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Arznei aus Hanf für Schmerzpatienten

Die Cannabis-Firma Demecan verkündet in Naunhof den baldigen Vertriebsstart. Das Medieninteresse ist groß.

Freude bei den Geschäftsführern von Demecan in Naunhof: Adrian Fischer, Cornelius Maurer, Jörg Wellmann und Constantin von der Groeben (v.l.) konnten am Donnerstag zum Richtfest einladen
Freude bei den Geschäftsführern von Demecan in Naunhof: Adrian Fischer, Cornelius Maurer, Jörg Wellmann und Constantin von der Groeben (v.l.) konnten am Donnerstag zum Richtfest einladen © Norbert Millauer

Naunhof. Christoph Zimmer-Conrad ist sich sicher: „Die Sache hier hat Hanf und Fuß“, scherzt der Referatsleiter, der Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) vertritt. 100 Kilogramm medizinisches Cannabis pro Monat werden demnächst im ehemaligen Löblein-Schlachthof an Apotheken verschickt – im Auftrag der deutschen Cannabis-Agentur. 100.000 Schmerzpatienten, darunter vor allem Menschen mit Tumorerkrankungen, warten auf diese pflanzliche Schmerzlinderung. Mit dem Richtfest der Firma Deutsches Medizinal-Cannabis (Demecan) wurde Naunhof zum Deutschen Zentrum für dieses Betäubungsmittel erklärt.

Noch laufen in den künftigen Produktionsanlagen die Bauarbeiten. Bei einem Rundgang durch das riesige Gebäude konnten sich zahlreiche Medienvertreter ein Bild davon machen, was hier künftig hoch gesichert vor sich gehen wird. Für die einzigen Gewinner des Zuschlages für deutschen Cannabisanbau ist der leerstehende Schlachthof ein idealer Standort. Die Berliner Gründer von Demecan, die zu den fünf besten Start-ups in Sachsen beim diesjährigen Unternehmerpreis zählen, sind vor allem auf Sicherheit angewiesen. Und die kann der massive Stahlbetonbau aus den 1990er Jahren gewährleisten. "Ein mechanischer Durchbruch für Diebe ist kaum möglich", so der promovierte Jurist Constantin von der Groeben. Das 100.000 Quadratmeter große Grundstück bei Radeburg ist zudem eine autarke Fläche, die erhebliche Erweiterungsmöglichkeiten bietet. Lager, Logistikbereich, ein eigenes Forschungslabor und zukünftig eine Extraktionsanlage sind räumlich gegeben. 30.000 bebaute Quadratmeter stehen für Büros und Produktion zur Verfügung.

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Medienvertreter aus ganz Deutschland werden durch die künftigen Produktionsräume geführt.
Medienvertreter aus ganz Deutschland werden durch die künftigen Produktionsräume geführt. © Norbert Millauer
Diese 10.000-Liter-Wassertanks dienen der richtigen Nährstoffbelieferung der Cannabispflanzen.er
Diese 10.000-Liter-Wassertanks dienen der richtigen Nährstoffbelieferung der Cannabispflanzen.er © Norbert Millauer
Arzt Adrian Fischer (2.v.l.) erläutert den Besuchern das Gebäude, an dem noch bis Oktober gebaut werden soll.
Arzt Adrian Fischer (2.v.l.) erläutert den Besuchern das Gebäude, an dem noch bis Oktober gebaut werden soll. © Norbert Millauer

"Indem wir nicht auf der grünen Wiese neu gebaut haben, können wir eine CO2-neutrale Produktion gewährleisten", so Constantin von der Groeben. Letztlich kann finanziell günstiger als ein Neubau entkernt und innen umgebaut werden. "Nachhaltigkeit lohnt sich", sagt von der Groeben. Auch für die Gemeinde Ebersbach sind die Cannabisunternehmer ein mehrfacher Gewinn. Schon jetzt ist der Gewerbepark Naunhof überregional bekannt, so Bürgermeister Falk Henschel. Bisher 37 hiesige Mitarbeiter hat das Unternehmen, das in der Gemeinde Gewerbesteuern zahlen wird. Deren Zahl soll rasch auf 80 anwachsen. "Medizinisches Cannabis ist ein Zukunftsmarkt", weiß der promovierte Ökonom Cornelius Maurer. Die vorerst in Deutschland erlaubte Jahresproduktion von 2,6 Tonnen vier Jahre lang wird sich demnach auf 25 Tonnen pro Jahr erweitern. Jährlich eine Milliarde Euro kann man mit diesen legalen Drogen verdienen. Die Demecan-Leute schätzen: Einer von 100 Bürgern wird künftig mit medizinischem Cannabis versorgt werden. Naunhof gibt es her, dass die Produktionsmenge rasch auf das Zehnfache erweitert werden kann.

Dass dieses Betäubungsmittel made in Ebersbach, das hier "Lebensqualität kultivieren" soll, auch den örtlichen Ansprüchen an Lebensqualität entspricht, sei für die Anwohner ganz wichtig. "Die Bürger sind entspannt", dass sich eine sanfte Produktion angesiedelt hat, so Hentschel. Noch könnten kleine Ladesäulen für E-Autos dazukommen, regt Ministeriumsmann Christoph Zimmer-Conrad an. "Und noch ein paar Bäume für schattiges Parken." Vorerst haben die Demecan-Geschäftsführer aber mit dem Ausbau der vier Hallen zu tun, in denen bald je 1.000 Hanfpflanzen streng abgeschirmt heranwachsen werden. "Alle Gebäudeöffnungen werden verschlossen", erklärt der promovierte Mediziner Adrian Fischer. Ein Zugang ist nur durch Panzertüren möglich. Über 150 Kameras werden die Cannabisproduktion überwachen. "Die Mitarbeiter unterziehen sich einer freiwilligen Kontrolle", verspricht Adrian Fischer. Am Lager gibt es, wie vorgeschrieben, eine zweite Absperrung.

Medizinhanf in den Händen von Vertretern der Naunhofer Vorgängerfirma Merican.
Medizinhanf in den Händen von Vertretern der Naunhofer Vorgängerfirma Merican. © Anne Hübschmann

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