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Großenhainer Traditionsladen schließt

Der Corona-Pandemie wirtschaftlich erlegen: Nach 30 Jahren geben Ute und Horst Wegerich ihr beliebtes Schuhgeschäft auf der Meißner Straße auf.

Und wieder neigt sich in Großenhain eine Ära dem Ende entgegen: 30 Jahre lang führte Ute Wegerich gemeinsam mit ihrem Mann Horst das Schuhgeschäfts steps. Nun wird es schließen.
Und wieder neigt sich in Großenhain eine Ära dem Ende entgegen: 30 Jahre lang führte Ute Wegerich gemeinsam mit ihrem Mann Horst das Schuhgeschäfts steps. Nun wird es schließen. © Kristin Richter

Großenhain. Die Nachricht platzte am Donnerstag in die städtische Mittagsruhe. Auf Facebook hatte die Runde gemacht, womit auch Ute und Horst Wegerich nun nicht mehr länger hinter dem Berg halten wollten. Die Inhaber des Schuhgeschäfts steps haben sich nach eigenem Bekunden schweren Herzens dazu entschlossen, ihren Laden Ende Oktober zu schließen. Eine Entscheidung, die der engagierten Familie sehr schwergefallen sei. Schließlich habe ihnen die Arbeit mit all den Kunden über die Jahre hinweg sehr viel Freude und Spaß bereitet, lassen sie in einem persönlichen Schreiben wissen. Aber die wirtschaftlichen Auswirkungen durch die Corona-Pandemie wären zu gravierend und nachhaltig, um den täglichen Belastungen weiterhin standhalten zu können.

Immerhin: Ute und Horst Wegerich gehören gewissermaßen zu den ersten Einzelhändlern der Großenhainer Nachwendezeit. Horst Wegerich, einst Direktor im volkseigenen Elektromotorenwerk Elmo, krempelte damals die Ärmel hoch und eröffnete gemeinsam mit seiner schon immer Schuhe liebenden Frau ein eigenes Geschäft auf der Meißner Straße. Eine kleine Erfolgsgeschichte mit vielfältiger Ware für Kinder, Damen und Herren begann. Die Sympathiekurve für das stets rührige und sich kümmernde Paar nebst freundlichem Verkäuferinnenteam stieg stetig nach oben, und gern besuchten die Kunden schließlich auch ein zweites Geschäft auf dem Frauenmarkt.

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Eines, das bereits seine Ladentüren geschlossen hat. Und nun also auch das Stammhaus. "Es ist keineswegs die Arbeit! Die machen wir wirklich noch immer gern. Auch wenn wir uns schon längst zur Ruhe hätten setzen können, lieben wir den Kontakt mit unseren Kunden und hängen auch sehr daran", bekennt Ute Wegerich am Donnerstagnachmittag im SZ-Gespräch - und Tränen schimmern in ihren Augen. Aber das tägliche Gedankenkarussell, die Angst vor den finanziellen Auswirkungen der durch die Coronakrise ausgelösten Kundenflaute, setze ihrem Mann und ihr so zu, dass eine Konsequenz unausweichlich gewesen sei. "Dabei haben wir selbstverständlich im Interesse unserer Kunden und natürlich unserer vier Mitarbeiterinnen alles darangesetzt, den Laden in gute Hände zu geben! Aber die zwei schon vorhandenen Interessenten sind leider wegen ihrer eigenen wirtschaftlichen Probleme inmitten der Pandemie wieder abgesprungen", erklärt die 75-Jährige.

Die beherzte Geschäftsfrau macht keinen Hehl daraus, dass man gemeinsam mit dem Team einige Tränen vergossen habe. Und sie hoffe inständig, dass die top ausgebildeten Verkäuferinnen ganz schnell wieder eine Anstellung fänden. Jegliche Unterstützung habe man den noch durch den Laden wirbelnden Frauen bis dahin zugesagt.

Zum Nachdenken kommen diese zumindest in diesen ersten Stunden des Räumungsverkaufs nicht. Alles, was das Lager an Schuhen hergegeben hat, steht bis zum 30. Oktober noch zum Verkauf. Sandalen, Ballerinas, Halbschuhe, Sneaker, Stiefel, Hausschuhe - es scheint, dass nichts zu haben ist, was es bei steps an diesem Augusttag nicht gibt. In Kringelschlange stehen die potentiellen Kunden vor dem Eingang und warten geduldig, als einer von sieben Personen laut Hygieneverordnung irgendwann hinein zu dürfen. "Ich kann mir gar nicht vorstellen, hier nicht mehr herkommen zu können", sagt eine Rentnerin und wischt sich verstohlen eine Träne aus den Augenwinkeln. Schon immer habe sie doch hier die Schuhe für sich und ihren Mann gekauft. Man sei mit Familie Wegerich und ihrer netten Tochter Claudia sozusagen in gewisser Weise zusammen älter geworden.

Große Betroffenheit auch bei Laura Kühn. Die junge Mama zweier Töchter habe sich sofort auf den Weg gemacht, als sie von der nahenden Schließung im Internet gelesen habe - und ist geradezu fassungslos. Schon in ihrer eigenen Kindheit wären bei steps für sie neue Schuhe gekauft worden. "Und ich war sehr froh über die ausgezeichnete Beratung und die Tatsache, hier immer die passenden Schuhchen für meine große Tochter zu finden, die leider mit Klumpfüßchen zur Welt gekommen ist", verrät die 23-Jährige und schüttelt traurig den Kopf.

Ein Gefühl, das gerade auch bei Ute Wegerich vorherrschend ist. Und dennoch wäre sie froh, jetzt noch ein paar Wochen vor sich zu haben. Noch ein paar Wochen den einen oder anderen Kunden sehen zu dürfen und auf diese Weise Abschied nehmen zu können. Mit jedem einzelnen Schuh, Stück für Stück und Schritt für Schritt - von steps, ihrem Lebenswerk.

Unübersehbar: Das traditionsreiche Schuhgeschäft steps auf der Meißner Straße in Großenhain wird zum 31. Oktober schließen.
Unübersehbar: Das traditionsreiche Schuhgeschäft steps auf der Meißner Straße in Großenhain wird zum 31. Oktober schließen. © Kristin Richter

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