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"Die Krise sollte uns stärker machen"

Lampertswalde kämpft nicht nur gegen die Corona-Folgen – sie muss noch ein Finanzdefizit aus den Vorjahren aufarbeiten. Die SZ sprach mit Bürgermeister René Venus.

Lampertswaldes Bürgermeister Rene Venus blickt für die SZ auf das alte Jahr zurück, hier im neuen Feuerwehrgerätehaus im Ortsteil Niegeroda.
Lampertswaldes Bürgermeister Rene Venus blickt für die SZ auf das alte Jahr zurück, hier im neuen Feuerwehrgerätehaus im Ortsteil Niegeroda. © Klaus-Dieter Brühl

Wo sind die Folgen der Corona-Pandemie in der Gemeinde derzeit am stärksten spürbar?

In den Kindereinrichtungen. Da kommen Eltern, die ihre Kinder hinbringen wollen, und die Leiterinnen müssen ihnen sagen, dass nur eine Notbetreuung für bestimmte Berufsgruppen möglich ist. Das ist für beide Seiten stark belastend. Auch das Büro der Gemeindeverwaltung mussten wir covidbedingt dichtmachen. Die Bürgersprechstunde an den Dienstagen findet zwar statt, aber wir versuchen, alle Probleme telefonisch zu lösen. In den Ortsteilen hört man von dem einen oder anderen Bekannten, der sich infiziert hat. Es sind relativ viele 30- bis 50-Jährige dabei. Wir können nur hoffen, dass sich die Situation durch die Impfungen wieder etwas normalisiert.

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Wenn Sie mit Lampertswaldern sprechen – wie haben die den erneuten Lockdown aufgenommen?

Ganz unterschiedlich. Auf der einen Seite gibt es Verständnis – die Situation im Landkreis ist ja wirklich dramatisch. Auf der anderen Seite machen sich viele Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Es gibt in der Gemeinde und der Region viele kleine Firmen, die schon um ihre Existenz fürchten. Und damit wächst in der Bevölkerung auch die Angst vor der Arbeitslosigkeit. Das drückt generell auf die Stimmung. Im Gastronomiebereich ist es nicht ganz so angespannt – wir haben ja nur noch eine Gaststätte im gesamten Gemeindegebiet. Die Dorfkneipen mussten schon vor Jahren und Jahrzehnten wegen der sinkenden Umsätze aufgeben. Und dann sind da noch die Vereine, die der Lockdown zur Untätigkeit verurteilt. Unser SV Lampertswalde betreut mehr als 200 Kinder in verschiedenen Sportarten. Die warten natürlich sehnsüchtig darauf, dass wieder was geht.

Lampertswalde hatte in den vergangenen zwei Jahren ungewohnte finanzielle Probleme. Wie ist Ihre Prognose für 2021?

Wir leben immer noch unter einer Haushaltsperre. Das heißt, wir müssen auch im neuen Jahr sparsam wirtschaften und unsere Finanzen in Ordnung bringen. Was an Mitteln vorhanden ist, investieren wir in unsere Kindereinrichtungen und die Feuerwehr. Im Kinderhaus am Raschütz müssen die Heizungsanlage erneuert und ein zusätzlicher Gruppenraum geschaffen werden. Das Knirpsenland braucht eine neue Sanitärausstattung. Und an unserem größten Investitionsobjekt – dem Gerätehaus für Oelsnitz/Niegeroda – müssen die Außenanlagen fertiggestellt werden. Es ist uns gelungen, wieder ein besseres Miteinander mit den großen Firmen im Gewerbegebiet zu finden, besonders mit Kronospan. Da kommt auch mal die eine oder andere Spende für Kindereinrichtungen und Vereine.

Was hat Sie im zu Ende gegangenen Jahr am meisten gefreut?

Der Fördermittelbescheid für den Breitbandausbau, der Anfang Dezember hereinkam. Für die Versorgung unserer Ortsteile mit Glasfaseranschüssen stehen mehr als acht Millionen Euro zur Verfügung – jeweils zur Hälfte Landes- und Bundesmittel. In den nächsten drei Jahren bekommen über tausend Haushalte, über hundert Unternehmen und alle öffentlichen Einrichtungen Lampertswaldes schnelleres Internet. Das ist auch dringend notwendig, besonders für die Wirtschaft. Kronospan zum Beispiel kämpft schon seit vielen Jahren mit dem Problem.

Was hat Sie geärgert?

Dass wir die 800-Jahrfeiern in den Ortsteilen Schönborn, Oelsnitz und Quersa/Brockwitz/Mühlbach absagen mussten. Da steckten bis zu zwei Jahre Vorbereitung drin; es waren bereits Verträge mit Musikern unterschrieben. Wir hoffen, dass wir das nun 2021 nachholen können.

Was wünschen Sie sich fürs neue Jahr?

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