merken
PLUS Großenhain

Großenhainer Gips-Giganten für Potsdamer Garnisonskirche

Sachsens Glanz für Preußens Gloria: In der Steinbildhauerwerkstatt Witschel entstanden drei Meter hohe Gipsmodelle für einen berühmten Kirchturm.

Sehen sie nicht prächtig aus? Diese Gipsmodelle für neue Trophäen der Potsdamer Garnoisonskirche schuf der Steinbildhauer Tilmann Richter.
Sehen sie nicht prächtig aus? Diese Gipsmodelle für neue Trophäen der Potsdamer Garnoisonskirche schuf der Steinbildhauer Tilmann Richter. © Norbert Millauer

Großenhain/Potsdam. Was den Dresdnern ihre Frauenkirche, ist den Potsdamern die Garnisonskirche. Auch sie soll mit Spenden wiederaufgebaut werden. Das Gotteshaus war im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt und wurde unter Walter Ulbricht 1968, ausgerechnet an einem Sonntag, gesprengt. Nur einzelne Spolien und Fragmente blieben übrig. Gegenüber dem Potsdamer Stadtschloss gelegen, entsteht der Turm der Barockkirche als wichtiger Teil der Potsdamer Stadtmitte nun neu. Die Garnisonkirche bildete zusammen mit der Heiligengeist- und Nikolaikirche den charakteristischen Potsdamer Dreikirchenblick.

In der Großenhainer Steinbildhauerwerkstatt Hartmut Witschel lagern derzeit die Fragmente der alten Kirche, die für den Alten Fritz 1730 bis 1735 erbaut wurde. Denn Steinbildhauer Tilmann Richter hatte die Ehre, die Gipsfiguren für die Trophäen auf dem künftigen Kirchturm zu fertigen. Weil keine Originalmodelle mehr verfügbar sind, gab die Stiftung Garnisonskirche Potsdam sie bei den Großenhainern in Auftrag. "Wir wissen, dass die sächsischen Handwerker auch beim Berliner Stadtschloss schon unverzichtbar waren", lobt Thomas Bolze, Gesellschafter der Stiftung und Ingenieur für Natursteinbau.

Anzeige
Allzeit gut beraten
Allzeit gut beraten

Kompetente Unterstützung zu Gesundheit und den passenden Produkten findet man in Riesa in der Domos-Apotheke in der Elbgalerie sowie in der Galeria-Apotheke.

Mit Chefarchitekt Strauch und Berater Lindemann hat Thomas Bolze die 3,20 Meter hohen und innen hohlen Gips-Giganten jetzt in Großenhain begutachtet. "Das Gesamtbild stimmt", so die Herren bei der Abnahme. Die charakteristische Neigung nach vorn ist gelungen. Auf einem der Turmabsätze werden die späteren Sandsteinfiguren künftig wieder über Potsdam schauen. Dabei konnte sich Steinbildhauer Tilmann Richter einzig auf Fotos aus den 1920er-Jahren verlassen. Und auf das, was in Sandstein von den Trophäen übrig geblieben war und heute dem Potsdamer Museum gehört. "Die Originalteile waren wichtig für mich für die Vorstellung von der Oberfläche", sagt Tilmann Richter.

So soll die Potsdamer Garnisonskirche einmal wieder aussehen.
So soll die Potsdamer Garnisonskirche einmal wieder aussehen. © Stiftung Garnisonskirche Potsdam
Steinbildhauer Tilmann Richter in der Großenhainer Werkstatt von Hartmut Witschel an den Gipsmodellen.
Steinbildhauer Tilmann Richter in der Großenhainer Werkstatt von Hartmut Witschel an den Gipsmodellen. © Norbert Millauer
Diese Originalstücke der gesprengten Potsdamer Kirche dienten Tilmann Richter als Arbeitsgrundlage.
Diese Originalstücke der gesprengten Potsdamer Kirche dienten Tilmann Richter als Arbeitsgrundlage. © Norbert Millauer
Auf den Turmabsätzen wie hier im Modell sollen die Sandsteinfiguren später postiert werden.
Auf den Turmabsätzen wie hier im Modell sollen die Sandsteinfiguren später postiert werden. © Stiftung Garnisonskirche

Diese vier Trophäen zeigen in römischem Stil Rüstungen nach der Schlacht. "Sie sind natürlich ikonografisch auf die Potsdamer Garnison und das Militär bezogen", erklärt Bernd-Wolfgang Lindemann. Doch der preußische Militarismus, wie er für die Entstehungszeit der Kirche und den Soldatenkönig Friedrich-Wilhelm I. typisch war, bekomme hier etwas Spielerisches. Die antiken Rüstungen und Helme an den Trophäen, die keine Gesichter haben, wirken leicht durch den üppigen Kopfputz. Die Waffen und Fahnen sind eher repräsentativ denn kriegerisch angeordnet. "Der römische Impetus war damals sehr modern", so Berater Lindemann.

Zehn Monate arbeitete Tilmann Richter an den vier Gips-Giganten. Wann sie nun in Sandstein gehauen werden, ist noch nicht raus. Denn die Finanzierung ist noch nicht geklärt, sagen die Potsdamer. Schon ein Modell kostete 30.000 Euro. Alle vier demnach 120.000 Euro. Etwa 160.000 Euro müssen dazu für die richtigen Turmfiguren aufgebracht werden. Seit 2008 kümmert sich die Stiftung um Gelder und öffentliche Aufmerksamkeit für die wieder entstehende Potsdamer Garnisonskirche.

Weiterführende Artikel

Der Steinbildhauer von Sanssoucis

Der Steinbildhauer von Sanssoucis

Tillman Richter fertigt die Kopie einer Originalfigur aus Potsdam an. Da muss jeder Faltenwurf stimmen.

Steinbildhauer restauriert den Faun

Steinbildhauer restauriert den Faun

Noch einmal will Hartmut Witschel die zerstörte Skulptur wiederherstellen. Doch der Sponsor hat einen Vorschlag.

Als Kultur- und Baudenkmal soll sie zukünftig als offene Stadtkirche, als Symbolkirche und als Schule des Gewissens genutzt werden, so die Stiftung. "Es geht um die Heilung einer offenen Wunde im Stadtbild Potsdams und um den christlichen Auftrag, Botschafter der Versöhnung an Christi statt zu sein." Darüber hinaus soll hier das Gedächtnis an die mit Potsdam in Verbindung stehenden Widerstandskämpfer gewahrt werden, die sich gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft zur Wehr setzten.

Mehr zum Thema Großenhain