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Geht Kalkreuther Gartenstreit gut aus?

Ein neuer Vereinsvorstand ist mit der Gemeinde als Grundstücksbesitzer uneins, ob die Anlage aus Klein- oder Erholungsgärten besteht - mit Folgen.

Jörg Klabunde (l.) und Lars Eichenberg vom Vorstand des Kleingartenvereins Kalkreuth e.V. machen sich Gedanken über die Zukunft. Auf einer Mitgliederversammlung soll bald Klartext geredet werden.
Jörg Klabunde (l.) und Lars Eichenberg vom Vorstand des Kleingartenvereins Kalkreuth e.V. machen sich Gedanken über die Zukunft. Auf einer Mitgliederversammlung soll bald Klartext geredet werden. © Norbert Millauer

Kalkreuth. Die Sache kam im Ebersbacher Gemeinderat hoch. Jörg Klabunde stellte sich als neuer Vorsitzender des Kleingartenvereins Kalkreuth vor. Ein Herr Vogel, ehemals unter René Sicker im Vorstand, griff den Bürgermeister verbal an. Die Gemeinde sei zwar Grundstückseigentümer der Kalkreuther Parzellen, doch was Falk Hentschel sich so herausnehme, das gehe nicht, meinte der ältere Kalkreuther. Das werde die Mitgliederversammlung im November schon beweisen.

Warum hängt der Segen schief in der Anlage neben der Staatsstraße, gleich hinterm Kalkreuther Sportplatz? Die SZ will es genauer wissen und macht eine Stippvisite. Die 31 Parzellen auf der kommunalen Sondernutzungsfläche - sie sollte mal ein Friedhof werden, heißt es - machen einen gepflegten Eindruck. Das Gemüse ist schon weitgehend geerntet. Überall sprießen Blumen. "Wir sind ein beim Amtsgericht eingetragener Kleingartenverein und müssen damit nur eine geringe Pacht an die Gemeinde bezahlen", erklärt Jörg Klabunde. Doch der Bürgermeister sehe das anders. Er wolle die Pachten in die Höhe treiben, weil das Bundeskleingartengesetz hier nicht eingehalten werde.

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Tatsächlich ist Falk Hentschel mit den Zuständen in der Anlage nicht zufrieden. "Wir haben beim alten Vorstand schon mehrfach Änderungen angesprochen, aber es wurden bisher keine Maßnahmen ergriffen", so der Bürgermeister. Seiner Meinung nach betreiben hier viele einen Freizeitgarten, bei dem die Erholung im Vordergrund steht und kaum gärtnerische Nutzung stattfindet. Auch große Pools würden das belegen. Als Gemeindevertreter muss Hentschel auf die Einnahmesituation zugunsten der Kommune schauen. "Wir müssen für die Zukunft eine saubere Regelung finden, ich komme den Kleingärtnern aber entgegen", sagt Hentschel. Doch die Pacht müsse steigen. Außerdem habe die Gemeinde ein Mitspracherecht bei Verträgen mit Nachpächtern. Damit weist der Bürgermeister die Vorwürfe von Kleingärtner Vogel aus der Ratssitzung entschieden zurück.

Martina Pruntsch ist seit 2005 Kleingärtnerin in der Anlage, die fünfte Pächterin des Gartens, und Schriftführerin im Vorstand. Sie zählt auf: "Wir haben alle eine 400-qm-Parzelle. Ich bezahle zwölf Euro Pacht im Jahr und 65 Euro Stromkosten sowie 14 Euro Grundsteuer." Einen Abwasseranschluss gibt es nicht, man habe Plumpsklo, denn in den Gärten darf keiner dauerhaft wohnen. Jährlich gäbe es satzungsgemäß eine Mitgliederversammlung und ein- bis zweimal jährlich eine Mitgliederinfo.

Martina Pruntsch räumt ein, dass vor vier Jahren einige Gärten an der Sportlerklause begonnen hatten, Probleme zu bereiten. Das wären Leute aus dem ehemaligen Naherholungszentrum Zschorna gewesen, das damals geräumt wurde. "Plötzlich standen große Pools im Garten", sagt die Schriftführerin. Die sind nicht erlaubt. Auch wer seine Pacht nicht bezahlt, unterstreicht der neue Vorsitzende, werde laut Gartenordnung abgemahnt. Und das kann bis zur Kündigung gehen.

Die Frage, ob man einen Klein- oder Erholungsgarten haben will, entschieden die Mitglieder laut Jörg Klabunde im Sommer mit 80-prozentiger Beteiligung schon: Sie wollen Kleingärten mit entsprechenden Rechten und Pflichten bleiben. Wenn die Mitgliederversammlung das am 10. November so entscheidet, will der Verein auch Mitglied im Kreisverein der Gartenfreunde Großenhain werden. Dort sagt der Vorsitzende Hans-Jürgen Kriegler, dass Pachten von bis zu zwölf Cent pro Quadratmeter im Jahr durchaus üblich sind. Bei 400 qm wären das 48 Euro. Die Kalkreuther zahlen derzeit nur drei Cent pro Quadratmeter. Als Schreckgespenst kursierten allerdings schon mögliche neue Pachten von 50 bis 70 Cent.

"Wir wollen als neuer Vorstand klar Schiff machen und rollen das Ganze jetzt auf, damit es rechtskonform ist", kündigte Neuvorstand Jörg Klabunde schon mal an. Er hat sich mit seinen Vorstandsleuten um einen Termin beim Bürgermeister bemüht. Noch vor der Mitgliederversammlung sollen die strittigen Punkte geklärt sein, damit man abstimmen kann. Dazu gehört auch, dass der Kleingartenverein rechtlich selbstständig ist und ein Grundstücksbesitzer künftig nichts mehr reinzureden hat.

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Um seinen guten Willen zu zeigen, will Vorstand Jörg Klabunde für nächstes Frühjahr eine gemeinsame Begehung mit der Gemeinde ansetzen. Was in einem Kleingarten nicht sein darf, werde dann festgestellt. Auch soll die Vereinssatzung von 1990 überarbeitet werden. Immerhin haben die Kleingärtner aber eines schon mal nicht: Leerstand.

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