansprechbar, vermeiden aber gleichzeitig mehrfach besetzte Büros und Flure", erklärt Berit Kasten. Während der Pandemie sei der Arbeitszeitrahmen von 6 bis 22 Uhr ausgedehnt worden, damit Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen und nicht zuletzt dienstliche Aufgaben geschultert werden konnten. Momentan liefen nun Gespräche, wie und in welchem Rahmen das mobile Arbeiten zukünftig in der gesamten Organisation der Bundesagentur für Arbeit organisiert werden könne. Immerhin sei das häusliche Tätigsein auch so neu nicht. Bereits seit 2005 ermögliche die Agentur Formen der Arbeit vom heimischen Büro aus, damit Angestellte Beruf und Familie besser vereinbaren könnten.

Möglichkeiten, wie sie auch in der Kreissparkasse Meißen geboten werden. Nachdem inmitten der Coronakrise das Tätigsein von zu Hause aus geräuschlos vollzogen und keinerlei Einschränkungen für die Kundschaft gebracht habe, sei selbstverständlich geschaut worden, für welche Arbeitsplätze dies weiterhin praktikabel sei. "Überall da, wo es machbar ist, wurde den Mitarbeitern ein entsprechendes Angebot unterbreitet. Controlling, Revision oder Marketing sind beispielsweise prädestiniert dafür", sagt Ralf Krumbiegel. Laut dem Sprecher der Sparkasse sei damit jedoch keinerlei Zwang zum häuslichen Arbeiten verbunden. Ganz im Gegenteil! Es solle vielmehr eine Erleichterung für all jene sein, die etwa bisher zweieinhalb bis drei Stunden Weg zur Arbeit und wieder daheim zurücklegen mussten oder aus anderen persönlichen Gründen diese Variante als die produktivere empfinden.

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Ein klares Ja zum Homeoffice gibt es auch in der Großenhainer Stadtverwaltung. Das Angebot dafür entspreche dem Selbstverständnis als moderner und attraktiver Arbeitgeber. Zwischen dem Oberbürgermeister und dem Personalrat sei deshalb im September 2020 eine Dienstvereinbarung zur alternierenden Telearbeit geschlossen. Das heißt, so Rathaussprecherin Diana Schulze, dass ein Anteil der wöchentlichen Arbeitszeit auf Antrag zu Hause verrichtet werden könne. Diese Heimarbeit wäre in der Regel außerhalb der Sprechzeiten der Stadtverwaltung Großenhain möglich und werde aktuell von 13 der insgesamt 130 Mitarbeiter nebst dazugehöriger Einrichtungen genutzt. "Die Stadtverwaltung ist natürlich in erster Linie Dienstleister für die Anliegen und Anfragen der Bürgerinnen und Bürger, weshalb nicht in allen Arbeitsbereichen Telearbeit möglich ist", gibt Diana Schulze zu bedenken.

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