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Lernen zuhause: Selbstdisziplin ist fast alles

Denn, dass auch noch viel Geduld und technisches Verständnis nötig sind, hat eine Großenhainer Gymnasiastin seit gut zwei Wochen erfahren. Lernen mit Lernsax eben.

Die Großenhainer Gymnasiastin Emily in ihrem virtuellen Klassenzimmer: Seit dem Lockdown arbeitet die Schülerin die Aufgaben über das sächsische Lernportal Lernsax ab.
Die Großenhainer Gymnasiastin Emily in ihrem virtuellen Klassenzimmer: Seit dem Lockdown arbeitet die Schülerin die Aufgaben über das sächsische Lernportal Lernsax ab. © Foto: privat

Großenhain. Donnerstag, 10.12 Uhr. Eigentlich würde Emily bereits seit 7.30 Uhr im Unterricht sitzen. Doch ihre Schule, das Werner-von Siemens-Gymnasium in Großenhain, hat wie alle anderen Schulen seit 4. Januar geschlossen. Die 16-jährige Schülerin versucht seitdem, das Beste daraus zu machen. Und das Beste an der Situation sei definitiv nun mal, das Ausschlafenkönnen, bekennt Emily lachend. Nein, vor neun Uhr verlasse sie zurzeit nicht das kuschlige Bett. Die immer zu Wochenbeginn von ihren Lehrern ausgegebenen Aufgaben, könne sie schließlich auch noch danach abrufen.

Das heißt, wenn die Aufgaben überhaupt abzurufen gingen und die Technik tatsächlich funktioniere. Gleich nun, ob für Mathematik, Physik, Deutsch oder Biologie. Nicht nur an den ersten beiden Unterrichtstagen, an welchen die sächsische Lernplattform Lernsax wieder mächtig in die Negativschlagzeilen geraten war, sei das Abarbeiten in den eigenen vier Wänden eine absolute Katastrophe gewesen. Geplante Videokonferenzen mit den Fachlehrern mussten ausfallen, das sogenannte Hochladen ins System der erledigten Aufgaben wäre zuweilen zum Geduldsspiel verkommen. Glück im Unglück: "Unsere Lehrer sind verständnisvoll und trauen uns durchaus zu, dass wir uns bemühen, alles zu erledigen. Viele bieten uns auch mal ein Telefonat an und feststehende Zeiten, in denen wir per Mail Fragen stellen können und dann auch relativ schnell Antworten erhalten", verrät Emily.

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Dennoch sei das Lernen daheim keinesfalls mit dem Präsenzunterricht in der Schule zu vergleichen. Nicht nur die Mitschüler und Freunde fehlten. Auch die Atmosphäre der Schule selbst, die ein ganz anderes Gefühl vermittle und den Tagen eine feste Struktur verleihe. Etwas, das auch Lisa bestätigen kann. Seit dem Herbst besucht die 17 Jahre alte Röderstädterin ein Berufliches Schulzentrum in Dresden. Total begeistert sei sie von der neuen Klasse gewesen und den Lehrern, die in ihrer jugendlichen Art recht mitreißend unterrichtet hätten. Eine Freude, die jedoch nur kurz währte. Schon während der noch laufenden Schulzeit vor den Oktoberferien wäre relativ viel Unterricht ausgefallen, und auch die Klasse sei zuweilen um die Hälfte der Anwesenden geschrumpft. Erkrankungen an Corona oder dem Verbleib in häuslicher Quarantäne wechselten sich ab und hätten bis zum Lockdown im Dezember letztlich nicht unbedingt für einen normalen Schulalltag gesorgt. "Ganz ehrlich gesagt, mache ich mir schon große Sorgen, wie wir in dieser Situation nächstes Jahr ins Abitur gehen sollen", bekennt Lisa und zuckt die Schultern.

An den vergangenen drei Tagen habe sie manchmal bis nach 22 Uhr am Computer gehockt, um bis zu den jeweilig gestellten Abgabefristen Arbeitsblätter, Aufsätze und eine Präsentation abzuliefern. "Wir wohnen auf dem platten Dorf, und da kann ich froh sein, wenn sich das Internet nicht ganz verabschiedet", meint die Schülerin lachend und denkt dabei wahrscheinlich an eine Episode in der ersten Schulwoche. Ihre Mathematiklehrerin habe sich da nämlich mit der Klasse um 10.30 Uhr zur Videokonferenz verabredet. Als sich gegen 10.50 Uhr alle endlich vor gut sichtbaren Bildschirmen befanden, scheiterte ein gemeinsames Gespräch am immer wieder schwindenden Ton. Mit viel Geduld hätten die insgesamt 26 Mädchen und Jungen dann bis gegen 11.10 Uhr ausgeharrt. Alles passte: Schüler noch vor den Monitoren sitzend, die Pädagogin gut zu sehen und zu hören. "Doch dann ist es passiert! Die Tür hinter unserer Lehrerin ging plötzlich auf, und weinend kam ihr kleiner Sohn ins Zimmer gelaufen, der auf seinen eingequetschten Finger zeigte", erzählt Lisa. Damit sei die hart errungene Mathematikstunde zu Ende gewesen, bevor sie richtig begonnen hätte.

Tücken des Homeoffice und häuslichen Lernens gleichermaßen, über den auch der sächsische Lehrerverband ein Lied singen kann. Systemabstürze und Serverüberlastungen führten immer häufiger zu Frust und einem zusätzlichen Arbeitsaufwand für Lehrer und Schüler. Technische Lösungen und zusätzliche Investitionen in die Behebung von Sicherheitslücken und die Erweiterung von Serverkapazitäten seien deshalb dringend notwendig. Der Distanzunterricht in der derzeitigen Ausnahmesituation ist bereits eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Wenn Lernsax dann zusätzlich nicht ordnungsgemäß funktioniert, behindert das nicht nur die Aufgabenverteilung, sondern auch die Kommunikation zwischen Schüler und Lehrkraft. Unterrichtsabläufe werden gestört, was zu weiteren Lücken in der Wissensvermittlung führt, sagt Jens Nelle, stellvertretender Landesvorsitzender des Sächsischen Lehrerverbandes.

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Immerhin, für Emily hat es nun am längsten gedauert. Sie darf ab Montag wieder in die Schule gehen. Auch wenn die schöne Zeit des länger schlafen Könnens dann vorerst wieder vorbei sei. Für den gemeinsamen Unterricht mit Lehrern und Freunden nehme sie sogar das gern in Kauf.

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