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Großenhainer denken wieder an Urlaub

Die SZ begleitet Reisebüroinhaberin Evi Klotzsche-Bieler seit Januar 2020. Während erst gar nichts mehr gebucht wurde, geht es nun wieder los - mit Hindernissen.

Endlich hat er wieder gut lachen: Björn Klotzsche von Evis Reiseladen in Großenhain kann seit dieser Woche loslegen. Auch in der Röderstadt wird Richtung Urlaub gedacht und gebucht.
Endlich hat er wieder gut lachen: Björn Klotzsche von Evis Reiseladen in Großenhain kann seit dieser Woche loslegen. Auch in der Röderstadt wird Richtung Urlaub gedacht und gebucht. © Kristin Richter

Großenhain. Sie ist eine Probandin in eigener Sache. Seit ein paar Tagen macht Evi Klotzsche-Bieler das, was viele Röderstädter gern wieder bei ihr buchen würden. Die Inhaberin des gleichnamigen Reisebüros ist im Urlaub an der westdeutschen Ostsee. Mit dem Wohnmobil von einem Ort zum anderen unterwegs, erlebt die 64-Jährige gewissermaßen live und in Farbe was es bedeutet, zu den ersten Touristen der Nach-Lockdown-Zeit zu gehören.

"Ohne frisches Testergebnis oder das Vorzeigen eines Impfausweises läuft nichts! Zwar hat die Gastronomie in Schleswig-Holstein wieder geöffnet, aber man spürt ganz deutlich die Verunsicherung von Personal und Gästen", verrät Evi Klotzsche-Bieler. Auch wenn die anderen Bilder nach all den Monaten verständlicherweise gut tun würden. Unbeschwerte Ferien, eben solche, wie sie vor der Pandemie verlebt werden konnten, würden ganz anders ausschauen.

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Nichtsdestotrotz ist die Röderstädterin nach eigenem Bekunden dankbar, dass dennoch wieder in Richtung Ferne gedacht werden kann. Seit Januar vergangenen Jahres hätten sie und ihre Mitarbeiter einen nervlich belastenden Kampf gekämpft. So wie alle anderen Reisebüros in der Stadt zählte schließlich auch ihr Geschäft zu den ersten, welche die Auswirkungen des herannahenden Corona-Virus zu spüren bekommen hätten.

Während sich auch das Leben im Großenhainer Land scheinbar noch unbeeindruckt von der unsichtbaren Gefahr zeigte, habe die Branche schon die ersten finanziellen Dämpfer versetzt bekommen. Reisen etwa nach China und Fernost wurden plötzlich wegen einer noch völlig unbekannten Covid-19-Erkrankung abgesagt, bevor es letztlich auch in deutschen Gefilden Schlag auf Schlag gegangen sei. Klassenfahrten, Abschlussreisen und langfristig geplante Urlaube. "Wir waren nur noch mit den Stornierungen und dem Abwickeln der Buchungen beschäftigt", bekennt Evi Klotzsche-Bieler.

Platzte im Gleichklang mit der weltweiten Entwicklung so mancher Traum für die eigentlich Urlaubshungrigen, habe sie für ihre Mitarbeiter Kurzarbeit beantragen müssen, die glücklicherweise auch bewilligt worden sei. Seitdem sei die Kasse leer gewesen, Einnahmen habe es so gut wie keine mehr gegeben. "Wir haben in den letzten Monaten null Umsatz gehabt. Wenn es die staatlichen Zuwendungen nicht gegeben hätte, wäre das Geschäft längst schon dicht", erklärt Evi Klotzsche-Bieler die dramatische wirtschaftliche Situation.

Buchungsportale brechen zusammen

Seit Anfang der Woche ginge es nun wieder aufwärts. Nachdem in immer mehr Bundesländern die Inzidenzen gesunken und Lockerungen bekanntgegeben wurden, habe das Telefon im Laden wieder angefangen, zu klingeln und diverse Buchungsportale seien teilweise unter der Last der Anfragen zusammengebrochen. Björn Klotzsche, der im Geschäft fachkundig die Stellung hält, während seine Mutter im Norden weilt, hat alle Hände voll zu tun. Ferienwohnungen seien deutschlandweit dabei plötzlich ebenso begehrt wie Reisen nach Österreich, die Türkei oder Griechenland. Offenbar kein Wunder: "Das Land hat sich schon im vergangenen Jahr sehr um seine Gäste bemüht! Mit weitreichenden, gut funktionierenden Konzepten haben sich die Griechen auf die Pandemie und die daraus resultierenden Hygienevorschriften eingestellt", weiß Evi Klotzsche-Bieler.

Sie macht jedoch keinen Hehl daraus, dass Fernliebende sich sicherlich auf merklich gestiegene Preise - zumindest einschätzbar schon für Deutschland - und auf individuell besondere Bedingungen einstellen müssten. Demnach seien Corona-Tests für Nichtgeimpfte noch immer vor den Rückflügen etwa aus der Türkei und Spanien verpflichtend. Wer positiv getestet werde, müsse dann zur Quarantäne im Urlaubsland verbleiben. Zumindest nach jetzigem Stand der Dinge, Änderungen seien natürlich auch in Sachen Reise momentan ständig an der Tagesordnung.

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Um keine zu verpassen, hat Evi Klotzsche-Bieler auch in ihrer kurzen Auszeit den Laptop dabei und ist selbstverständlich telefonisch erreichbar. Denn auch das sei ihr als Probandin in eigener Sache deutlich geworden: Urlaub machen, müsse man nun erst wieder lernen.

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