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Als ich der Große Haynrich war

Jens Heinert schrieb vor 20 Jahren ein Märchen zur Grundsteinlegung fürs Kulturschloss. Warum er als Mitarbeiter der Gartenschau selbst ins Kostüm schlüpfte.

Jens Heinert 2005 im Kostüm des Großen Haynrichs am schmiedeeisernen Tor des Kulturschlosses.
Jens Heinert 2005 im Kostüm des Großen Haynrichs am schmiedeeisernen Tor des Kulturschlosses. © Klaus-Dieter Brühl Archiv

Großenhain. "Schöne Dinge werfen lange Schatten", ist Jens Heinert überzeugt. Auch der 7. Oktober 2000 war für ihn ein solches Ereignis. Es war der Tag, als der Gedanke an ein Großenhainer Amphitheater endgültig vom Regen hinweggespült wurde. Der Tag der feierlichen Grundsteinlegung für ein neues Kulturschloss. "Es regnete ununterbrochen, und es war hundekalt", erinnert sich der 52-Jährige. Ihm ging es damals schon nicht gut, zum großen Ereignis hatte er Fieber. Und hinterher war er erst recht drei Wochen krank.   

Und dennoch wird er diesen Tag nie vergessen und immer in guter Erinnerung behalten. Denn er hat ihn maßgeblich mitbestimmt. Als Mitarbeiter der Landesgartenschau GmbH war Heinert für die Dokumentation verantwortlich. "Es hatte sich so ergeben, dass auch ein bisschen Kultur- und Pressearbeit in meiner Hand lag", sagt er. Quasi aus der Not heraus habe er das Märchen vom Großen Haynrich aufgeschrieben, das zum Kern der Zeremonie in der Schlossruine wurde. 

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Jens Heinert ist sehr kunstinteressiert und verfasste schon immer gern Märchen und Geschichten. Er war damals wie viele andere begeistert von dem Gedanken, dass die Landesgartenschau 2002 die Aufwertung der Schlossruine zum Kulturzentrum möglich machte. "Das fand ich beachtlich, und uns war klar, dass es so etwas so schnell nicht wieder geben wird." Also musste das Besondere besonders gefeiert werden. Der Nix war als Maskottchen schon da. "Doch das war mir zu wenig, es fehlte Substanz", blickt Jens Heinert zurück. Es musste etwas her, was schlüssig aufzeigt, dass es speziell um Großenhain geht!

Ausschnitt aus dem Cover der von Jens Heinert geschriebenen Geschichte.
Ausschnitt aus dem Cover der von Jens Heinert geschriebenen Geschichte. ©  Repro: SZ

Und so begann Jens Heinert, das Märchen vom Großen Haynrich zu dichten: "In grauer Vorzeit, als noch dicke Nebelschwaden über die Wasser der Röderaue schwebten ..." Er erfand die Geschichte von Edelmann Haynrich, den er dann selbst darstellte, und Prinzessin Luceat, für die er Stadtmitarbeiterin Ramona Dittkrist begeistern konnte. In der Geschichte geht es um den habgierigen Wasserkönig Nixulquarant, der eine schöne Elfe in seine Gewalt bringt, aber von Haynrich mit einem Ring besiegt und in ein Plüschtier verwandelt wird. 

"Ich habe extra einen Serviettenring gravieren lassen, der mit Zeitungen und Fotos in die versenkte Schatulle kam", berichtet der Großenhainer. Während er und Ramona Dittkrist dem damaligen Bürgermeister Burkhard Müller die Schatulle überreichten, las Ursula Boersch aus Zabeltitz eine leicht gekürzte Fassung des Märchens zu getragener Hintergrundmusik vor. Für das Märchen hatte sich Jens Heinert von Peter Tschaikowskis Schwanensee-Ballett inspirieren lassen. Stadtführer Klaus Förster sei sein Lektor für das stadtgeschichtlich geprägte Märchen gewesen. 

Besonders detailreich schildert Jens Heinert, wie er zu seinem Haynrich-Kostüm gekommen ist. "Natürlich musste meine Figur schick aussehen, ich musste ja Großenhain gut verkaufen", schmunzelt der Großenhainer. Diesen Anspruch hat er auch beim Dresdner Hoftanz, wo er mitmacht. Das Kostüm sollte aus den Stadtfarben Gelb und Schwarz bestehen. Heinert sammelte Geld für edlen Goldbrokat aus München - Paramenten-Stoff für liturgische Gewänder. Genäht wurde das Kostüm in der damaligen "Arche" in der Auenstraße von Roswitha Golchert. Um die Stadtwappen-Applikation auf dem Überrock bat er Erika Ullmann, die als Klöpplerin in Großenhain bekannt ist. 

Manche wollten die "Krone" behalten

Trotz des Regens wurde die Grundsteinlegung vor 20 Jahren ein großes Ereignis. "Ich hab mich sehr gefreut, denn am Wiederaufbau war ich von Anfang an beteiligt", blickt Jens Heinert zurück. Er durfte als Mitarbeiter in die Schlossruine, als sie lange noch nicht zugänglich war. Auch das Gartenschau-Büro soll am Anfang dort gewesen sein. "Zur Grundsteinlegung haben wir das Gemäuer mit den Stadtfahnen ausgehangen", erinnert sich Heinert. Etwa 200 Gäste sind dann trotz des schlechten Wetters gekommen. Es gab damals auch gegenteilige Stimmen, weil das neue Kulturzentrum gegenüber der "Krone" keinen Orchestergraben mehr bekam. Und manche die "Krone" nicht aufgeben wollten. 

Doch heute, so denkt Heinert, wird dieser Streit längst vergessen sein. Er selbst mag das Kulturschloss sehr. Mit seinem Hoftanzverein ist er auch schon hier aufgetreten. Auch Filmaufnahmen für ihre Webseite haben die Hoftänzer hier gemacht. Heinerts Märchen erschien zur Landesgartenschau 2002 dann noch als Ausmalbuch, mit der in Versform umgedichteten Geschichte. Und Jens Heinert führte in seinem maßgeschneiderten Kostüm Besucher übers Gartenschaugelände. "Für kleine Mädchen war ich der Prinz, und eine ältere Dame hat mich sogar mal ungefragt an den Waden angefasst", erinnert sich Heinert mit gemischten Gefühlen. 

Ramona Dittkrist, Jens Heinert und Burkhard Müller mit der Schatulle, die zur Grundsteinlegung im Jahr 2000 in die Mauernische kam.
Ramona Dittkrist, Jens Heinert und Burkhard Müller mit der Schatulle, die zur Grundsteinlegung im Jahr 2000 in die Mauernische kam. © Klaus Dieter Brühl/Archiv

Doch nach 20 Jahren passt ihm das Kostüm leider nicht mehr. Nach vielen Auftritten - zur Verleihung der Preuskermedaille, der 800-Jahr-Feier, dem Tag der Sachsen - hat Jens Heinert es endgültig in den Schrank gehängt. "Es war kostbar für mich, ich hatte viel Freude an der Rolle des Großen Haynrich", träumt sich Heinert zurück. Das Kostüm der Luceat war übrigens eine Leihgabe des Theaters Meißen.

Gibt es jemanden, der die feierliche Grundsteinlegung vor 20 Jahren gefilmt hat? Bitte melden unter 03522 3695314. 

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