merken
PLUS Großenhain

Kulturzentrum auf der Kippe?

Der städtische Eigenbetrieb fährt erwartungsgemäß einen Fehlbetrag ein. Der ist niedriger als sonst. Trotzdem macht sich der Geschäftsführer Sorgen.

Jörg Rietdorf: Der Geschäftsführer der Kulturzentrum Großenhain GmbH sieht die Zukunft seines Unternehmens mit gemischten Gefühlen.
Jörg Rietdorf: Der Geschäftsführer der Kulturzentrum Großenhain GmbH sieht die Zukunft seines Unternehmens mit gemischten Gefühlen. © Norbert Millauer

Großenhain. "Sollte diese Situation weiter so bestehen, ist die Gesellschaft existenzgefährdet." Ein Satz, den Jörg Rietdorf ganz am Ende seines Lageberichts für das Jahr 2020 formuliert hat. Der Geschäftsführer der Kulturzentrum Großenhain GmbH macht damit klar: Noch so ein Jahr wie das vergangene steht sein Unternehmen nicht durch.

Paradox: Die Kulturzentrum GmbH fuhr im vergangenen Jahr geschäftsmäßig ein respektables Ergebnis ein. Der Jahresfehlbetrag lag mit etwas über 170.000 Euro deutlich unter dem des Vorjahres (knapp 240.000 Euro). Wie immer wird er aus der Entnahme aus der Kapitalrücklage ausgeglichen. "Kultur ist halt ein defizitäres Geschäft", so Jörg Rietdorf. Verschiedene Fördermaßnahmen, Gelder von der Stadt Großenhain - sie gleichen normalerweise vieles aus.

Anzeige
Nicht verpassen: Die Viterma Hausmesse für Ihr neues Wohlfühlbad
Nicht verpassen: Die Viterma Hausmesse für Ihr neues Wohlfühlbad

Vom 24. - 25. September, von jeweils 9 - 17 Uhr, findet die Viterma- Hausmesse statt. Neben der Veranstaltung vor Ort können sich Interessierte auch online zuschalten.

Doch Corona hat die Kultur weit, weit in die Niederungen gezwungen. Im Falle der Kulturzentrum Großenhain GmbH heißt das: Zwischen 2. November 2020 und Mai 2021 sind sämtliche Veranstaltungen abgesagt worden. Schloss, Kino - null Einnahmen. Ebenso die Gastronomie des Schlosskellers. Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit, ein komplett minimierter Stamm hielt wenigstens die Kultureinrichtungen Schloss und Kino betriebsmäßig intakt.

An den Neustart im Juni knüpften Jörg Rietdorf und seine Mitstreiter große Hoffnungen. In der Tat: Das Kinogeschäft lief vorsichtig, aber stetig an. Neue Filme, vor allem aber der Wegfall von Beschränkungen wie Maskenpflicht und Abstandhalten zwischen den Plätzen wirkten sich auf Besucherzahlen positiv aus. Events im Schloss erbrachten zufriedenstellende Gästezahlen. Und das von saechsische.de und Sächsischer Zeitung präsentierte "Kino im Schlossgraben" ist von Woche zu Woche beliebter geworden - je nach Witterung natürlich.

Es geht also aufwärts? Jörg Rietdorf zuckt mit den Schultern, wird nachdenklich. "Die Zeichen stehen auf Sturm. Ich befürchte Schlimmstes", sagt er dann. Und meint damit die wieder steigenden Inzidenzzahlen, die auf Kulturveranstaltungen zurückschlagen könnten. Bei einer Inzidenz von zehn und mehr ginge alles von vorn los - Maskenpflicht bis zum Sitzplatz, Abstand zwischen zwei Plätzen. "Das turnt die Leute ab", weiß der erfahrene Kulturmanager. "Wenn man beim Kabarett im Schloss lachen will, das aber mit Maske tun soll ..." Rietdorf zuckt wieder mit den Schultern.

Sein größtes Sorgenkind ist die Gastronomie im Kulturschloss. "Wir suchen da nach einer Lösung", sagt der Geschäftsführer. Im Klartext heißt das: Der "Schlosskeller" wird auf absehbare Zeit nicht öffnen. Fehlendes Personal ist der Grund dafür. Momentan reiche es gerade noch, um diverse Veranstaltungen irgendwie abzusichern. Doch auf Dauer ist keine Lösung mit eigenen Kräften in Sicht.

Jörg Rietdorf will deshalb in die Offensive gehen. Es gebe Gespräche mit Gastronomen aus der Region, die insbesondere Veranstaltungen wie Tagungen, Familienfeiern oder Kulturevents absichern. Solange es sich dabei um eine vorübergehende Bewirtschaftung der Schlossküche durch externe personelle Unterstützung handelt, wäre das aus Sicht der Stadtverwaltung auch kein Problem und würde dem gastronomischen Angebot der Kulturzentrum Großenhain GmbH dienen. Wenn freilich eine dauerhafte externe Lösung in Betracht gezogen würde - also Vermietung oder Verpachtung - wäre eine Entscheidung des Aufsichtsrates und des Stadtrates nötig - inklusive einer Ausschreibung, so Rathaussprecherin Diana Schulze.

Weiterführende Artikel

Kino sucht dritten Mann

Kino sucht dritten Mann

Ab sofort braucht das Großenhainer Kulturzentrum für die Sparte Filmgalerie einen neuen Mitarbeiter.

So oder so: Jörg Rietdorf schaut mit mehreren Blickwinkeln auf die kulturelle Zukunft in Großenhain. Veranstaltungen, unter anderem für die Vorweihnachtszeit, werden geplant - unter einigen Vorbehalten - das betrifft auch den Kartenvorverkauf.

Der Optimismus bleibt. Auch der, dass niemand in Stadt und Land seine finanziellen Unterstützungen einfriert. "An der Kultur wird normalerweise zuerst gespart", sagt Jörg Rietdorf. Sollte es so sein, wäre das tödlich.

Mehr zum Thema Großenhain